Das Temperament eines Vulkans: Nicole Zuraitis in Bleiburg
Highlight im Jazzherbst: Die mit Grammys ausgezeichnete Sängerin und Pianistin Nicole Zuraitis brachte das Brauhaus Breznik zum Beben.

Beim Pausen-Plausch mit Arthur Ottowitz, dem Obmann der Kulturinitiative Bleiburg, war man sich rasch einig. Kaum jemand schafft aktuell den Spagat zwischen Singer-Songwriting und Jazz so überzeugend wie die in Connecticut und New York lebende Nicole Zuraitis. Die bereits mit Grammys ausgezeichnete Sängerin und Pianistin erinnert da irgendwie an Joni Mitchell. Zwar unterscheiden sie sich stimmlich deutlich, aber nicht in der ambitionierten Umsetzung ihrer Kompositionen. Es ist daher wohl auch kein Zufall, dass ausgerechnet jener Bassist Larry Klein Zuraitis‘ neues Album „The Devil I Knew“ produziert hat, der in den 80er-Jahren mit Joni Mitchell verheiratet war. Mit ihm hat sie damals einige großartige und bis heute unterschätzte Alben aufgenommen (z.B. „Dog Eat Dog“).
Handverlesene Band
Zuraitis hat das Temperament eines Vulkans. Sie schreit und lacht und fordert ihr Publikum, kann aber schon im nächsten Moment hinter dem Klavier verschwinden und in ihrer dunkel klagendsten Stimme den Refrain des Titelsongs des neuen Albums singen: „Love is the one thing in life/ when you lose it/ you doubt it existed“. Dabei umgibt sie sich mit einer handverlesenen Band aus Musikern, die allesamt ihre hochqualitativen eigenen Projekte verfolgen: ganz besonders der versierte E-Gitarrist Idan Morim, der sowohl mit seiner Fingerfertigkeit glänzt als auch Sounds die Songs in unterschiedlichste Farben tauchen – die perfekte Ergänzung zu Zuraitis‘ enorm modulationsfähiger Stimme. Dan Pugach, Drummer und zugleich Zuraitis‘ Ehemann, spielt in dem Setting naturgemäß eine eher untergeordnete Rolle, zeigt aber in der rhythmischen Begleitung ebenso viel Gefühl wie Bassist Sam Weber.
Keinerlei Berührungsängste
Zuraitis hat musikalisch keinerlei Berührungsängste. Sie interpretiert erfrischend unpathetisch (und ganz anders als Dinah Washington) Standards wie „What A Difference A Day Makes“ oder lässt die kürzlich verstorbene Dolly Parton mit deren Song „Jolene“ hochleben. Zum Abschluss holt sie Arthur Ottowitz mit seiner Mundharmonika für einen Blues auf die Bühne. Das Ausnahmekonzert endet in Standing Ovations.