Wo Künstler Fritz Silberbauer in der Südsteiermark Spuren hinterließ
Fritz Silberbauer war Maler, Grafiker und Mitbegründer der Grazer Sezession. In Bad Radkersburg findet man noch heute Werke des in Leibnitz geborenen Künstlers.

In der Thermenstadt Bad Radkersburg geben sich Paare ihr Ja-Wort vor einer besonderen Kulisse. Im Turmzimmer des Rathauses haben die bereits 100-jährigen, farbenprächtigen Wandmalereien des Künstlers Fritz Silberbauer nichts von ihrem Glanz verloren. Sie zeigen die Geschichte der Stadt mit ihren dunklen und hellen Kapiteln, dazu Allegorien von Leben und Tod. Doch wie kam es dazu, dass sich der später so berühmte steirische Künstler hier verewigte?
Vom Waldviertel in die Südsteiermark
Die Wurzeln der Familie Silberbauer liegen in Groß-Siegharts im Waldviertel. Der Vater war Kaufmann und heiratete Katharina Bernhuber, Tochter eines Leibnitzer Finanzbeamten. 1883 kam Fritz Silberbauer in Leibnitz zur Welt. 1888 übersiedelte die Familie nach Graz. Der plötzliche Tod des Vaters stürzte die Familie in finanzielle Not. Mit 14 Jahren begann Fritz Silberbauer als Lehrling in der Lithographischen Kunstanstalt „Senefelder“ in Graz.

Erst mithilfe eines Stipendiums konnte er sich der Malerei widmen. Von 1910 bis 1914 studierte er als Meisterschüler an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Dann brach der Erste Weltkrieg aus. Silberbauer wurde als Soldat eingezogen. Nach Kriegsende heiratete er die Fabrikantentochter Eugenia Franziska Plentl. Ihr gemeinsamer Sohn Götz wurde später Architekt in Paris. 1923 gründete Silberbauer zusammen mit namhaften steirischen Künstlern die Grazer Sezession. Sie ist heute die älteste Vereinigung moderner bildender Künstlerinnen und Künstler in Graz.
Große Schaffenskraft
In seinem langen künstlerischen Leben produzierte Fritz Silberbauer eine große Zahl an Werken, bediente sich unterschiedlichster Techniken und unterrichtete. Er schuf Lithographien, Zeichnungen, Gemälde, Fresken, Glasfenster, Mosaike oder Sgraffiti. Seine Werke wurden in den 1930er Jahren in Warschau, New York, London und Indonesien ausgestellt.

Mäzene aus der Region
Finanzielle Engpässe konnte er mit Auftragsarbeiten und mithilfe kunstsinniger Mäzene abfedern. Josefa Reinhard richtete ihm auf Schloss Dornegg bei Groß Sankt Florian ein Atelier mitsamt Kupferdruckpresse ein. Baronin Maria von Kellersperg beauftragte ihn mit Ansichten von Schloss Frauheim bei Leibnitz. In Deutschlandsberg verhalf ihm der Gasthaus- und Kinobesitzer Josef Fauland zu einem Atelier in der Burg.

Den Auftrag für die Wandmalereien im Rathausturm erhielt er bereits 1926 vom Radkersburger Bürgermeister Franz Kamniker. In der Nachkriegszeit führte ihn sein Weg erneut in die Stadt. Silberbauer sollte kriegsbedingte Schäden an seinem Werk ausbessern und ein Kriegerdenkmal im Erdgeschoß des Rathausturms gestalten. Letzteres mahnt als Raummosaik noch heute an die Gräuel des Krieges.

NSDAP-Vergangenheit
Während der NS-Zeit galt er als geschätzter Künstler. Seine Kunst stellte er aber nicht in den Dienst der Propaganda. Wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft musste er sich nach 1945 vor Gericht verantworten, wurde aber freigesprochen. 1974 starb Fritz Silberbauer als hochgeehrte Persönlichkeit in Graz. Seine öffentlichen Werke findet man noch heute in der ganzen Steiermark. Sein künstlerischer Nachlass befindet sich im Graz Museum.