Bulgarien bittet EU und Nato nach Drohnenangriffen um Hilfe
Bei einem neuerlichen Drohnenangriff wurden wieder zwei Schiffe vor der bulgarischen Küste getroffen. Premier Rumen Radew fordert nun Konsequenzen. Die russische Botschafterin muss zum Rapport.

Erneut sind bei einem mutmaßlichen Drohnenangriff im Schwarzen Meer vor der Küste Bulgariens zwei Schiffe getroffen worden, eines ist gesunken. Um 01.30 Uhr in der Nacht auf Dienstag sei ein erstes Signal „über ein in Seenot geratenes Schiff empfangen worden“, schrieb Premier Rumen Radew auf Facebook. Die Besatzung konnte demnach gerettet werden. Ihren Angaben zufolge wurde das unter maltesischer Flagge fahrende und der Ukraine gehörende Schiff „von drei Drohnen“ getroffen. Bulgarien hat die Europäische Union und die Nato um technische Hilfe bei den Ermittlungen gebeten.
Laut Radew wurde ein weiteres Schiff getroffen und sank. Ein Besatzungsmitglied sei gerettet worden. Der Regierungschef kündigte an, angesichts dieses „inakzeptablen Vorfalls“ die russische Botschafterin ins Außenministerium in Sofia zitieren zu wollen. Auch die NATO sei informiert worden.
Erst in der vergangenen Wochen waren bei einem Drohnenangriff vor der bulgarischen Küste zwei Handelsschiffe getroffen worden. Dabei war eines der Schiffe gesunken, die gesamte Besatzung gilt als vermisst. Auf dem zweiten Schiff war nach Angaben der bulgarischen Behörden ein Feuer ausgebrochen, die 18-köpfige Crew konnte jedoch in Sicherheit gebracht werden.
Moskau-freundlicher Regierungschef
Radew, der im Grundsatz durchaus freundlich gegenüber Russland eingestellt ist, verurteilte den Drohnenangriff als „eklatanten Verstoß gegen das Seerecht und allgemein gegen die Regeln der Schifffahrt“. Die bulgarischen Behörden konnten nach eigenen Angaben aber zunächst nicht herausfinden, wer die Drohnen abgefeuert hatte.
Infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ist das Schwarze Meer immer wieder Schauplatz von Drohnenvorfällen. Laut der türkischen Handelskammer für Seefahrt (IMEAK) wurden seit Beginn des Krieges vor mehr als viereinhalb Jahren fast 230 zivile und Handelsschiffe im Schwarzen Meer angegriffen, der Großteil davon in diesem Jahr.