Griechenland will "Brain Drain" unter Jungen eindämmen

Griechenlands Regierung will den Exodus der jungen Bevölkerung einbremsen. "Jahrelang war der Brain Drain eine der schmerzhaftesten Folgen der griechischen Wirtschaftskrise", so Vizearbeitsministerin Anna Efthymiou im APA-Interview. "Hunderttausende junge Menschen, viele von ihnen hochqualifiziert, sind ins Ausland gegangen, weil sie in ihrer Heimat keine berufliche Perspektive sahen." Aktuell werde durch gezielte Aktionen versucht, diese Arbeitskräfte zurückzugewinnen.
"Unser Ziel ist es, den Brain Drain Schritt für Schritt in einen Brain Regain zu verwandeln", erklärte die Politikerin der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia (ND). "Das gelingt nicht mit Slogans", betonte Efthymiou. "Ein junger Mensch wird bleiben oder zurückkehren, wenn er hochwertige Arbeitsplätze, bessere Einkommen, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten und eine Wirtschaft vorfindet, in die es sich lohnt, seine Zukunft zu investieren."
Das Kabinett von Ministerpräsident und ND-Chef Kyriakos Mitsotakis wolle daher die Voraussetzungen für breitere und substanzielle Lohnerhöhungen schaffen. "Deshalb legen wir besonderen Wert auf Kollektivverträge." Gleichzeitig sei auch an der Steuer- und Abgabenpolitik gefeilt worden. "Seit 2019 wurden die Sozialversicherungsbeiträge insgesamt um 5,4 Prozentpunkte gesenkt. Ab April 2027 ist eine weitere Senkung um einen halben Prozentpunkt vorgesehen. Die seit 2026 geltende Steuerreform reduziert ebenfalls die Belastung der Haushalte, mit besonderem Augenmerk auf Familien mit Kindern." Zudem soll etwa durch eine verbesserte Wohnbaupolitik jungen Menschen mehr Möglichkeiten geboten werden, ihr Leben in Griechenland aufzubauen.
"Wir warten aber nicht einfach darauf, dass die im Ausland lebenden Griechinnen und Griechen zurückkehren. Wir gehen selbst zu ihnen", so die Staatssekretärin für Arbeit und soziale Sicherheit. Im Rahmen der Initiative "ReBrain Greece" werden aktuell Veranstaltungen in großen Zentren im Ausland organisiert, unter anderem in Amsterdam, London, New York, Düsseldorf, Stuttgart oder demnächst in München. "Dort werden griechische Fachkräfte direkt mit großen Unternehmen in Kontakt gebracht, die in Griechenland tätig sind. Allein an der letzten großen Veranstaltung in London nahmen mehr als 3.000 Interessierte und 35 große Unternehmensgruppen teil. Insgesamt sind bisher Tausende im Ausland lebende Griechinnen und Griechen über die Chancen informiert worden, die der griechische Arbeitsmarkt inzwischen bietet", zeigte sich Efthymiou vom Erfolg der Initiativen überzeugt.
Die im Vergleich zu den Durchschnittsgehältern hohen Lebenshaltungskosten in Hellas seien weiter eine Belastung für die griechischen Haushalte, bestätigte Efthymiou im APA-Interview. Zwar sei der Mindestlohn erst im April auf 920 Euro angehoben worden, doch müsse die Regierung danach trachten, die tatsächlich verfügbaren Einkommen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erhöhen. "Deshalb legen wir besonderen Wert auf Kollektivverträge." Gleichzeitig sei auch an der Steuer- und Abgabenpolitik gefeilt worden. "Seit 2019 wurden die Sozialversicherungsbeiträge insgesamt um 5,4 Prozentpunkte gesenkt. Ab April 2027 ist eine weitere Senkung um einen halben Prozentpunkt vorgesehen. Die seit 2026 geltende Steuerreform reduziert ebenfalls die Belastung der Haushalte, mit besonderem Augenmerk auf Familien mit Kindern."
In sozialen Fragen sei auch die Einschränkung für die Nutzung sozialer Medien durch Kinder unter 15 Jahren ab 1. Jänner 2027 in Griechenland ein wichtiges Thema, betonte die Politikerin der Nea Dimokratia. "Der Schutz von Kindern im digitalen Umfeld ist eine der großen gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit. Ich denke, wir müssen zwei Extreme vermeiden: Wir sollten die Technologie weder verteufeln, noch Kinder Plattformen und Algorithmen schutzlos aussetzen, die darauf ausgelegt sind, die Verweildauer der Nutzerinnen und Nutzer zu maximieren." Als Mutter von zwei Kindern halte sie es für besonders wichtig, ein sicheres digitales Umfeld mit Grenzen und Schutzmechanismen zu bieten, "zugleich aber ihre Persönlichkeit und ihre Rechte zu respektieren".
Bezüglich der Spannungen mit dem Nachbarland und NATO-Partner Türkei meinte Efthymiou: "Die Position Griechenlands ist stabil und eindeutig: Wir streben Dialog, Frieden und gutnachbarschaftliche Beziehungen an. Griechenland sucht keine Spannungen." Gleichzeitig gebe es aber einen klaren Rahmen: "Die Achtung des Völkerrechts und des Seerechts." Die Streitfrage, die einem internationalen Gericht vorgelegt werden könnte, betreffe die Abgrenzung des Festlandsockels und der Wirtschaftszone in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer. "Fragen der griechischen Souveränität stehen nicht zur Verhandlung."
(Das Gespräch führte Filippos Sacharis/APA in Athen)