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Firmenpleiten: „In der Steiermark ist keine Erholung in Sicht“

In den ersten drei Quartalen legten die Firmeninsolvenzen in der Steiermark laut AKV um fast 18 Prozent zu – österreichweit wurde hingegen ein Rückgang verzeichnet. Bei Privatkonkursen bahnt sich ein steirisches Rekordjahr an.

© Markus Traussnig
Steiermarkweit wurden von Anfang Jänner bis Ende September 449 Insolvenzverfahren eröffnet
Manfred Neuper
Wirtschaft

Drei Jahre in Folge wurden in Österreich zuletzt neue Höchststände bei Firmeninsolvenzen verzeichnet, heuer geht die Zahl bisher zurück. Laut dem Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) wurde in den ersten drei Quartalen des Jahres ein bundesweiter Rückgang von 7,65 Prozent auf 2921 Verfahren registriert. Die Steiermark zählt indes zu jenen Bundesländern, „in denen keine Erholung in Sicht ist“, wie seitens des AKV betont wird. So wurden steiermarkweit von Anfang Jänner bis Ende September 449 Insolvenzverfahren eröffnet, ein Anstieg von 17,85 Prozent. Hinzu kommen 212 Insolvenzverfahren, die abgewiesen worden sind, weil kein kostendeckendes Vermögen vorhanden war – ein Plus von 11,58 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Auch der Ausblick für das restliche Jahr fällt wenig erbaulich aus: „Trotz der leicht nach oben korrigierten Wirtschaftsprognosen rechnen wir mit einer gleichbleibenden Entwicklung bis zum Jahresende 2026. In der Steiermark rechnet der AKV mit 600 eröffneten Firmeninsolvenzen. Einschließlich der Insolvenzabweisungsbeschlüsse sind bis zum Jahresende 2026 in der Steiermark fast 900 Gesamtinsolvenzen zu erwarten“, so Franz Blantz, der den Insolvenzbereich beim AKV leitet.

© AKV Europa
Franz Blantz, Leiter des Insolvenzbereichs beim AKV

Was heuer bisher auffällt: In der Steiermark gab es zahlreiche Großinsolvenzen, vor allem im Produktionsbereich (u. a. Wollsdorf Leder, Christof Industries, ADA, Meon Medical). Das spiegelt sich auch bei den Schulden wider. So haben sich die Passiva der eröffneten Unternehmensinsolvenzen in den ersten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 164,9 Prozent von 277,41 auf 734,9 Millionen Euro erhöht, teilt der AKV mit. Ebenfalls abweichend zum Bundestrend hat in der Steiermark laut dem Gläubigerschutzverband auch die Anzahl der betroffenen Dienstnehmer, die zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung noch beschäftigt waren, „drastisch zugenommen“ – um 85,45 Prozent auf 2448.

Die meisten steirischen Insolvenzen wurden im Handel und in der Bauwirtschaft mit je 89 Fällen gemeldet, gefolgt von der Gastronomie (74).

Rekord bei Privatinsolvenzen

Deutlich nach oben zeigen in der Steiermark auch die Pfeile bei den Privatinsolvenzen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Zahl der Schuldenregulierungsverfahren um 17,1 Prozent von 690 auf 808 Fälle, hinzu kommen 61 Verfahrensabweisungen. Durch diese Entwicklung nähere sich die Steiermark „einem Rekordpleitejahr“. Der bisherige Höchststand (seit Einführung des Privatkonkurses im Jahr 1995) wurde 2022 mit 1049 Privatinsolvenzen verzeichnet. „In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 wurden in der Steiermark wöchentlich 21 Privatinsolvenzverfahren eröffnet“, so der AKV. Die Gesamtpassiva der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren belaufen sich in diesem Jahr bisher auf 117,45 Millionen Euro.