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Gegen wen Menschen in Kärnten ihre Stimme erheben sollten

Wolfgang Fercher
Chefredakteur Kärnten & Osttirol
© Helmuth Weichselbraun
Die traditionelle Festveranstaltung im Klagenfurter Landhaushof am 10. Oktober 2026

Der Kärntner Landesfeiertag bietet viele Lehren für die Krisenherde der Gegenwart. Der Weg der Offenheit sollte weitergehen.

Zeitzeugen leben seit Jahren nicht mehr, identitätsstiftende Bedeutung hat der Landesfeiertag für viele Kärntnerinnen und Kärntner ohnehin nicht. Und doch hat die diffizile Gemengelage, auf die man hierzulande am Jahrestag der Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920 zurückblickt, in jüngerer Vergangenheit an trauriger Aktualität gewonnen. Spätestens seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine im Februar 2022 kommt kaum eine Gedenkveranstaltung ohne Verweis auf historische Parallelen aus.

Lehren aus einschneidenden Ereignissen der Vergangenheit zu ziehen und sie für Friedensappelle zu nutzen ist jedenfalls angebrachter als Verklärung oder Verleugnung. Durch Konflikte, Kriege und Krisen der Gegenwart hat der Kärntner Landesfeiertag eine Art Neuerfindung erlebt – weil sich zeigt, dass man hier nicht ein unverständliches, museales Relikt betrachtet, sondern Themen wie Grenzziehungen oder Selbstbestimmungsrechte ethnischer Minderheiten die ersten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts ähnlich prägen wie jene des 20. Jahrhunderts. Sie können jahrelange Kriege mit sich bringen, Sternstunden der Diplomatie, aber auch viele schmerzhafte Opfer- und Tätererinnerungen.

Die Feindbilder sind andere

Slowenische Sprache und Nachbarn sind in Kärnten längst keine Feindbilder mehr. Jene, die das anders sehen, erkennen nicht, dass andere Entwicklungen unser Zusammenleben gefährden: Staatsverweigerer, Integrationsunwillige, rechts- und linksextremistische Gruppierungen. Gegen sie muss man die Stimme erheben.

Kärnten hat gezeigt, dass ein Konflikt um Grenzen, Zugehörigkeit und Sprache nicht ewig ein Konflikt bleiben muss. Das kann beispielgebend sein. Der Weg des Gemeinsamen zieht sich seit der Ortstafeleinigung im Jahr 2011 durch die Feierlichkeiten, die Zweisprachigkeit ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Noch vor 20 Jahren wären solche Feiern nicht möglich gewesen. Diese Offenheit und sprachliche Vielfalt weiter zu fördern, ist der Auftrag für die nächsten 20 Jahre.