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„In spätestens zwei Jahren gibt es unseren Sport nicht mehr“

In einem Interview mit der „Zeit“ zeichnet Eric Frenzel, Cheftrainer der deutschen Kombinierer, eine düstere Zukunft von seiner Sportart.

© APA / Georg Hochmuth
Eric Frenzel holte in seiner aktiven Karriere zweimal olympisches Einzel-Gold

Nachdem das IOC im heurigen Sommer der Nordischen Kombination den Olympiastatus entzogen hat, muss die Sportart um ihre Existenz kämpfen. Zwar findet heuer noch ein normaler Weltcup-Winter mit genügend Stationen statt, doch sollen sich die Folgen für den Sport nach dem Aus unter den fünf Ringen erst 2027 bemerkbar machen. Dabei geht es vor allem um den Verlust von finanziellen Förderungen, unter dem vor allem die kleineren Nationen leiden werden.

In einem Interview mit der Zeit nahm nun auch der deutsche Bundestrainer Eric Frenzel zur aktuellen Situation Stellung. „Es hat mir einen Schlag versetzt. Bis zuletzt hatte ich gehofft, dass ein Olympia-Aus nicht möglich ist, schließlich ist die Nordische Kombination eine der größten Traditionsdisziplinen in der Welt des Skisports. Sie war seit den ersten Winterspielen 1924 immer im Programm“, erinnert sich der mehrfache Olympiasieger an den Moment zurück, als das IOC seine Entscheidung bekanntgegeben hatte.

Unterstützungen und Entwicklungen werden eingestellt

Die ersten Folgen wird man im Lager der Deutschen laut dem 37-Jährigen schon bald zu spüren bekommen: „Die ersten Gespräche mit Förderern waren negativ. Ab dem 1. Januar 2027 stellt das FES, die Forschungsstelle für die Entwicklung von Sportgeräten, ihre Arbeit für uns ein. Das gilt auch für das IAT, das Institut für Angewandte Trainingswissenschaft. Beide sind aktuell wichtige Stützen für uns in Bezug auf die Weiterentwicklung von Material und den Wissensaustausch. Darauf haben wir nun keinen Anspruch mehr.“ Damit aber nicht genug: „Die Unterstützung durch die Sporthilfe wird ein Thema sein, die Internatsförderung auch, die Sportstättenpflege ebenfalls – was wird damit? Bisher konnten wir mit unseren Erfolgen bei Olympia dafür sorgen, dass marode Schanzen restauriert wurden und dass es einige Langlaufstadien noch gibt. Das wird kaum noch möglich sein. Daraus folgt: Jedes Kind wird sich nun überlegen, ob es überhaupt noch Kombinierer werden möchte.“

Ob es noch eine Chance gibt, diese Abwärtsspirale aufzuhalten? „Wenn, dann müssen wir jetzt schnell handeln. Denn meiner Meinung nach kann diese Sportart nach dem Olympia-Aus ein Jahr überleben, maximal vielleicht zwei Jahre. Danach ist komplett Schicht im Schacht. Ohne nationale Förderung ist der Sport nicht finanzierbar. In spätestens zwei Jahren gibt es die Kombination nicht mehr. Ich höre auch von Kollegen aus anderen Nationen, dass sie nicht wissen, wie es weitergehen soll. Dieses Jahr stehen die Pläne noch, aber was im kommenden Frühjahr wird, ist völlig offen.“