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Manuel Feller: „Wenn Fleiß mit Schmerzen bestraft wird, ist das nicht einfach“

ÖSV-Aushängeschild Manuel Feller sprach offen über mentale Probleme und professionelle Hilfe. Der 33-Jährige hat einen harten Sommer hinter sich.

© GEPA pictures
Blickt nach vorne: Manuel Feller
Matthias Janisch
Redakteur Sport

Kaum ein Skifahrer nimmt mit dieser Hartnäckigkeit kein Blatt vor den Mund wie Manuel Feller. Der 33-Jährige ist einer der echten Charaktere im alpinen Ski-Zirkus. Er polarisiert und spaltet die Fans oftmals in zwei Lager. Während die einen den Tiroler absolut anhimmeln, ist er für manche ein schräger Vogel mit der Neigung zum Selbstdarsteller. Diese Kritiker sind Feller bekanntlich mehr als egal und für den mitunter verschlafenen Skisport ist der Kitzbühel-Sieger des vergangenen Jahres ein absoluter Gewinn – sportlich wie menschlich. Denn Feller spricht auch Themen offen an, die sonst viel zu oft auf der Strecke bleiben.

Jüngst machte er öffentlich, dass er mit mentalen Problemen zu kämpfen hatte. „Es war sehr intensiv. Ich hatte sehr viele depressive Phasen, war vom Gemüt her sehr belastend für mein Umfeld“, verriet er im ORF. In ihm machte sich auch eine gewisse „Hilflosigkeit“ breit, weshalb er auch professionelle Hilfe in Anspruch nahm. „Wenn man seit dem Alter von zehn Jahren in dem Zirkus ist und ins Internat geht, dann macht man 99 Prozent der Sachen mit sich selbst aus. Es war alles zusammen ein bisschen zu viel. Das funktioniert nicht.“

Schmerzhafte Besuche auf dem Fußballplatz

Funktionieren wollte auch in der Sommervorbereitung für den Technikspezialisten nicht alles. „Leider ist die Reha nach meiner Operation nicht nach Plan verlaufen und ich hatte auch im Alltag Probleme“, erklärte der Familienvater. So war selbst das Spielen mit dem eigenen Nachwuchs schwierig. „Sie haben mich immer gefragt: ‚Papa, kannst du schon wieder oder tut der Rücken noch weh?‘ Zum Glück geht es mittlerweile wieder.“ Solange sich Feller bewegt, seien die Schmerzen auch erträglich. Schmerzhaft war es nur, wenn er ruhig sein musste. „Das Härteste im Sommer waren die Besuche am Fußballplatz, wo ich meinem Sohn zugeschaut habe.“

Im August hätte er noch einmal den Doktor seines Vertrauens aufgesucht, der dann festgestellt hat, dass eine Bandscheibe verrutscht war. „Glücklicherweise konnten wir das dann aber ohne Eingriff lösen und es geht jetzt von Woche zu Woche besser.“ Dennoch hätten ihn die körperlichen Probleme in der wichtigen Phase der Saisonvorbereitung auch mental beschäftigt. „Wenn du für Fleiß mit Schmerzen bestraft wirst, ist das nicht einfach. Aber ich bin nicht der Erste, bei dem die Reha nicht nach Wunsch verlaufen ist.“

Schladming als großes Ziel

Wünsche habe er für die kommende Saison viele. Da wäre zum einen die Wiederholung seines Slalomsieges in Kitzbühel, eines „unglaublichen“ Moments, „da so viel von den Fans zurückgekommen ist“. Doch auch ein anderer Klassiker hat es ihm noch angetan. „Ein Sieg in Schladming wäre natürlich noch das Tüpfelchen auf dem I.“ Aufgrund seiner körperlichen Probleme weiß Feller aber noch nicht, wann er in die Weltcup-Saison einsteigen wird. „Es hängt vieles von den nächsten Wochen ab. Ob es dann Levi, Gurgl oder Val d’Isère wird, sieht man dann. Es muss körperlich passen, sonst macht es keinen Sinn.“

Wann exakt er wieder schnelle Rennschwünge auf Schnee ziehen wird, zeigt sich in den kommenden Tagen. Neben einem Besuch auf dem Kitzsteinhorn könnte sich Feller das erste Gefühl auch in der Skihalle zurückholen. In Österreich gibt es eine solche noch nicht, die Diskussionen um den Bau einer Halle nahmen in den vergangenen Monaten aber wieder Fahrt auf. „Ein Vorteil ist sicher, dass du da fast Laborbedingungen hast. Man kann sofort im Serviceraum etwas anpassen am Material oder sich davor in Ruhe aufwärmen. In Zermatt stehe ich um 4.30 Uhr auf und muss sechs Paar Ski auf den Berg schleppen, das ist schon etwas anderes.“ Für eine tatsächliche Vorbereitung auf „Winterschnee“, wie in Gurgl beispielsweise, sei eine solche Halle aber nicht geeignet. „Da bringst du null weiter.“