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Väter raus? Warum diese Besuchszeiten an der Grazer LKH-Geburtsklinik gelten

In sozialen Netzwerken beschweren sich frischgebackene Väter, dass sie sich an Besuchszeiten an der Geburtsklinik am LKH Graz halten müssen. Der Klinikvorstand erklärt, warum Mütter von der Ruhe profitieren.

© Adobe Stock
Väter raus? Warum Besuchszeiten in der Geburtsklinik Müttern Ruhe schenken
Sonja Krause
Steiermark-Ressort, Schwerpunkt Gesundheit

„Meine Frau hat gestern unser gemeinsames Kind zur Welt gebracht. Es handelt sich dabei um einen der wichtigsten und emotionalsten Momente unseres gesamten Lebens. Trotzdem wurde ich bereits zwei Stunden nach der Geburt nach Hause geschickt.“ Mit diesen Worten machte ein frischgebackener Vater in einem Posting in den sozialen Medien seinem Unmut und seiner Enttäuschung Luft, als er nach der Geburt seines Kindes die Geburtsklinik am LKH-Uniklinikum Graz verlassen musste. Der Grund: die Besuchszeiten, die auch für Väter gelten. Wir haben bei Klinikvorstand Herbert Fluhr nachgefragt, warum es diese Besuchszeiten überhaupt braucht.

Prinzipiell besagen die Besuchsregeln an der Grazer Geburtsklinik: Besuchszeit ist von 15 bis 19 Uhr, zwei Besucher pro Tag sind gestattet. Diese Regeln gelten auch für Väter beziehungsweise Elternteile. „Das sind die Regeln auf dem Papier. Doch wir wissen natürlich: Die Geburt ist ein hochemotionales Erlebnis, viele Eltern erleben nur eine in ihrem Leben“, sagt Klinikvorstand Herbert Fluhr. Daher werden bei den Besuchszeiten, gerade wenn es um Elternteile geht, auch Ausnahmen gemacht.

Drei- bis Vierbettzimmer: Auch tragische Fälle

„In der Sonderklasse, wo wir Ein- bis Zweibettzimmer haben, sind wir ohnehin sehr großzügig“, sagt Fluhr. Anders kann die Situation in der Allgemeinklasse sein: Dort werden Mütter und ihre Neugeborenen mitunter in Drei- bis Vierbettzimmern untergebracht. „Wir arbeiten eben in einem Gebäude aus dem Jahr 1911“, erklärt Fluhr die Umstände.

© Jürgen Fuchs
2025 erblickten an der Klinischen Abteilung für Geburtshilfe in Graz 3.508 Babys das Licht der Welt

Liegen mehrere Mütter in einem Zimmer, müsse die Klinik alle Bedürfnisse berücksichtigen: Unter den Müttern können auch Frauen sein, die noch vor der Geburt stehen und mit schweren Komplikationen zu kämpfen haben, oder Frauen, die ihr Baby verloren haben. „Für diese Patientinnen ist es nicht sehr angenehm, wenn im Zimmer den ganzen Tag Halligalli herrscht“, sagt Fluhr. Zwar werde versucht, Patientinnen in ähnlichen Situationen zusammenzulegen, doch: „Wir sind Letztversorger für die Steiermark, wir betreuen alle Frauen“, sagt Fluhr.

© LKH Graz
Klinikvorstand Herbert Fluhr

Besuchszeiten seit Corona

Prinzipiell betont Fluhr: „Die meisten Frauen sind dankbar dafür, dass sie durch die beschränkten Besucherzahlen und -zeiten mehr Ruhe für die erste Zeit mit ihrem Baby haben.“ Das sind nicht nur subjektive Berichte, sondern wurde auch wissenschaftlich untersucht – möglich gemacht hat das die Corona-Pandemie. In der Zeit der Lockdowns wurden die Besuchszeiten auf den Geburtskliniken erstmals rigoros eingeschränkt. Und es zeigte sich: Die Ruhe, das Bonding, das Stillen – all das gelingt besser, wenn Mutter und Baby in den ersten Tagen Zeit und Ruhe für sich haben und nicht ständig Aufruhr im Zimmer herrscht.

Eine Untersuchung am Klinikum Klagenfurt hat mehr als 500 Mütter zu den beschränkten Besuchszeiten befragt. Das Ergebnis: Die Begrenzung der Besucherzahl wurde insgesamt positiv bewertet, die zeitliche Beschränkung wurde kritischer beurteilt. „Die Ergebnisse sprechen für ein strukturiertes, aber flexibles Besuchskonzept mit bevorzugter Einbindung enger Bezugspersonen und Ausnahmeregelungen bei belastenden Verläufen“, ist die Schlussfolgerung der Studienautoren.

Klinikvorstand Fluhr betont: „Wir müssen die Bedürfnisse all unserer Patientinnen berücksichtigen. In den allermeisten Fällen stoßen die Regeln auf Verständnis, viele Frauen bedanken sich auch dafür, dass sie dadurch so viel Ruhe hatten.“