„Mir geht es nicht darum, mit 100 Jahren noch Bürgermeister zu sein“
Klagenfurts SPÖ-Bürgermeisterkandidat Manfred Mertel über Kritik an seinem Alter, mögliche Leichen im Keller, warum er einst Jörg Haider unterstützte, und 2000 neue Gemeindewohnungen.

Warum sollen die Klagenfurterinnen und Klagenfurter Sie zum Bürgermeister wählen?
Manfred Mertel: In den vergangenen fünfeinhalb Jahren ist einiges falsch gelaufen. Es wurde viel gestritten, das hat Klagenfurt geschadet. Ich komme aus dem Fußball, einem Mannschaftssport. Dort saß ich mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und politischer Einstellung in einer Kabine. Am Ende wussten wir alle: Ein Match gewinnen wir nur gemeinsam.
Sollten Sie nicht mit Ihrer eigenen Partei anfangen? Immerhin sind Sie dort nicht unumstritten.
Es gab unterschiedliche Positionen. Eine war, dass in der Politik das Korrekte im Vordergrund stehen muss. Dafür steht Ronald Rabitsch. Ich habe das immer unterstützt, weil mir ein sorgsamer und transparenter Umgang mit Steuergeld wichtig ist. Die ältere Generation meinte hingegen, dass es mehr Diplomatie braucht, um Ziele zu erreichen. In der Fußballsprache ist Rabitsch der Stürmer, ich bin der Coach, der mit allen Parteien spricht und gemeinsame Ziele erarbeitet. Eine breite Mehrheit im Parteivorstand hat diese Entscheidung mitgetragen. Das zeigt, dass die SPÖ geeint ist.
Die Parteigranden haben die jüngere Generation überstimmt?
Wir unterstützen Rabitschs Gedanken, glauben aber, ihm noch etwas mitgeben zu können. Er hat eine lange politische Zukunft vor sich.
Es ist kein Geheimnis, dass die Partei Gaby Schaunig oder Philipp Kucher bevorzugt hätte.
Beide leisten hervorragende Arbeit, standen aber nicht zur Verfügung. Wenn es dann heißt, ich sei übriggeblieben, kränkt mich das nicht. Im Gegenteil: Ich habe signalisiert, dass ich bereit bin, Verantwortung für diese Stadt zu übernehmen.
Welche konkreten Projekte würden Sie als Bürgermeister umsetzen wollen?
Mein Ziel ist, dass die Stadt 2000 gemeinnützige Wohnungen baut, auch mit Kaufoption. Sie würden nicht glauben, wie viele Menschen mir sagen: „Ich weiß nicht, ob ich mir meine Wohnung nächstes Jahr noch leisten kann.“ Eigentum schafft Unabhängigkeit.
Zur Person
Manfred „Waschi“ Mertel, geboren am 25. August 1954 in Klagenfurt, ist ehemaliger Fußballspieler und Trainer. Als Spieler war er unter anderem in Graz und Salzburg aktiv, 2005 trainierte er den FC Kärnten. Der Jurist war stellvertretender Leiter der Gemeindeaufsicht. Von 2009 bis 2011 war der SPÖ-Politiker als Sportstadtrat in Klagenfurt aktiv. Seit 2023 sitzt er im Bundesrat in Wien.
Wie soll das finanziert werden?
Dazu gibt es bereits Überlegungen, zu denen ich mich noch nicht näher äußern möchte. Unter Maria-Luise Mathiaschitz wurde einige Jahre gut gewirtschaftet. Jetzt sind wir wieder in einer finanziellen Problemzone. Die müssen wir verlassen, um eine solide Basis für Investitionen zu schaffen. Unser weiteres Wahlprogramm wird rechtzeitig ausgearbeitet und vorgestellt.
Wie will jemand, dem es vor wenigen Jahren nicht gelungen ist, zum Präsidenten von 100 Fußballvereinen gewählt zu werden, genug Stimmen für das Bürgermeisteramt sammeln?
Fast hätte es funktioniert, am Ende fehlten mir fünf Stimmen aus Osttirol. In meinem Alter sehe ich das gelassen. Jetzt habe ich die nächste Aufgabe übernommen: ein starkes SPÖ-Team zu formen. Wenn uns das gelingt, gehen wir in die Meisterschaft.
Sie bezeichnen Ihr Verhältnis zu Bürgermeister Christian Scheider als gut. Trotzdem dürfte seine Fraktion einen harten Wahlkampf führen. Wie gehen Sie damit um?
Uns unterscheidet, dass er als Tennisspieler Einzelsportler ist. Ich setze auf den Teamsport. Dass Angriffe kommen, ist klar. Ich habe aber keine Angst, dass sie mich so treffen, dass ich sage: Ich kapituliere.
Haben Sie sprichwörtlich Leichen im Keller, die die Konkurrenz ausgraben könnte?
Wenn man es als Leiche bezeichnet, dass ich vielleicht einmal mit dem Fahrrad bei Rot über eine Kreuzung gefahren bin. Ehrlich gesagt ist mir nicht bewusst, jemals etwas getan zu haben, das jemandem geschadet hat oder hätte schaden können.
Auch Ihr Alter bietet Angriffsfläche.
Ich habe nicht das Gefühl, jemandem einen Platz wegzunehmen. Wäre das so, wäre ich der Erste, der ihn hergeben würde. Aber in den vergangenen Jahren ist vieles ins Stocken geraten. Da ist es meine Aufgabe, zu sagen: Das verdient diese Stadt nicht. Und ich denke nicht nur sechs, sondern zwölf Jahre voraus.
Sie wollen also bis 84 Bürgermeister sein?
Da haben Sie mich missverstanden. Meine Pläne für die Stadt umfassen zwölf Jahre. Wenn ich gewählt werde, bleibe ich zunächst sechs Jahre im Amt. Das ist der Auftrag der Wähler. Was danach kommt, kann ich heute nicht sagen. Ich möchte junge Menschen aufbauen, die meinen Weg weiterführen können. Mir geht es nicht darum, dass Mertel mit 100 noch Bürgermeister ist.

Was 2011 passiert ist, als Sie nach nur zwei Jahren die Stadtregierung verlassen haben, wird sich also nicht wiederholen?
Das war ein Fehler. Ich dachte, niemand würde mir nachweinen. Stattdessen musste ich mir anhören, dass ich mit meinem Verhalten meine Wähler enttäuscht habe.
Sie wurden damals auch für Ihre offene Unterstützung für Jörg Haider kritisiert. War das ebenfalls ein Fehler?
Ich habe gesehen, dass viele junge Menschen auf Haider angesprungen sind, während die SPÖ keinen Zugang zu ihnen fand. Deshalb war ich der Meinung, dass Isolation nichts bringt. Ich habe in einem Zeitungsinserat gefordert, dass sich die SPÖ für eine Zusammenarbeit öffnet, was dann auch passiert ist. Ich habe aber nicht empfohlen, Jörg Haider zu wählen.
Würden Sie eine Koalition zwischen SPÖ und FPÖ auf Stadt-, Landes- oder Bundesebene befürworten?
Ich sehe das pragmatisch. Grundsätzlich zu sagen, mit bestimmten Parteien dürfe man nicht reden, widerspricht meinem politischen Zugang. Stellt sich nach Gesprächen heraus, dass es keine gemeinsame Basis gibt, wird es auch keine Zusammenarbeit geben.
Ein Thema, das Rabitsch hartnäckig verfolgt, sind die Gutachten, die Wirtschaftsprüfer Ulrich Kraßnig für die Stadt erstellt hat. Rabitsch kritisiert deren Inhalt und Kosten. Ihr Verhältnis zu Kraßnig war gut, er gehörte bei der Wahl zum Fußballpräsidenten zu Ihrem Team. Wie sehen Sie die Schwerpunktsetzung Ihres „Stürmers“?
Kraßnig und ich waren gemeinsam im KAC-Präsidium und haben uns sehr gut verstanden. Was die Vorgänge in der Stadt betrifft, entzieht sich vieles meiner Kenntnis. Es sind unterschiedliche Spielfelder, auf denen Menschen verschiedene Rollen einnehmen können. Mit Rabitsch haben wir vereinbart, dass er seine Linie weiterhin klar vertritt.
Sie sind geringfügig in einer Wirtschaftsprüfungskanzlei beschäftigt. Ist das die Kanzlei von Kraßnig?
Nein, die BDO. Dort wurde ich 2020 als Experte für Gemeindefinanzen und Gemeinderecht konsultiert, um die wirtschaftliche Entwicklung der Kommunen einzuschätzen.