Männer stehen am Sprungbrett, Frauen bleibt der Nichtschwimmerbereich

Die Kommunalpolitik wird auch nach den Gemeinderatswahlen 2027 deutlich männlich dominiert bleiben. Ein Reißverschlusssystem würde mancher Ortspartei nicht schaden.
In Klagenfurt wird im nächsten Jahr ein Bürgermeister gewählt. Gendern ist nicht nötig. Antreten werden voraussichtlich nur Männer. Die Landeshauptstadt geht hier für viele offenbar mit gutem Beispiel voran. In Dutzenden Städten und Gemeinden werden am 28. Feber wieder nur Männer auf dem Stimmzettel stehen. Schon jetzt hat Kärnten so wenige Bürgermeisterinnen wie kein anderes Bundesland in Österreich. Gut sieben Prozent niedrig ist der Anteil. Trotz einer Wählergruppe, die 51,1 Prozent der Bevölkerung stellt. Aktiv wie passiv.
Sprungbrett und Nichtschwimmerbereich
Dass Männer für ein politisches Amt schlicht besser geeignet sind, kann ausgeschlossen werden. Dass weibliche Perspektiven in der Politik vonnöten sind, würde kaum jemand bestreiten. Die Gründe liegen also deutlich tiefer. Und sie scheinen weiterhin fest verwurzelt. Vor allem am Land, wo das Patriarchat oft nur Grenzen hat, wenn der Mann es möchte. Das ehrenamtliche Leben ist über Sportvereine, Feuerwehren oder Brauchtumsgruppen weiter fest in männlicher Hand. Während die Burschen schon in ihrer Jugend direkt am Sprungbrett für Rathäuser und Gemeindeämter stehen, bleibt für die Frauen oft nur der Nichtschwimmerbereich. Auch beruflich bleibt die Sichtbarkeit im Dorf häufig auf den Kindergarten, den Schreibtisch der Sekretärin des mittelständischen Unternehmens oder die Wursttheke des örtlichen Supermarktes beschränkt.
Frauenquote?
Braucht es also eine Quote? Die würde zwar die Zahlen verbessern, den Frauen aber ein stückweit ihre eigene Legitimität nehmen. Man kann den Satz „Du bist eh nur hier, weil es das Gesetz vorschreibt“, in den Debatten förmlich schön hören. Der politische Stehsatz „die Rahmenbedingungen verbessern“ wird allerdings auch keine Wende bringen. Das hat er eigentlich noch nie. Müssen sich Frauen zwischen öffentlichen Funktionen und Kinderbetreuung entscheiden, ist meist klar, worauf die Wahl fällt. Bei Männern ist das anders, sie nehmen sich die Zeit. Die Frau erledigt ja den Rest.
Der Trend geht in die falsche Richtung. Bestenfalls stagniert er. Zwei der vier Landtagsklubs stellen jeweils genau eine Frau. Einer gar keine. Insgesamt haben es in Nationalrat, Bundesrat, EU-Parlament, Landesregierung und Landtag derzeit 17 Kärntnerinnen geschafft. Hinzu kommen zehn Bürgermeisterinnen. Das ist deutlich zu wenig, um eine politische Gleichstellung zwischen Mann und Frau erreichen zu können. Dass Frauen gemeinhin mehr leisten müssen, um dieselbe Anerkennung zu bekommen, ist zudem eine enorme Schieflange, die sich wohl nur ein Mann ausgedacht haben kann.
Listen werden erstellt
Noch ist in den 132 Kärntner Gemeinden und Städten genug Zeit zur Listenerstellung für die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen. Ein Reißverschlusssystem auf den Spitzenplätzen würde so mancher Ortspartei sicher nicht schaden. Und am Ende fehlt vielen Frauen vielleicht nur der Mut, die Fähigkeiten sind ohnehin schon da.