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Wo bleibt die Würde am Ende der Tage?

Die Ermi-Oma stichelt, wo es wehtut: gegen Pflegenotstand, Einsamkeit und den Verlust von Selbstbestimmung. Dahinter steckt mehr als Kabarett – und seit Jahren auch viel Hilfe für „Kärntner in Not“. Das neue Programm „Selbstverstimmt leben“ gibt es auch bei drei Terminen in Kärnten.

© Christopher Mavrič
Markus Hirtler aka Ermi-Oma: „Welche Würde hat der Mensch noch, wenn er über seinen Tod nicht mehr verfügen kann? Ich glaube, dass da viel im Umbruch ist. Und ich glaube, dass wir darüber neu diskutieren müssen.“

Die Nadeln in Ermi-Omas Nähkästchen sind auch nach jahrelangem Dauereinsatz so spitz, dass sie nicht nur zum Flicken ihrer obligaten Kittelschürzen taugen, sondern überall dort sticheln, wo es notwendig ist. Denn bei den Auftritten der Oma ohne Genierer geht es um Lebensbereiche, die jeden angehen, über die aber niemand gern spricht: Pflegenotstand, den Abschied vom selbstständigen Leben, den Abschied vom Leben selbst. Themen, die wehtun. Aber wenn die Ermi-Oma aus dem Nähkästchen plaudert, sitzen Nähte und Worte. Reißfest! Und selbst schwere Themen werden leichter.

Humor als Katapult

Der Humor ist für Markus Hirtler dabei kein Selbstzweck. „Der Humor ist ein Werkzeug, mit dem man richtig tief graben und Sachen freilegen kann“, sagt jener Mann, der seit mehr als 20 Jahren der Ermi-Oma Herz und Hirn leiht. Und was passiert, wenn man in der Grube steht? „Dann katapultiert einen der Humor in die Höhe. Dann kann man von oben auf das Freigelegte herabschauen und alles noch viel besser erkennen.“

Vor mehr als 20 Jahren ist der einstige Diplomkrankenpfleger, Heimleiter und Sozialmanager in die Kittelschürze geschlüpft, hat sich ein Kopftüchl aufgesetzt und begonnen, als sprachverliebter Kabarettist auszusprechen, woran es in unserer Gesellschaft krankt und dabei vor allem die Nöte der älteren Generation in den Mittelpunkt gestellt.

Neues Programm: Selbstverstimmt leben

Im neuen Programm „Selbstverstimmt leben“ geht die Ermi-Oma unter anderem der Frage nach, mit wie viel Selbstbestimmung und Würde ein Mensch aus dem Leben gehen kann. „Darf ich selbstbestimmt sterben? Ist es ein Tabu? Ist es ein Recht? Ist es ein Privileg? Ich find’s gut, wenn wir gemeinsam darüber reden können“, so Hirtler.

Hirtler geht es nicht darum, eine fertige Antwort zu liefern. Im Gegenteil: „Ich glaube, es ist nicht die Aufgabe der Kunst, Antworten zu liefern, sondern Fragen zu stellen.“ Glücklich sei er dann, wenn das Publikum nach seinem Auftritt zusammensteht und diskutiert. Dann hat der Humor etwas in Bewegung gebracht.

Ein großer Gewinn und die Frage der Moral

Und es geht im neuen Programm auch um Geld. Denn die Ermi-Oma gewinnt „einen Batzen Geld“. Was tun damit? Diese Frage ist für Hirtler vor allem eine moralische: „Mich interessiert, was die Menschen machen, wenn sie plötzlich alle Möglichkeiten haben. Können sie dann über den Tellerrand schauen? Reicht es mir, wenn ich mein Geld herzeige, ins Autohaus gehe, einen Pool kaufe und dabei eigentlich zeige, wie klein ich bin? Oder ermögliche ich damit anderen, besser zurechtzukommen?“ Was einen „bereichert“, so Hirtler, sei eine Lebensfrage: „Ich entscheide ja selbst, ob mich mein Besitz bindet oder ob er mich frei macht. Frei macht, zu geben.“

Das Programm beginnt mit einer ebenso pointierten wie nachdenklichen Feststellung: Man kann selbstverstimmt leben und selbstbestimmt sterben – aber sicher nicht sich selbst beerben. Wobei Hirtler auch hier einen Gedanken weiterspinnt: „Wer ein sinnerfülltes Leben lebt, wird irgendwann die Früchte dessen ernten, was er gesät hat. Und wer erntet, was er gesät hat, hat sich im übertragenen Sinn vielleicht doch selbst beerbt. Oder?“

© Markus Wache
„Wie werde ich wirksam? Oder binde ich mir mit viel Geld noch mehr Ruten zum A****?“ Markus Hirtler über Geld und Moral

Ermi Oma sammelt für Menschen in Not

Dass Geld ein Transportmittel für Chancen sein kann, steht für Markus Hirtler außer Frage. Deshalb hat die Ermi-Oma bei jedem Auftritt auch regionale Schmankerln im Gepäck, die Besucher gegen eine Spende mit nach Hause nehmen können. Der Erlös kommt u. a. auch „Kärntner in Not“ zugute.

Seit 2008 sind auf diese Weise bereits bei allen Auftritten 123.516 Euro zusammengekommen. Geld, das Menschen in Not zugutekommt – und auch weiterhin zugutekommen soll. Denn die Ermi-Oma schaut nicht nur über den Tellerrand, sondern manchmal auch ins eigene Nähkästchen: Was man hat, kann man festhalten. Oder weitergeben.

Markus Hirtler und seine Ermi-Oma haben sich für Letzteres entschieden. Und so haben die beiden nicht nur scharfe Nadeln und spitze Worte, sondern vor allem ein doppelt großes Herz. Auch bei den kommenden Auftritten wird deshalb wieder für „Kärntner in Not“ gesammelt.

Und weil die Ermi-Oma nicht von vorgestern ist, hat sie ihren eigenen Podcast. „Ermi-Omas-Nähkästchen“ ist seit 7. Oktober auf allen gängigen Kanälen zu hören.

Die Kärnten-Termine

St. Veit an der Glan: 19. November um 19.30 Uhr, Blumenhalle
Wolfsberg: 20. November, 19.30 Uhr, KUSS
Villach: 29. Dezember, 19.30 Uhr, Congress Center
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