Warum um diesen Pischelsdorfer Ball so ein Theater gemacht wird
Der Theaterverein „Lust.Spiel Pischelsdorf“ ist heuer 20 Jahre alt. Gefeiert wird am kommenden Samstag mit einem großen Jubiläumsball im Biedermeier-Stil.
Die Verwirrung stand einigen Theatergästen ins Gesicht geschrieben. „Sie sagen: Euer Theaterstück heißt heuer Jubiläumsball“, erzählt Marvin Sailer, Obmann des Theatervereins „Lust.Spiel Pischelsdorf“. „Dabei spielen wir kein Theater.“ Die heurigen Aufführungen fanden schon im Jänner statt. Bei dem Jubiläumsball handelt es sich tatsächlich um einen Ball, der am Samstag, 17. Oktober, in der Oststeirerhalle in Pischelsdorf abgehalten wird.
Und zwar ganz im Biedermeier-Stil. Denn der Pischelsdorfer Verein hat sich den Stücken von Johann Nestroy verschrieben. „Alle Gäste, die mit Accessoires oder entsprechenden Outfits kommen, bekommen schon beim Eingang ein kleines Geschenk“, verrät Sailer, der seit 2023 Obmann des Theatervereins ist. „Wir starten den Abend mit einem Streicherensemble, die Polonaise wird eine Quadrille (red. Anm.: ein historischer Gesellschaftstanz) sein.“
Jubiläumsball
Am 17. Oktober findet anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Theatervereins Lust.Spiel Pischelsdorf der Jubiläumsball stand unter dem Motto: „Ein Abend bei Nestroy – Jubiläumsball im Glanz der Zeit“.
Einlass ist um 19 Uhr, die Eröffnung findet um 20.15 Uhr statt.
Karten sind erhältlich bei der Raiffeisenbank Pischelsdorf, der Gemeinde sowie der Kulmlandbäckerei und bei allen Mitwirkenden. Im Vorverkauf kosten die Karten 10 Euro, an der Abendkasse 12 Euro.
Woher stammt aber die Liebe zu Nestroy? „Unsere ehemalige Regisseurin Sigmut Wratschgo war sehr bewandert mit ihm“, erzählt Sailer. „Wir stellen uns immer wieder die Frage: Sollen wir wieder Nestroy spielen oder was anderes?“ Ganz nach dem Sprichwort: Schuster, bleib bei deinen Leisten, entscheiden sich die Vereinsmitglieder meist dazu, dem österreichischen Dramatiker treu zu bleiben. „Wir sind mittlerweile dafür bekannt, Leute kommen sogar von weiter weg deswegen zu uns.“
Zudem gebe es mehr als genug Nestroy-Stücke, so der Pischelsdorfer. Die Stücke werden bewusst nicht modern interpretiert. „Wir halten uns an den Originaltext, führen das Stück aber in unserem Dialekt auf. Unsere Gäste wollen das Feeling mit den alten Kleidern.“

Die Themen von Nestroys Stücken seien zudem aktueller denn je, findet Sailer. „Beim ‚Talisman“ geht es um die Ausgrenzung von Rothaarigen, heute sind es keine Rothaarigen, die ausgegrenzt werden, sondern eben andere. Die Themen, die die Gesellschaft beschäftigen, sind immer noch die gleichen.“
Sommertheater auf Rädern
Nach Wratschgos Tod im Jahr 2017 spielte die Theatergruppe kein Nestroy-Stück. „Es ist mittelmäßig angekommen bei den Gästen und auch wir waren nicht ganz zufrieden“, erzählt Sailer. Es gab noch mal einen Regisseur-Wechsel. Seit 2019 führt Christian Ruck Regie, er rief zudem im Jahr 2006 erstmal ein Sommertheater ins Leben. Von diesen gab es bisher drei Stück. „Wir haben auf einem alten Anhänger von einem Lastwagen oder einem Traktor eine Bühne aufgebaut und sind damit herumgefahren. Zum Beispiel zur Feuerwehr, die sich dann um die Ausschank gekümmert haben“, erzählt der 30-Jährige.

Derzeit setzt man eher auf die Wintertheater, die Aufführungen finden meist im Jänner statt. „Es sind sechs Vorstellungen, insgesamt haben wir rund 1200 Zuschauer“, verrät der Obmann, der mit 15 Jahren sein erstes Stück spielte, das war im Jahr 2011. „Ein Mitspieler ist ausgefallen. Ich hab dann gleich eine größere Rolle bekommen.“ Seit 2015 finden die Aufführungen in der Oststeirerhalle statt, bis dorthin spielte der Theaterverein im Pfarrheim.
Das Schönste am Theaterspielen? „Der Zusammenhalt des Teams. Wir haben eine super Stimmung. Zehn Minuten vor Beginn der Vorstellung gibt‘s ein Bühnenbier. Außerdem ist es Tradition bei der letzten Aufführung Streiche zu spielen. Wenn man eine Glocke läuten muss im Stück, weiß man, die wird nicht funktionieren. Oder wenn man was essen oder trinken muss, kann man davon ausgehen, da ist nicht das drin, was man erwartet“, gibt der Pischelsdorfer Einblicke und lacht.

Neue Mitglieder willkommen
Neue Darsteller und Vereinsmitglieder sind herzlich willkommen. Derzeit zählt der Verein zwischen 70 und 80 Mitglieder. „Wir spielen nicht alle Theater, manche helfen beim Ausschenken bei den Veranstaltungen oder bei der Lichttechnik“, so Sailer. Jährlich findet ein Theaterworkshop statt, um neue Schauspieler anzulocken. „Das war vor zwei Wochen und ist immer kurz vor Start der Proben, die im Oktober beginnen.“
Theaterverein Lust.Spiel Pischelsdorf
2006 wurde der Theaterverein Lust.Spiel Pischelsdorf gegründet. Bereits zuvor hatte Theater in der Gemeinde eine lange Tradition, sowohl in der Landjugend als auch bei der Katholischen Jugend, dem Kirchenchor oder den „Pisch‘dorfer Theaterleit“.
Nähere Infos: https://lustspiel-pischelsdorf.com/