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Steirischer Sportverein verzweifelt: „Dann müssen wir mit 1. Jänner zusperren“

Die Unsicherheit bei Grazer Sportvereinen bleibt hoch. Mit dem Jugendsportverein Ries-Kainbach sagt nun der erste: Wenn nicht endlich Klarheit herrscht, sperrt man zu.

Archivfoto: Fußballcamp Ries-Kainbach
© Kk
Archivfoto: Fußballcamp Ries-Kainbach
Gerald Winter-Pölsler
Stv. Leiter Steiermark-Ressort

Mehr als 50 Sportvereine zittern derzeit, ob sie die Basisförderung der Stadt Graz bekommen oder nicht. Egal, ob Rollstuhlbasketballer, Tänzerinnen, Schachspieler oder junge Fußballspielerinnen und -spieler, in Summe trifft es Tausende Kinder und engagierte Ehrenamtliche (wir berichteten). Jetzt gibt es einen ersten Verein, der klipp und klar sagt: Entweder rasch Klarheit, oder man sperrt zu.

Der Verein ist die Union Jugendsportverein Ries-Kainbach, wo mehr als 250 Jugendliche dem Ball hinterherjagen. „Unter den derzeitigen Bedingungen können und werden wir diese Verantwortung nicht dauerhaft übernehmen“, schreibt Obmann Johannes Tunner in einem Brief an Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ), Finanzstadtrat Manfred Eber (KPÖ) und Sportstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP). Beim Verein geht es um 30.000 Euro, die man jährlich als Förderung der Stadt erhält – und das seit 21 Jahren.

Budgetnöte: Ob die zugesagten Förderungen fließen, ist weiter offen

Heuer wurde die Förderung bislang nicht ausbezahlt – und ob sie überhaupt kommt, ist angesichts der Budgetnöte der Stadt offen. Durch die Liquiditätskrise wurde ja beschlossen, dass alle noch nicht beschlossenen Förderungen unter Vorbehalt stehen – das trifft fast alle Sportvereine. Zwar wurden die Förderungen budgetiert, sie sind aber noch nicht formal beschlossen. Der Fahrplan, den Finanzstadtrat Eber jetzt vorgegeben hat: Bis 9. Oktober sollen die unterschiedlichen Abteilungen eine nach Priorität gereihte Liste der offenen Förderungen abgeben. Bis spätestens Anfang November soll dann klar sein, wie viel Geld die Stadt noch flüssig hat – je nachdem werden dann die Förderungen ab Mitte November ausbezahlt.

Ehrenamt darf nicht bedeuten, dass Privatpersonen am Ende das finanzielle Risiko für Aufgaben übernehmen müssen, die sie im Interesse der Allgemeinheit und insbesondere der Grazer Jugend leisten.

—  Johannes Tunner, Obmann Union Jugendsportverein Ries-Kainbach

Für die Vereine ist das äußerst unbefriedigend. „Wie sollen wir unter diesen Umständen seriös budgetieren?“, fragt Tunner. „Wie sollen wir unsere Rechnungen bezahlen? Sollen wir zur Finanzierung des laufenden Vereinsbetriebes Kredite aufnehmen?“ Letzteres hatten etwa auch schon die Rollstuhlbasketballer Flinkstones angedacht: „Aber wir sind ein kleiner Verein, der keine Sicherheiten bieten kann – da spielen die Banken nicht mit“, so Christoph Edler.

Ohne rasche Klarheit ist mit 1. Jänner 2027 Schluss

„Ehrenamt darf nicht bedeuten, dass Privatpersonen am Ende das finanzielle Risiko für Aufgaben übernehmen müssen, die sie im Interesse der Allgemeinheit und insbesondere der Grazer Jugend leisten“, findet Obmann Tunner. Er verlangt von der Politik „Klarheit, Verlässlichkeit und rasch konkrete Antworten“. Wenn nicht? „Im äußersten Fall bedeutet dies, dass der Union Jugendsportverein Ries-Kainbach seinen Vereins- und Sportbetrieb mit 1. Jänner 2027 einstellen muss.“

Das sei genau das, wovor er seit Monaten warnt, sagt Sportstadtrat Hohensinner. „Die falsche Budgetpolitik von KPÖ und Grünen trifft am Ende genau jene, die für unsere Stadt besonders wertvoll sind. Jetzt geht es nicht mehr um abstrakte Budgetzahlen, sondern um die Existenz von Vereinen.“ Er setze sich weiter für die ausstehenden Förderungen ein.

Die Letztentscheidung liegt aber bei der Koalition. Bei Finanzstadtrat Eber versteht man, „dass die Situation für die Vereine äußerst schwierig ist“. Aber man verweist auf den Fahrplan. Demnach müssen sich die Vereine bis Mitte/Ende November gedulden, um endlich Klarheit zu haben: Fließt die zugesagte Förderung oder fließt sie nicht?