Venedig eröffnet sein Pierre-Cardin-Museum

In Venedig ist das erste Museum eröffnet worden, das dem französisch-italienischen Modeschöpfer Pierre Cardin gewidmet ist. Das Museum befindet sich im Palazzo Bragadin, der früheren venezianischen Residenz des 2020 gestorbenen Designers. Das Museum soll einen Überblick über Cardins rund 70-jährige Karriere geben. Zu sehen sind etwa 350 Exponate, darunter rund 130 historische und zeitgenössische Entwürfe. Hinzu kommen Accessoires, Designobjekte, Möbel und Lampen.
Die Ausstellung erstreckt sich über knapp 1.000 Quadratmeter. Sie umfasst unter anderem Abend- und Tagesmode, Mäntel, Unisex-Entwürfe, geometrische Modelle sowie Kreationen aus Kunststoff, Plexiglas und Metall. Auch Cardins futuristisch geprägte "Space Age"-Mode ist vertreten. Charakteristisch für seine Arbeit waren der Einsatz neuer Materialien, geometrische Formen und die Verbindung von Mode, Architektur und Technologie.
Cardin galt als einer der prägenden Modeschöpfer des 20. Jahrhunderts. Zu seinen Innovationen gehörten unter anderem die frühe Verbreitung von Prêt-à-porter und die Produktion von Mode und Konsumartikeln unter Lizenz. Seine Entwürfe wurden weltweit bekannt. Er stammte aus der Region Venetien. Er wurde 1922 als Pietro Costante Cardin in Sant'Andrea di Barbarana unweit von Venedig geboren. Seine Familie zog früh nach Frankreich, wo Cardin den größten Teil seines Lebens verbrachte. Seine Verbindung zu Venedig blieb jedoch bestehen.
Seinen internationalen Durchbruch erlebte Cardin in den frühen 1950er Jahren. 1951 erhielt er von Christian Dior den Auftrag, Kostüme für den "Jahrhundertball" im Palazzo Labia in Venedig zu entwerfen. Die Veranstaltung des mexikanischen Millionärs Charles de Beistegui wurde zu einem großen gesellschaftlichen Ereignis und trug dazu bei, Cardins Bekanntheit zu steigern. Anschließend eröffnete er sein erstes eigenes Atelier.
Die neue Einrichtung wurde von Rodrigo Basilicati-Cardin initiiert, dem heutigen Präsidenten der Maison Cardin und Neffen des Designers. Er möchte das Museum künftig auch als Ort für junge Designer und Kreative etablieren. Geplant ist unter anderem eine Art Atelier- und Residenzprogramm, in dem Nachwuchsdesigner sich mit Cardins Arbeiten und seinem gestalterischen Ansatz beschäftigen können.
Cardin selbst hatte zu Lebzeiten kein umfassendes Archiv seiner Arbeiten aufgebaut. Er konzentrierte sich nach Angaben aus seinem Umfeld vor allem auf neue Projekte und blickte nach vorn. Entsprechend sind von seinen Zehntausenden Prototypen, Modellen und Einzelstücken vergleichsweise wenige Dokumente wie Zeichnungen oder Schnittmuster erhalten.