Verhandlung über Fortführung des Werks von Iglo-Zulieferer Ardo
Unterstützungsangebot von Bund und Land liegt vor, um das Tiefkühlgemüse-Werk zu erhalten. ÖGB kritisiert das Vorgehen des belgischen Unternehmens.
Im Fall der drohenden Schließung des Werks vom Iglo-Zulieferer Ardo in Groß-Enzersdorf wird es am Mittwoch ein erneutes Treffen zwischen dem Unternehmen und Vertretern aus Politik und Landwirtschaft geben. Ein Unterstützungsangebot von Bund und Land liegt seit der Vorwoche auf dem Tisch, Details dazu wurden nicht genannt. Der ÖGB Niederösterreich forderte indes am Dienstag den Erhalt des Produktionsstandortes und der damit verbundenen Arbeitsplätze ein.
„Ardo setzt sich für einen offenen Dialog über die geplante Schließung seines Werks in Groß-Enzersdorf ein", wurde am Dienstag in einer schriftlichen Stellungnahme des Unternehmens betont. Beim Treffen am Mittwoch sollen „den Vertretern der Regierung weitere Informationen zur Verfügung“ gestellt werden. „Bis dahin werden wir keine weiteren Stellungnahmen abgeben.“
„Heimisches Gemüse raus, belgisches rein ist zu einfach gedacht und wird auch nicht funktionieren", betonte Niederösterreichs Landesvize Stephan Pernkopf (ÖVP), der am Mittwoch der Vorwoche gemeinsam mit Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ebenfalls ÖVP) und Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer NÖ, die Unterstützung zum Erhalt des Standorts angeboten hatte. „Wir kämpfen für die heimische Wirtschaft und Arbeitsplätze, für unsere Bauern und für heimisches Gemüse in unseren Regalen.“
Kritik an „reinem Profitdenken“
Aus Sicht des Landesvorstandes des ÖGB ist Ardo „in die Verantwortung zu nehmen, den österreichischen Standort nicht aufgrund von reinem Profitdenken auszuhöhlen“. Es müssten „alle wirtschaftlich und organisatorisch möglichen Optionen“ geprüft werden, hieß es in einer Aussendung. Gemeinsam mit den Beschäftigten, dem Betriebsrat und den landwirtschaftlichen Partnerbetrieben sollten „tragfähige Zukunftsperspektiven“ entwickelt werden. „Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit dürfen der Profitmaximierung nicht zum Opfer fallen.“ Das Ardo-Tiefkühlgemüsewerk in Groß-Enzersdorf produziert etwa für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar.
Die belgische Ardo-Gruppe hatte Ende September angekündigt, das Werk in Groß-Enzersdorf 2027 zuzusperren. Von der Schließung betroffen sind 190 Beschäftigte, für die ein Sozialplan ausgearbeitet wird. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte. Nötige Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro für die Modernisierung seien für einen „relativ kleinen heimischen Markt“ zu hoch, wurden die Pläne begründet. Die Anlagen sollen an andere bestehende Standorte verlagert werden. Das Unternehmen hat 2025 in Niederösterreich seinen Angaben zufolge die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), die für Ardo produziert, hat 500 Mitgliedsbetriebe.