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Binder+Co schraubt Forschungsbudget in Gleisdorf auf Rekordhoch

Das steirische Technologieunternehmen Binder+Co spürt die Investitionszurückhaltung in Europa und sieht sich als weltweit tätiger Nischenanbieter für Hightech-Anlagen in der Sortier- und Recycling-Branche aber gut positioniert.

Fertigung in Gleisdorf
© Binder+Co
Fertigung in Gleisdorf
Manfred Neuper
Wirtschaft

Von einem „Fahren auf Sicht“ spricht Jörg Rosegger. Der Vorstand des Gleisdorfer Spezialisten für Sieb-, Sortier- und Verpackungstechnik verweist mit seinen Kollegen Peter Gradwohl und Mario Stockreiter auf einen Auftragseingang, der mit 59,2 Millionen Euro um 15 Prozent unter dem Wert der sechs Monate des Vorjahres liegt und einen Umsatz, der im ersten Halbjahr um 13 Prozent auf 59,5 Millionen Euro zurückgegangen ist.

In Europa registriere man eine Investitionszurückhaltung. Das operative Ergebnis (EBT) konnte indes leicht auf 4,2 Millionen Euro gesteigert werden. Das zeige, „dass innovative Produkte am Markt ziehen“, so Rosegger. Daher werden vom prognostizierten Jahresumsatz von gut 140 Millionen Euro rund sieben Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert, „das ist der höchste Wert in der immerhin mehr als 140-jährigen Firmenhistorie“.

Weniger große, mehr kleine und mittlere Projekte

Das Management des Technologieunternehmens, das insgesamt knapp 420 Beschäftigte zählt, davon 260 bei Binder+Co und weitere 90 bei Statec-Binder in Gleisdorf sowie weitere bei Comec-Binder in Italien sowie in den USA, sieht sich technologisch gut positioniert. Insbesondere die Wiederaufbereitung von Rohstoffen und der Fokus auf Sekundärrohstoffe komme der eigenen Ausrichtung entgegen.

Die Zahl der Großprojekte jenseits von zehn Millionen Euro Auftragsvolumen sei geringer geworden, „wir kompensieren das durch eine Steigerung der kleineren und mittleren Projekte und ein wachsendes After-Sales-Geschäft“, sagt Stockreiter. Technologisch spiele Künstliche Intelligenz eine immer wichtigere Rolle bei der Sortiertechnik, neben Altglas komme die Technologie nun auch zunehmend bei Anlagen zur Sortierung von Bauschutt oder Metallen sowie bei Baurohstoffen und Mineralien zum Einsatz. Derzeit sind Maschinen von Binder+Co in mehr als 90 Ländern der Welt im Einsatz.

Die Vorstände von Binder+Co: Peter Gradwohl, Jörg Rosegger und Mario Stockreiter
© Erwin Scheriau
Die Vorstände von Binder+Co: Peter Gradwohl, Jörg Rosegger und Mario Stockreiter

Softwareprogrammierung wird ausgebaut

Im Unternehmen selbst werden zudem Kompetenzen in den Bereichen Cybersicherheit und Softwareprogrammierung ausgebaut, betont Gradwohl. In der Schweiz habe man für die BRT AG zuletzt ein Projekt zur Bauschutt-Sortierung umgesetzt, „die mechanische Aufbereitung und die sensor- und KI-gestützte Sortierung kommen von Binder+Co“. Damit lasse sich Ziegelbruch zuverlässig von hochwertigem Kies trennen. Am zollbedingt schwierigen US-Markt, wo Binder+Co eine Service-Niederlassung unterhält, sorgen KI-gestützte Anlagen der Gleisdorfer bei „Southern Core Recycling“ in Texas wiederum für die Trennung von Aluminium und Kupfer. „Diese Art der Technologie gibt es in den USA sonst nicht“, sagt Rosegger nicht ohne Stolz.