Psychiaterin gibt „schweren Herzens“ Kassenstelle in Wolfsberg auf
Birgit Niesner ist seit Juli 2025 Psychiaterin in Wolfsberg, wird aber nur noch bis Ende 2026 in ihrer Ordination am Weiher Patienten empfangen. Ärztekammer hat die Kassenplanstelle inzwischen ausgeschrieben.
Mit Jahresende wird Birgit Niesner, Fachärztin für Psychiatrie, ihre Ordination in Wolfsberg schließen, ihren Kassenvertrag wird sie nach eineinhalb Jahren Ende 2026 zurücklegen. „Bis Ende Dezember werde ich ohne Einschränkungen praktizieren, ab Jänner leider Gottes nicht mehr“, sagt die 41-jährige Steirerin, die „sehr schweren Herzens“ gehen wird. Warum sie gehen wird? „Das hat ganz pragmatische Gründe. Ich habe ganz überraschend eine gleichwertige Stelle in Weiz bekommen, das konnte ich nicht ablehnen. Dort werde ich mit 1. Jänner 2027 die Kassenstelle von Psychiater Franz Mahnert übernehmen, der in Pension gehen wird. Von meiner Wohnadresse habe ich es nur 20 Minuten nach Weiz“, erklärt die zweifache Mutter, deren Familie beziehungsweise Kinder (5 und 13 Jahre alt) auch eine Rolle für diese Entscheidung gespielt haben: „Die Pendelstrecke nach Wolfsberg lässt sich nicht wegdiskutieren, auch wenn ich mehr sehr, sehr wohl in Wolfsberg fühle und die Ordination super angelaufen ist.“
Ausschreibung läuft
Die Kärntner Ärztekammer hat die Kassenplanstelle für Psychiatrie ab 2027 in Wolfsberg inzwischen ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist läuft bis 19. Oktober. „Ich hoffe sehr, dass sich jemand findet und dass es einen nahtlosen Übergang geben wird. Meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger könnte meine Ordination am Weiher in Wolfsberg übernehmen, die sehr schön ist und ich habe mit zwei Krankenschwestern auch zwei sehr qualifizierte Mitarbeiterinnen, die ebenfalls von meiner Nachfolgerin oder meinem Nachfolger mit übernommen werden könnten“, sagt Niesner, die die Kassenstelle im Juli 2025 nach der Pensionierung von Psychiater Manfred Huemer übernommen hat. Damals war Niesner die einzige Bewerberin für die ausgeschriebene Kassenstelle in Wolfsberg. „Dass sich jetzt eine Kassenstelle in der Steiermark ergeben wird, kam für mich überraschend“, betont die Steirerin, der es „total leid tut“, dass sie Wolfsberg bald verlassen wird. Aber ihre Patientinnen und Patienten kann sie ja auch in Weiz weiter behandeln? „Natürlich! Es ist zwar ein Stückale zu fahren, aber umgekehrt sind jetzt auch Patienten aus der Steiermark zu mir nach Wolfsberg gefahren, die mich vom Krankenhaus aus kannten“, erzählt die Medizinerin, die nach ihrem Studium der Humanmedizin und der Grundausbildung als Turnusärztin ihre Facharztausbildung im LKH Graz II, Standort Süd, absolviert hat.
Jede dritte Person betroffen
Niesner ist es wichtig, die Hemmschwelle zu durchbrechen, einen Psychiater aufzusuchen: „Jede dritte Person ist von psychischen Erkrankungen betroffen und diese haben den gleichen Stellenwert wie jede körperliche Erkrankung. Es soll ein Besuch wie bei jedem anderen Arzt sein. Jeder verdient Respekt, egal mit welcher Erkrankung. Seelisches und körperliches Wohlbefinden sind eng verbunden und verdienen die gleiche Aufmerksamkeit.“ Für sie ist es daher wichtig, dass sich „auf der anderen Seite auch Menschen zu mir trauen, die denken, sie brauchen keine Hilfe, eine solche jedoch benötigen würden“.