Enttäuschung in Kapfenberg: Community-Nurses vor ungewisser Zukunft
Mit deutlichen Einschnitten wurden die steirischen Community-Nurses in die Regelversorgung übernommen. In Kapfenberg ist eine Fortführung ungewiss.
Mit gezielten Beratungen zu Fragen rund um das Gesundheitssystem stehen die Community-Nurses seit 2022 pflegebedürftigen Personen und deren Angehörigen in der Steiermark zur Seite. Nachdem bisher im Hintergrund Jahr für Jahr um die Finanzierung dieses Gesundheitsprojektes gerungen wurde, gab Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl am Freitag bekannt, dass die Community Nurses ab 2027 in die Regelversorgung aufgenommen und damit vollständig vom Land finanziert werden.
Unter die Erleichterung darüber mischt sich jedoch vielerorts Ärger: Vorerst werden nämlich nur drei Vollzeitäquivalente in den Bezirken Leibnitz, Graz-Umgebung und Murtal für einen Pilotzeitraum von zwei Jahren an den Start gehen. Bisher waren die Community-Nurses in neun Gemeinden in der ganzen Steiermark, darunter Kapfenberg, vertreten.
Entsprechend groß ist nun die Unsicherheit bei Barbara Sterlinger und Guido Prossegger, die in Kapfenberg als Community-Nurses agieren. „Wie es für uns weitergeht ist noch unklar, wir wissen noch gar nichts“, erzählt Prossegger der Kleinen Zeitung. Er selbst habe aus den Medien von der Übernahme in die Regelversorgung und den damit einhergehenden Einschnitten erfahren. „Zu Mittag hab‘ ich dann einen Brief bekommen, dass ich mich auf die Stellen bewerben kann“, berichtet Prossegger.
SPÖ übt Kritik: „Nicht nachvollziehbar“
Für einen Fortbestand müsste die Stadtgemeinde Kapfenberg die Community-Nurses künftig wohl allein weiterfinanzieren, den bisherigen Finanzierungsschlüssel von 40:60 zwischen Gemeinden und Land gibt es mit der Neuregelung nicht mehr. Auf Seiten der SPÖ Bruck-Mürzzuschlag, die schon Ende August für einen Erhalt in Kapfenberg plädierte, zeigt man für den neuen Weg wenig Verständnis. Funktionierende Strukturen würden dadurch gefährdet und Gemeinden erneut in Unsicherheit versetzt, heißt es in einer Aussendung.

„Wer ständig von einer starken Gesundheitsversorgung spricht, darf erfolgreiche Angebote in unserer Region nicht schrittweise abbauen. Der Bezirk Bruck-Mürzzuschlag hat sich eine faire Behandlung verdient und nicht die nächste Verschlechterung“, kritisiert Landtagsabgeordneter Stefan Hofer. Dadurch, dass die Community-Nurses nur in einzelnen Bezirken abgesichert werden, entstünde eine „Zwei-Klassen-Versorgung“, meint er.
Auch Bürgermeister Matthäus Bachernegg zeigt sich besorgt: „Es wäre ein schwerer Fehler, ein erfolgreiches Projekt auslaufen zu lassen, nur weil die Landesregierung keine flächendeckende Lösung zustande bringt.“ Seine Vizebürgermeisterin Monika Vukelic-Auer schlägt in dieselbe Kerbe und verweist auf die Zahlen der Community-Nurses. Diese hätten seit ihrer Etablierung über 800 Seniorinnen und Senioren betreut und 360 präventive Hausbesuche sowie 3.200 Beratungen durchgeführt. „Für uns ist deshalb nicht nachvollziehbar, dass diese Zahlen und Erfahrungen offenbar nicht ausreichen, um den Mehrwert dieses Angebots anzuerkennen“, so Vukelic-Auer.