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Nach einem Jahr darf alter Spar in Gmünd endlich abgerissen werden

Anrainer hatte Einspruch gegen Abriss erhoben. Baubehörde und Spar wussten aber nicht, dass Verfahren seit Monaten beendet und Abrissbescheid rechtens ist.

leerer Supermarkt
© KLZ/Martina Pirker
Der leerstehende Spar-Markt in Gmünd, Ortsteil Untere Vorstadt
Lisa Holzfeind-Mitterberger

Im Dezember des Vorjahres wurde der neue und moderne Eurospar in Gmünd nach 13-monatiger Bauzeit eröffnet. Die beiden alten Spar-Gebäude in Waschanger und der Unteren Vorstadt wurden geschlossen und waren zum Verkauf bestimmt. Wie nun bekannt wurde, hat bis dato aber nur das Spar-Areal in Waschanger einen neuen Eigentümer. Die EMZ Beteiligung GmbH mit Sitz in Wien hat das Gebäude samt 2438 Quadratmeter großem Grundstück im Sommer gekauft. Das ist aus dem Grundbuchsauszug ersichtlich. Als Geschäftsführer der GmbH fungiert Confida-Steuerberater Karl-Heinz Moser, der auch in Gmünd lebt. Auf Anfrage der Kleinen Zeitung sagt er, dass er das Areal künftig privat nutzen möchte.

Das Grundstück beim alten Spar in der Unteren Vorstadt hätte die Stadt schon längst um einen symbolischen Euro kaufen sollen. So war es zumindest vereinbart, sollte der Supermarkt einmal aufgelassen werden. Bedingung dafür war allerdings, dass Spar das in die Jahre gekommene frühere Konsumgebäude abreißt. Die Baubehörde hatte dafür bereits im Dezember 2025 einen entsprechenden Abrissbescheid erlassen. Passiert ist seitdem aber nichts, weil Stadt und Spar bis zuletzt davon ausgegangen sind, dass bei Gericht noch ein offenes Verfahren aufgrund eines Anrainereinspruchs läuft.

Auf aktuelle Recherchen der Kleinen Zeitung hin zeichnete sich aber ein ganz anderes Bild. Sowohl aus dem Verwaltungsgerichtshof in Wien als auch dem Landesverwaltungsgericht in Klagenfurt hieß es auf Anfrage, dass kein Verfahren mehr anhängig und der Abrissbescheid eigentlich schon seit März rechtens sei. „Die Beschwerde wurde von uns als unbegründet abgewiesen, weil die Einwendungen der Bauausführung gegolten haben“, so das Landesverwaltungsgericht.

Es habe dann zwar noch eine weitere Beschwerde des Anrainers zu etwaigen Verfahrensmängeln gegeben, die daraufhin an den Verwaltungsgerichtshof in Wien übermittelt wurde, aber das Verfahren nicht mehr beeinflusst habe. „Sie wäre als Revision zu werten gewesen, der Anrainer wollte aber keine Revision erheben und hat diese zurückgezogen“, heißt es. Doch warum wussten Baubehörde und Bauwerber nichts davon? „Wir sind davon ausgegangen, dass die Parteien vom Verwaltungsgerichtshof informiert wurden, weil von unserer Seite keine Informations- und Berichtspflicht bestanden hat“, heißt es aus dem Landesverwaltungsgericht. Vermutlich habe es sich um eine Missinterpretation gehandelt.

Laut Stadtamtsleiter Christian Rudiferia habe man vom Gericht erst am vergangenen Donnerstag eine schriftliche Bestätigung zum Verfahrensende erhalten: „Wir sind stutzig geworden und haben in der Vorwoche eine Anfrage bei Gericht gestellt. Hätten wir nicht nachgefragt, wüssten wir immer noch nicht, dass es kein offenes Verfahren mehr gibt.“ So gesehen sei die monatelange Wartezeit umsonst gewesen.

„Planen Gebäude heuer noch abzureißen“

Bauwerber Spar möchte nun keine Zeit mehr verlieren und plant, das Gebäude heuer noch abzureißen. „So lautet unser Vorhaben, wir müssen aber erst noch Angebote einholen“, sagt Karl Dobrautz-Leitner, Leiter der Abteilung Werbung und Information bei Spar Kärnten und Osttirol. Der Verkauf an die Stadt könnte laut Rudiferia auch noch bis Jahresende über die Bühne gehen.

© KLZ / Martina Pirker-Tragatschnig
Stadtamtsleiter Christian Rudiferia

Hätten wir nicht nachgefragt, wüssten wir immer noch nicht, dass es kein offenes Verfahren mehr gibt.

— Christian Rudiferia, Stadtamtsleiter

„Lodron-Center“ mit Fitnesscenter und Büros

Pläne für das Areal gibt es laut Bürgermeister Claus Faller (Liste Jury) schon einige, allerdings werde die Gemeinde auf Investoren angewiesen sein. „Um etwas Vernünftiges entstehen zu lassen, bräuchten wir einen heimischen Bauträger mit im Boot“, sagt Faller.

© Willi Pleschberger
Claus Faller, Bürgermeister von Gmünd

Unsere Vision wäre ein Fitnesscenter mit eigener Gastronomie, Ordinations- und Büroräumlichkeiten und eventuell Wohnungen. Auch eine Tiefgarage wäre von Vorteil.

— Claus Faller (Liste Jury), Bürgermeister von Gmünd

Als „vernünftige“ Idee sieht Faller das oft erwähnte „Lodron-Center“ mit einem Mix aus Geschäfts- und Wohnflächen. „Unsere Vision wäre ein Fitnesscenter mit eigener Gastronomie, Ordinations- und Büroräumlichkeiten und eventuell Wohnungen. Auch eine Tiefgarage wäre von Vorteil“, sagt Faller. Das Grundstück ist derzeit als Bauland-Wohngebiet gewidmet, die Geschoßanzahl richtet sich nach dem aktuellen textlichen Bebauungsplan. Laut Faller soll das Gebäude aber nicht höher werden, als etwa der umliegende Polizeiblock, um die Sicht auf die Stadt zu bewahren.

Vizebürgermeisterin Sylvia Petschar (SPÖ) spricht sich auch für einen Mix aus Büros, Geschäften und Wohnungen aus: „Wir bräuchten dafür einen gemeinnützigen Wohnbauträger, der leistbares Wohnen schafft.“

Laut Stadtrat Markus Schiffer (ÖVP) wäre auch ein Primärversorgungszentrum denkbar. „Ich habe das Grundstück bereits dem Land vorgeschlagen, weil für Oberkärnten noch ein Primärversorgungszentrum mit Kinderärzten geplant ist“, sagt Schiffer. Er appelliert aber an alle Parteien, keine Schnellschüsse zu machen: „Es sollten sich alle an einen Tisch setzen und ein gemeinschaftliches Konzept für alle Gmünder erarbeiten.“