Wie Geschichte im Podcastformat Millionen Hörer findet
Es ist einer der erfolgreichsten Podcasts Österreichs: Seit elf Jahren betreiben die Historiker Daniel Meßner und Richard Hemmer „Geschichten aus der Geschichte“.

So „ein bissl Geschichte“ ist es nicht, was sich seit dem 1. Oktober 2015 da angesammelt hat – elf Jahre und 575 Folgen später hat sich der Podcast „Geschichten aus der Geschichte“ längst zu Österreichs beliebtester Geschichtsstunde gemausert: Zwischen 2,4 und 2,6 Millionen monatliche Downloads (In- und Ausland) verzeichnet der Podcast regelmäßig und zu Beginn jeder Folge darf Bruno Kreisky seinen legendären Satz „Lernen‘s ein bissl Geschichte …“ zum Besten geben. Die fünfte Folge haben die beiden Historiker Richard Hemmer und Daniel Meßner dieser Aussage gewidmet. Aus „einer Laune heraus“ ist der Podcast damals entstanden, wie Richard Hemmer erzählt, „dass dann tatsächlich Leute interessiert hat, das war eine schöne Fügung.“ Es ist alles andere als ein üblicher Karriereweg für Historiker, aber mittlerweile ist es für beide ein Job geworden.
Jede Woche erscheint eine neue Folge, die rund eine Stunde dauert. Abwechselnd erzählen sich Hemmer und Meßner eine neue Geschichte aus der Geschichte. Es ist wohl nicht nur dem launigen Ton geschuldet, sondern vor allem der Aufbereitung und der Erzählweise, die die Beliebtheit ausmachen. Dicht in der Erzählung, aber nicht überfrachtet und mit der nötigen Portion Spannung und Witz. Die Themenauswahl spannt einen enormen Bogen – Biografien („Das Leben der Lucrezia Borgia“), Erfindungen („Die Fibonacci-Folge“), Schrulliges („Über Hummer, Kaviar und wie das Loch in den Donut kam“) oder auch Fauna („Die Jagd nach dem Großen Panda“) und Flora („Kurze Geschichte der Tomate“) – in Summe einmal rund um die Welt und quer durch die Geschichtsschreibung.
Die Welt verstehen wollen
Das Interesse am Podcast komme wohl auch daher, „dass sich viele Leute für Geschichte interessieren, um unsere Welt besser zu verstehen“, glaubt Richard Hemmer. „Viele Probleme, die wir heutzutage haben, die rühren wohl auch daher, dass ein gewisses Unverständnis dafür existiert, warum Systeme heutzutage so sind oder warum unsere Gesellschaft auf eine bestimmte Art und Weise funktioniert. Die Geschichtswissenschaft kann hier ihren Beitrag leisten, wenn man sie entsprechend vermittelt.“

Und zu vermitteln gibt es auch nach über 570 Folgen noch mehr als genug, ein Ende ist nicht in Sicht, die Themenliste ist, auch dank einer engagierten Zuhörerschaft, gut gefüllt: „Ich habe einen Ordner mit ungefähr 3000 Themenhinweisen drin, die wir über die letzten elf Jahre gekriegt haben.“ Mittlerweile ist das Duo auch unter die Buchautoren gegangen. In ihrem zweiten Band „Mehr Geschichten aus der Geschichte“ widmen sie sich diversen Erfindungen. Nur in Sachen Klugheit lässt Richard Hemmer keine Superlative gelten, sondern stapelt ordentlich tief. Wie gescheit ist man, wenn man sich so lange und so intensiv mit Geschichte beschäftigt? „Wir haben so eine Art Superpower, die dann manchmal den Eindruck vermittelt, als würden wir wahnsinnig viel wissen. Ich bin aber nicht gescheiter oder dümmer als der Durchschnitt. Ich bin immer nur so gescheit, wie das, was ich mir für die Folgen, die ich gemacht habe, gemerkt habe.“
