Premiere: Klagenfurter Lindwurm ist erstmals auf Deutschland-Tour
Der Lindwurmschädel wird derzeit in Deutschland ausgestellt. Das Fossil aus Klagenfurt galt lange als Beweis für die Existenz von Drachen.

Drachen existierten. Das soll ein Schädel beweisen, der vermutlich im 14. Jahrhundert im Bereich des Zollfelds oder Spitalbergs gefunden wurde. Die lange Schnauze und die großen Nasenlöcher passen zur Beschreibung des Lindwurms, der der Sage nach in den Sümpfen gelebt und die umliegenden Bewohner terrorisiert hat. Knechte erlegten das Tier mit einer List und legten den Grundstein für ein friedliches Dörfchen, aus dem sich Klagenfurt entwickelte.
Soweit die Erzählung. Dass der gefundene Lindwurmschädel nicht zu einem sagenumwobenen Ungeheuer, sondern „nur“ zu einem Wollhaarnashorn gehört, stellte erst 1840 der Grazer Professor Franz Unger fest. Danach übersiedelte das vermutlich älteste erhaltene österreichische Fossil aus dem Klagenfurter Rathaus in das Landesmuseum und gehört dort nicht nur zu den wertvollsten, sondern auch zu den gefragtesten Ausstellungsstücken. Auch Deutschland interessiert sich für den Lindwurm, wurde dort auf Anhieb zu einem kleinen Medienstar.

Wichtiges Exemplar für Ausstellung
Denn der Schädel verließ erstmals Österreich in Richtung Darmstadt, wo er im Hessischen Landesmuseum gezeigt wird. Dort zählt er zu den wichtigsten Exemplaren der Ausstellung „Drachen – Mythos und Wirklichkeit“. „Man kommt bei so einer Ausstellung an diesem Schädel und der Geschichte nicht ganz vorbei“, sagt Kurator Dominik Hennhöfer. Vom Klagenfurter Lindwurm las er schon als Kind in einem Buch, vor wenigen Tagen durfte er die Ausstellung mit dem „Hauptdarsteller“ eröffnen.
Der Lindwurmschädel ist 75 Zentimeter lang, 33 breit und 29 hoch. Das Gewicht beträgt 7,4 Kilogramm, über das Alter lässt sich nur mutmaßen. Das Tier dürfte vor 300.000 bis 11.700 Jahren gelebt haben. Der Mörder? Entweder Jäger oder der Klimawandel.

Große Vorsicht beim Transport
„Das Wollhaarnashorn war das erste Opfer der Erderwärmung“, sagt Wolfgang Muchitsch. Der Direktor des Kärntner Landesmuseums wählt eine bewusste Überspitzung, um einen Bezug von den Folgen der endenden Eiszeit zur Gegenwart herzustellen. Der Lindwurmschädel ermöglicht nicht nur einen Blick in die Vergangenheit, sondern offenbart ein mögliches Schicksal, das uns ereilen könnte. Um darauf länger hinweisen zu können, wird der Schädel entsprechend geschützt: Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind in der Box genau geregelt. Darauf wurde auch beim Transport von Klagenfurt über Wien nach Darmstadt geachtet.
Bis 17. Jänner wohnt der Lindwurm in Darmstadt. Danach tourt er weiter nach Köln, erst im Frühjahr 2027 kehrt der Schädel wieder in seine Heimat zurück. Bis dahin kann man im Kärntner Landesmuseum eine maßstabsgetreuen 3D-Druck des Schädels bewundern und, im Gegensatz zum Original, auch berühren.