EZB will auf den Inflationsschub „mit Augenmaß“ reagieren
Hohe Inflation nach Energiepreisschock soll mit maßvoller Reaktion im Zaum gehalten werden. Geminderte reale Einkommen als „Vorteil“.
Trotz der sprunghaft gestiegenen Inflation im Euroraum sieht sich die EZB beim Zinskurs nicht unter Zugzwang. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane betonte am Montag, man werde weiterhin mit Augenmaß auf die hartnäckig hohe Inflation reagieren. In der Geldpolitik bleibe man auf einem „mittleren Pfad“ und somit bei einer maßvollen Reaktion, um den Preisauftrieb im Zaum zu halten.
Angesichts des Ölpreisschocks sei es umsichtig gewesen, den Leitzins im Juni und September auf aktuell 2,50 Prozent anzuheben. Der Ire verwies zugleich auf Effekte des Energiepreisschocks, die das Ausmaß der nötigen geldpolitischen Straffung verringern könnten.
Geminderte reale Einkommen
Denn geminderte reale Einkommen der Verbraucher und niedrigere Unternehmensgewinne wirkten dem mittelfristigen Inflationsdruck entgegen, so Lane. Bei der Beurteilung, wie der Angebotsschock bei der Energie den Inflationsausblick präge, müssten also auch solche indirekten Auswirkungen berücksichtigt werden. Teure Energie hat die Inflation in der Eurozone im September auf den höchsten Stand seit drei Jahren katapultiert. Die Verbraucherpreise stiegen um 3,8 Prozent, nach 3,2 Prozent im August. Dabei schlugen insbesondere höhere Energiepreise ins Kontor, die zum Vorjahresmonat um 18,8 Prozent stiegen.
Die EZB geht davon aus, dass die Gesamtinflation noch bis in die erste Jahreshälfte 2027 deutlich über ihrem Zielwert von 2,0 Prozent bleiben wird. An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die Notenbank auf ihrer Sitzung Ende des Monats stillhält und im Dezember die Zinsen weiter anheben wird. Es wäre der dritte Schritt nach oben in diesem Jahr.
Nagel: Flexibilität, nicht Untätigkeit
Die EZB will vermeiden, dass der Ölpreisschock das Preisgefüge nachhaltig verändert: Denn die vom Iran-Krieg befeuerten Energiekosten für Verbraucher und Unternehmen bergen die Gefahr, dass sich Löhne und Preise gegenseitig hochschaukeln. Laut Bundesbankchef Joachim Nagel gibt es jedoch noch keine eindeutigen Anzeichen dafür, dass sich die Inflation auf die Preis- und Lohnbildung ausgewirkt hat. Zugleich stünden die längerfristigen, markt- und expertenbasierten Erwartungen weiterhin im Einklang mit dem Inflationsziel, betonte das EZB-Ratsmitglied.
„Die große Unsicherheit hinsichtlich der Inflationsaussichten erfordert Flexibilität, nicht Untätigkeit“, fügte Nagel hinzu. Der EZB-Rat werde seine Entscheidungen weiter datengestützt und von Sitzung zu Sitzung treffen. Dieser Ansatz habe sich bewährt und werde der EZB auch künftig gute Dienste leisten.