Was für ein Wiedersehen mit Roy Black und Uschi Glas!
Vor 35 Jahren starb der Schauspieler und Schlagersänger Roy Black. Sehen Sie hier zur Erinnerung an ihn in voller Länge die Wörthersee-Filme „Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut“ und „Hilfe, ich liebe Zwillinge“.
Oktober 1991. Mit dunkler Sonnenbrille und Blindenstock kletterte Roy Black vor dem Schlosshotel in Velden aus seinem Mercedes. Die Nacht war lang, aber seine Erschöpfung spielte er nur, scherzte, war nach außen hin blendend gelaunt. Professionell drehte er die letzten Szenen der Erfolgsserie „Ein Schloss am Wörthersee“ ab und versprach seinem Produzenten Karl Spiehs: „Karl, wenn dieses Team zusammenbleibt, verzichte ich im nächsten Jahr auf zehn Prozent meiner Gage.“ Für den sparsamen Schwaben eine Ansage. Einmal nämlich belohnte Roy Black seine Schauspielkollegin Christine Schuberth für eine gute Idee, indem er ihr ein „Geldstück“ in die Jackentasche steckte. Als Schuberth die vermeintlich wertvolle Münze herauszog, fand sie einen Hosenknopf.
Einen Tag später saß der 48-Jährige im Auto auf dem Weg zu seiner Fischerhütte in Heldenstein am Inn, seinem geliebten Rückzugsort in Oberbayern. Doch die Hütte sollte den Baggern weichen und abgerissen werden. Roy Black hatte die Tabletten, die er seit seiner Herzklappenoperation im Jahr 1986 regelmäßig einnehmen musste, nicht dabei. In dieser tragischen Nacht trank er zu viel und wurde am nächsten Morgen tot aufgefunden. Freunde wie sein Regisseur Otto Retzer sind noch heute überzeugt: „Er wollte nicht mehr.“
Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut
Die schwungvolle Verwechslungskomödie aus dem Jahr 1971 (in voller Länge siehe oben) wurde am Faaker See, am Wörthersee und auf der Villacher Alpenstraße gedreht.
Handlung: Industriellensohn Kristian Wenher (Roy Black) bringt wertvolle Gesteinsproben aus Brasilien mit – und gerät damit ins Visier der Konkurrenz. Das tollpatschige Gaunerduo Big Ben (Peter Weck) und Cindy (Elisabeth Felchner) nimmt die Verfolgung auf. Kristian taucht unter falschem Namen in einem Hotel unter, wird dort jedoch mit Schuldirektor Bercelius (Theo Lingen) verwechselt. Der ist heimlich der Kopf der Schülerbande „Schwarze Hand“ – wovon selbst seine Nichte Felicitas (Uschi Glas) nichts ahnt.
Hintergrund: Produzent Karl Spiehs entdeckte die damals acht Jahre alte norwegische Hitparaden-Sängerin Anita Hegerland für den Film und ließ für sie und Roy Black den Schlager „Schön ist es auf der Welt zu sein“ komponieren. Das Lied kletterte 1971 auf Platz zwei der deutschen Schlagercharts, war sieben Wochen lang das erfolgreichste deutsche Lied und insgesamt 39 Wochen in den Charts. Auch in Norwegen, Belgien, der Schweiz und Holland kam der Hit in die Top 10. In Deutschland gab es die Goldene Schallplatte für mehr als 500.000 verkaufte Tonträger.
Regie: Peter Weck
Cast: Roy Black, Uschi Glas, Theo Lingen, Ilja Richter, Gunther Philipp, Peter Weck, Paul Löwinger, Christian Wolff, Elke Aberle
Der Wörthersee war für Roy Black („Ganz in Weiß“, „Schön ist es auf der Welt zu sein“, „Du bist nicht allein“, „Wie ein Stern am Horizont“) wie eine zweite Heimat. Ende der 1960er-Jahre hatte Produzentenlegende Karl Spiehs den Schlagerstar, der mit bürgerlichem Namen Gerhard Höllerich hieß, für den Film entdeckt. „Das war eines meiner Erfolgsgeheimnisse. Beliebte Musikstars erzählen mit erfolgreichen Schauspielern in traumhaften Landschaften Heile-Welt-Geschichten“, erinnerte sich Spiehs immer wieder gerne. Der Erfolg gab ihm recht. „Hilfe, ich liebe Zwillinge!“ und „Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut“ – beide Filme können Sie hier zur Erinnerung an Roy Black sehen – holten 2,5 und 1,5 Millionen Fans in die deutschen Kinos.

Roy war der Star am Wörthersee. Mit dem legendären Kinovorführer Hansi Tomantschger unternahm er lange Segeltouren, mit der Veldener Unternehmerin Gerda Barnstorf erlebte er eine leidenschaftliche Sommerromanze und nach den Dreharbeiten zog er mit Otto Retzer durch die Szenebars. Filmstar Uschi Glas erinnert sich schmunzelnd an ihre gemeinsamen Drehs: „In unseren Kinofilmen haben wir uns insgesamt 47 Mal geküsst.“
Das Comeback
Irgendwann bekam Roy Blacks Erfolgskarriere Risse, er geriet aus der Spur und war Mitte der 1980er-Jahre out. Bis 1989, als ihn sein Lieblingsproduzent Karl Spiehs anrief. Spiehs hatte vom österreichischen RTL-Chef Helmut Thoma den Auftrag für die erste eigenproduzierte TV-Serie des Senders erhalten und Roy Black, der mit Alkoholeskapaden für Negativschlagzeilen gesorgt hatte, trotz harten Widerstands durchgesetzt. „Ich hab mit Roy und mit Chris Roberts gedreht, die Filme mit Roy sind immer besser gelaufen“, blieb Spiehs hart.
Damit rollte Spiehs dem Schlagerstar den roten Teppich aus. Flankiert von unzähligen Gaststars dieser Epoche wie Zachi Noy, Gunther Philipp, Klausjürgen Wussow, Fritz Eckhardt, Peter Kraus, Hella von Sinnen oder Falco eroberte Black die Herzen seiner Fans zurück. Schauspielerin Julia Kent, damals die Freundin des Produzenten, fuhr eigens nach Wien, um die „Dallas“-Stars Linda Grey und Larry Hagman, die gerade im „Vienna’s English Theatre“ auftraten, zu einer Gastrolle zu überreden. Zwei Tage später landete ein Privatjet mit den „Dallas“-Ikonen, die damals Woche für Woche bis zu 18,1 Millionen Zuschauer vor die deutschen Fernsehschirme lockten, am Klagenfurter Flughafen. Rund drei Dutzend Fotografen aus Deutschland und Österreich postierten sich zwischen Spielcasino und Casino-Hotel. „Ich baue dann mal hier hinter dem Schlosshotel einen Bohrturm hin“, blödelte der von der Schönheit des blau-grün schimmernden Wörthersees verzauberte Hagman.
„Kojak“ Telly Savalas brauste im Mercedes mit 160 km/h in die 100er-Begrenzung vor dem Villacher Oswaldibergtunnel. Dem Polizisten, der den zu schnell fahrenden Konvoi stoppte, fiel die Radarpistole fast aus der Hand. „Der Kojak“, bekam er zittrige Knie und wollte nur noch ein Autogramm. „Ich habe noch nie einen Strafzettel bekommen“, erzählte der damals wohl weltweit bekannteste Filmpolizist danach seinem neuen Freund Roy Black.
„Die Fans haben ihn geliebt“
Wieder war der Wörther See zu seiner zweiten Heimat geworden.
Vor dem Lisa-Film-Drehbüro in Velden versammelten sich Menschenschlangen, um ein Andenken oder ein gemeinsames Foto zu bekommen. „Die Fans sind fast in Ekstase verfallen, als sie Roy zu Gesicht bekommen haben. Ich saß mit Roy im Auto. Da hat ihn ein Fan erkannt, seinen Dackel zum Autofenster hochgehoben und geschrien: Schau, der Roy!“, erinnert sich Dagmar Koller. „Die Fans haben ihn immer geliebt“, bewundert ihn Thomas Gottschalk noch heute.
Als Schlagerfuzzi abgestempelt
Nur eine Bürde konnte Roy Black nie ablegen. Er liebte den Rock ’n’ Roll, war aber immer als Schlagerfuzzi abgestempelt. Als die Schauspielerin Gudrun Velisek im Hotel Schloss Seefels am Wörthersee den Unternehmer Bert Frech heiratete, rockte Black stundenlang, ohne dafür einen Cent haben zu wollen. Und dann kam wie immer sein Lieblingswitz: „Wie bringt man das Hirn eines Schlagersängers auf Erbsengröße? Einfach aufblasen.“ Roy Black konnte sich über diesen Witz jedes Mal kaputtlachen.
Er ist und bleibt als Legende unvergessen.
Hilfe, ich liebe Zwillinge!
Die unterhaltsame Verwechslungskomödie aus dem Jahr 1969 wurde in Velden und Pörtschach am Wörthersee gedreht.
Handlung: Fotograf Andy (Roy Black) will dem attraktiven Model Hanna (Uschi Glas) näherkommen. Gemeinsam mit seinem Freund Fritz (Georg Thomalla), der sich als Frau verkleidet, heuert er deshalb in einem Hotel am Wörthersee an. Doch Hannas Zwillingsschwester sorgt für Verwirrung – und der amerikanische Millionär Mr. Brown (Eddi Arent) verliebt sich ausgerechnet in die vermeintliche Köchin Fritz.
Hintergrund: Peter Weck feierte mit „Hilfe, ich liebe Zwillinge!“ sein erfolgreiches Regiedebüt und lockte mit dem Film 2,5 Millionen Zuseher in die deutschen Kinos. „Ich habe gezögert. Aber der Karli Spiehs hat zu mir gesagt: Mach es jetzt, oder du machst es nie mehr“, erinnert sich Weck.
Regie: Peter Weck
Cast: Roy Black, Uschi Glas, Georg Thomalla, Eddi Arent, Ernst Stankovski, Otto Wanz, Alfred Böhm, Peter Weck, Angelika Spiehs, Renate Heuer