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Gewerkschaft erklärt die Zeit der „Krisenabschlüsse“ für beendet

Die Gewerkschaft vida verlangt für 283.500 Beschäftigte vollen Ausgleich der Inflation und reale Zuwächse. Den Auftakt machen am 12. Oktober die Eisenbahnen.

vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit
© APA / Max Slovencik
vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit

Die Gewerkschaft vida geht mit der Forderung nach vollem Inflationsausgleich und zusätzlichen Reallohnzuwächsen in die Herbstlohnrunde. Verhandelt wird für rund 283.500 Beschäftigte in fünf Bereichen: Eisenbahnen, Handelsarbeiterinnen und -arbeiter, private Autobusbetriebe, Straßengüterverkehr und private Sicherheitsdienste. „Alles unter einer Teuerungsabgeltung ist eine Lohnkürzung“, wird vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit in der Unterlage zur Pressekonferenz am Montag in Wien zitiert.

Für die Eisenbahnen beginnen die Verhandlungen am 12. Oktober. Die vida verhandelt dort für rund 55.000 Beschäftigte in 98 Unternehmen, ihre Forderungen hat sie am 30. September an die Wirtschaftskammer übergeben. Güterbeförderung und private Busbetriebe folgen im November, die 150.000 Handelsarbeiterinnen und -arbeiter im Dezember. Für die privaten Sicherheitsdienste nennt die Unterlage keinen Termin, eine konkrete Prozentforderung enthält sie nicht

Messlatte ist die rollierende Inflation

Messlatte ist die rollierende Inflation, also die durchschnittliche Teuerung der vergangenen zwölf Monate. Zuletzt zog die Teuerung wieder an: Für September weist die Schnellschätzung der Statistik Austria 3,6 Prozent aus, nach 3,2 Prozent im August. Die Gewerkschaft begründet ihre Forderung mit gesunkenen Reallöhnen. Zwischen Juli 2019 und Juli 2026 seien sie im Schnitt um 0,8 Prozent zurückgegangen. Regierung und Wirtschaft hätten in den Krisenjahren um Lohnzurückhaltung gebeten und dafür gedämpfte Preise und sichere Arbeitsplätze versprochen. Die Preise seien aber nicht gesunken, die Arbeitslosigkeit steige.

Lohnrunde mit der Fachkräftestrategie verknüpft

Die Lohnrunde verknüpft die vida mit der Fachkräftestrategie, über die die Bundesregierung derzeit verhandelt. Arbeitskräfte aus Drittstaaten sollen über Rot-Weiß-Rot-Karte, Mangelberufsliste und Saisonkontingente nur noch in Branchen kommen, deren Löhne in den vergangenen fünf Jahren deutlich stärker gestiegen sind als die Inflation. Die Gewerkschaft spricht von einem „Lohndrückerkartell“: Das Arbeitskräfteangebot werde künstlich hochgehalten, damit die Löhne niedrig bleiben. Die Forderung richte sich gegen diese Politik, nicht gegen Menschen.

Bei den Bahnen verweist die vida auf die wirtschaftliche Entwicklung. Die Produktivität sei seit 2023 um 11,3 Prozent gestiegen, der Personalkostenanteil drei Jahre in Folge gesunken. An einer vida-Umfrage hätten rund 7000 Eisenbahnerinnen und Eisenbahner teilgenommen, 93 Prozent verlangten die volle Abgeltung der Teuerung. Man verhandle, um abzuschließen, so Verhandlungsleiter Gerhard Tauchner.