Dieser Steirer kickt sich über so manche Hürden hinweg
Marcel Zündel aus Laßnitzhöhe kam als Frühchen zur Welt. Ärzte glaubten, dass er nie gehen würde. Heute ist der 18-Jährige begeisterter Fußballgolfer – doch nicht nur am Fußballpark meistert er jede Hürde.
Fußball ist für Marcel Zündel mehr als ein Sport. Er ist Teil seiner Lebensgeschichte. Denn der 18-Jährige aus Laßnitzhöhe lebt seit seiner Geburt mit einer „spastischen Hemiparese“, seine linke Körperseite ist eingeschränkt. Als Frühchen kam er in der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt. „Die Ärzte haben gesagt, dass Marcel vermutlich nie gehen wird“, erzählt seine Mutter Claudia Zündel.
Damit wollte sich die heute 46-Jährige nicht abfinden. Sie suchte nach Therapiemöglichkeiten und nahm gemeinsam mit ihrem Sohn einen langen Weg auf sich. Im Reha-Zentrum am Bisamberg setzte Marcel im Alter von fünf Jahren seine ersten Schritte. „Es war der schönste Moment für mich“, sagt seine Mutter. Auch die ersten Bälle wurden damals bereits gerollt.
Fußball liegt der Familie „im Blut“
Bis heute fährt die Familie jedes Jahr für zwei Wochen zur Therapie. Die Kosten dafür trägt Claudia Zündel selbst. Rund 80.000 Euro habe sie bisher investiert. „Die Behörden spielen sich gegenseitig den Ball zu. Während in anderen Bundesländern, wie Salzburg, Therapien finanziell unterstützt werden, schaut man in der Steiermark durch die Finger“, kritisiert sie.
Förderungen von Land oder ÖGK habe es keine gegeben. Ohne private Spenden und Benefizveranstaltungen wären die Therapien nicht möglich gewesen. „Aber das war es wert, Marcel kann gehen“, sagt sie.
Dass Fußball einmal eine besondere Rolle in seinem Leben spielen würde, war vielleicht auch familiär vorgezeichnet. Onkel Thomas Zündel spielte als Profi unter anderem für den GAK und den WAC und ist heute Trainer des TUS MTD St. Veit am Vogau. Auch Marcel spielte in einem Verein. „Irgendwann war das aber nicht mehr möglich, weil ich mit den anderen nicht mithalten konnte“, erzählt er.
„Vor allem geht es um den Spaß“
Dann entdeckte Marcel den Fußballpark in Gleisdorf – und mit ihm den Fußballgolf. Über das Internet war die Familie auf die neue Anlage gestoßen. Beim ersten Durchgang am Bambini-Park waren auch die Großeltern dabei. Marcel war sofort begeistert. „Es war wirklich cool. Es ist ein Sport, den ich auch mit meiner Beeinträchtigung mit anderen gemeinsam ausüben kann. Natürlich geht es auch darum, dass man trifft, aber vor allem um den Spaß“, sagt er.
Genau das macht für die Betreiber des Fußballparks, Daniela Baumann und Edi Glieder, den besonderen Wert der Anlage aus. „Dadurch haben wir auch erkannt, was wir hier eigentlich geschaffen haben. Es ist ein Ort, wo Teilhabe möglich ist. Fußballgolf kann jeder spielen. Egal woher man kommt, wie alt man ist, mit oder ohne Beeinträchtigung am Platz sind alle gleich“, sagt Baumann.
Was ist Fußballgolf?
Fußballgolf (oder Soccer-Golf/Foot-Golf) ist eine Freizeitsportart, die Elemente aus Fußball und Golf kombiniert: Ein Fußball wird mit dem Fuß anstelle eines Schlägers, möglichst mit wenigen Schüssen, durch Hindernisse in ein großes Loch am Ende einer Bahn gespielt. Es wird auf 18 Bahnen gespielt, ähnlich dem Minigolf, und ist für fast jedes Alter und alle Fitnesslevel geeignet.
Der Fußballpark in Gleisdorf ist der erste und einzige in der Steiermark. Er bietet 54 Bahnen mit drei Parcours (Bambinipark, Funpark und Premiumpark).
Am 25. Oktober finden in Gleisdorf die ersten steirischen offenen Meisterschaften im Fußballgolf statt, Beginn ist 10 Uhr. Infos auf: www.fussballpark-gleisdorf.at
Doch auch beim Fußballpark stieß man bei der Finanzierung auf Hürden. „Wir haben versucht, verschiedene Förderungen anzuzapfen. Wir sind aber nur von Bund und Land hin- und hergeschoben worden und das, obwohl der Fußballpark ein innovatives und einzigartiges Projekt in der Steiermark ist“, sagt Glieder. „Und obwohl wir in der öffentlichen Diskussion hören, wie wichtig Bewegung, Begegnung, Inklusion und generationsübergreifende Angebote seien“, ergänzt Baumann.
Teilhaben, ohne Barrieren
In der kommenden Saison soll deshalb verstärkt mit Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen und Seniorentagesstätten zusammengearbeitet werden. Der Fußballpark soll ein Ort werden, „wo jeder teilhaben kann, ohne Barrieren“, sagt Baumann. Erste Einrichtungen aus der Region wurden bereits angeschrieben.
Marcel und seine Mutter werden jedenfalls wiederkommen. „Andere gehen ins Gym, wir gehen hier her“, sagt Marcel. Sein Weg zeigt, dass Grenzen nicht immer dort liegen, wo sie andere vermuten.
Und er hat auch einen klaren Wunsch an jene, die über Förderungen entscheiden: „Ich würde mir wünschen, dass Politik und Behörden nicht über uns, sondern mit uns reden und dass die Entscheidung, ob man eine Förderung bekommt oder nicht, keine Postleitzahlen-Lotterie ist und davon abhängt, wo man wohnt.“