Neue Regeln, mehr Geld und große Visionen
Neue Startreihenfolge, erhöhtes Preisgeld, längere Verwarnung – auf die Skispringer und Kombinierer warten im kommenden Winter neue Herausforderungen.
Die erfreuliche Nachricht vorweg: Der Tiroler Clemens Aigner flog in Klingenthal wie bereits in den vorangegangenen fünf Wettkämpfen auch im sechsten und letzten Bewerb des Kontinentalcups der Konkurrenz auf und davon und holte sich damit überlegen den Gesamtsieg in der Sommerwertung. Die Belohnung: Der 33-jährige Schanzenroutinier sicherte dem ÖSV-Team damit einen zusätzlichen Quotenplatz im Weltcup, den er nach derzeitigem Stand auch selbst in Anspruch nehmen wird.
Los geht es mit der alljährlichen Jagd nach den größten Weiten am 20. November in Lillehammer, wo sich sowohl Männer als auch Frauen vom Zitterbalken in die neue Saison abstoßen werden. Und die serviert gegenüber dem Vorjahr einige Neuerungen. Allen voran steht eine neue Startreihenfolge, die beim Sommer-Grand-Prix-Finale in Klingenthal getestet und dann in Lillehammer erstmals angewendet werden soll. Demnach entscheidet künftig das Ergebnis der Qualifikation über die Startreihenfolge des ersten Durchgangs im Weltcupbewerb. Das heißt: Der Qualifikationssieger startet als letzter Springer des ersten Durchgangs mit Startnummer 1 – bisher wurde dafür stets der Stand im Gesamtweltcup herangezogen. Findet an einem Weltcuport mit zwei Einzelspringen nur eine Qualifikation statt, sind sonntags automatisch die besten 50 Athleten des Samstags startberechtigt. Das bedeutet zugleich: Wer am Freitag in der Qualifikation scheitert, ist das gesamte Wochenende zum Zuschauen verdammt.
Was gibt es sonst noch Neues für 2026/27? Die Frauen werden parallel zu den Männern erstmals ihre eigene Vierschanzentournee springen, zudem hat die FIS die Anzahl der Teilnehmerinnen bei den zwei Skiflug-Bewerben in Vikersund (30 Springerinnen) und Planica (20) erhöht . So wie auch das Preisgeld: Künftig werden pro Frauen-Einzelspringen 35.200 Euro ausgeschüttet. Zum Vergleich: Die Männer springen pro Bewerb um insgesamt 100.250 Euro, also um fast das Dreifache. Auch bei den Team- und Super-Team-Wettbewerben wird das Preisgeld angehoben. Dort steigt der Gesamtbetrag auf 30.000 Euro. Ebenfalls fixiert: Kassiert ein Athlet aufgrund eines Verstoßes im Materialbereich die Gelbe Karte, behält diese gleich für zwölf Monate (also auch saisonübergreifend) ihre Gültigkeit.
Damit noch ein Sprung zu den Nordischen Kombinierern. Nach dem Verlust des Olympia-Statuses hat die FIS bei ihrer Herbsttagung der Sportart die volle Unterstützung ausgesprochen. Nach der Forderung, an innovativen Wettkampfformaten zu arbeiten, um die Reichweite und Attraktivität der Kombination zu steigern, wurden nun neue Ideen vorgestellt, die bereits in diesem Winter erstmals getestet werden sollen. Die wichtigsten Punkte: Langlauf und Skispringen sollten idealerweise an einem einzigen Veranstaltungsort stattfinden, die Gesamtdauer hinsichtlich TV-Übertragungen soll rund 60 Minuten betragen (geplant sind unter anderem „Heats“ mit einem eigenen Finale). Die Regeln sollen einfacher, die Gesamtkosten (inklusive Ausrüstung) erschwinglicher werden.
Für die Männer startet der Weltcup am 26. November in Ruka, die Frauen (deren Preisgeld wird um zehn Prozent gesteigert) beginnen am 3. Dezember in Trondheim. Anfang Februar machen die Kombinierer in Übersee in Lake Placid Station – dort wird es auch eine Testveranstaltung der neuen Velocity Ski League (VSL) zur Erprobung eines neuen Wettkampfkonzepts, das eine kompakte und attraktive Veranstaltung schaffen soll, geben. So steht die VSL für die erste professionelle, geschlechterübergreifende Liga, bei der Frauen und Männer gemeinsam im selben Team und auf derselben Strecke antreten.