Man kann Merz viel vorwerfen, aber mit seinem Kiew-Besuch beweist er Mut
Russland fliegt täglich tödliche Angriffe gegen die ukrainische Hauptstadt. Der deutsche Kanzler ist dennoch nach Kiew gefahren, um zu zeigen, wie wichtig ihm die Sache ist.

Als Friedrich Merz sein Besuchsprogramm absolvierte, schlug eine der neuen Jet-Drohnen, mit denen Russland der ukrainischen Flugabwehr derzeit massive Probleme bereitet, mit einem großen Feuerball in die Piwnitschnyj Mist ein. Die Brücke über den Dnipro gehört zu den wichtigsten Verkehrsachsen Kiews. Sie ist nur vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, wo sich der deutsche Kanzler zum Zeitpunkt des Angriffs aufhielt.
Man kann über Friedrich Merz viel Unvorteilhaftes sagen: zu sehr von sich eingenommen, im politischen Handwerk schwach, keine Ideen für die wirklich großen Probleme, die Deutschland bedrängen. Doch dass der Kanzler zu einer Zeit in Kiew auftaucht, in der Russland jeden Tag tödliche Angriffe auf die Stadt fliegt, ist mutig. Umso mehr, nachdem der Kreml nur kurz davor deutlich gemacht hat, dass er auf die Anwesenheit ausländischer Politiker keine Rücksicht mehr nehmen will.
Merz macht damit etwas, was man in der Politik häufig schmerzlich vermisst. Für eine Sache, die ihm wichtig ist, riskiert der Kanzler auch persönlich etwas – im Fall des überraschenden Kiew-Besuchs sogar die eigene Gesundheit. Das ist ein deutliches Zeichen nicht nur in Richtung Kiew und der internationalen Partner, sondern vor allem auch in Richtung der AfD, die die Ukraine am liebsten an Russland ausliefern würde. Zumindest bei der Ukraine wird Merz trotz der jüngsten Rechtsaußen-Wahlerfolge Kurs halten.