ÖVP-Funktionär sorgt auf dem Oktoberfest für Rassismus-Eklat
Ein Video auf Social Media sorgt derzeit für Aufregung, in dem ein Tiroler Gemüsebauer einen deutschen Influencer auf dem Münchner Oktoberfest mehrfach rassistisch beleidigt. Dem Landwirt könnten berufliche Konsequenzen drohen.

Für viel Aufregung sorgt derzeit das Video des Münchner Content-Creators c.adaamm von einem Wiesn-Besuch in München. Darin wird der junge Mann mit dunkler Hautfarbe von einem anderen Wiesenbesucher mehrfach rassistisch beleidigt. Sätze wie „du bist hier nicht zu Hause“ oder Aussagen, dass Deutsche „weiß“ auszusehen hätten, fallen. Wiederholt implizierte der sichtlich angetrunkene Mann, der Content-Creator sei ein Flüchtling, und empfahl dem jungen Mann, dorthin „nach Hause zu gehen“. Bei dem Wiesenbesucher handelt es sich um einen Gemüsebauer und ÖVP-Funktionär aus Tirol. Der junge Mann geht auf die Provokationen nicht ein, filmte jedoch die ganze Zeit mit. Das Video löste nicht nur im Netz heftige Kritik aus.
Zwischenzeitlich hat sich der Gemüsebauer, der in der Tiroler Kommunalpolitik für die ÖVP tätig ist, in einem Instagram-Video entschuldigt und seine Aussagen auf seine Alkoholisierung geschoben: Sie seien „Dummheit“ und „inakzeptabel“. Er arbeite als Gemüsebauer viel mit Menschen aus anderen Ländern zusammen. Daher entsprächen seine Aussagen nicht seinen Werten. Das Video war jedoch nur kurzzeitig online, es wurde ebenso wie der Account inzwischen gelöscht.
Diskonter Hofer droht mit Konsequenzen
Dem Mann könnten nun aber berufliche Konsequenzen drohen, denn er beliefert wohl auch den Diskonter AldiSüd/Hofer. Und der hat inzwischen ebenfalls in einem Kommentar reagiert. „Wir prüfen aktuell die weiteren Schritte in der Zusammenarbeit und setzen uns damit intensiv auseinander. Klar ist für uns jedoch schon jetzt: Eine Zusammenarbeit in dieser Form und vor dem Hintergrund solcher Aussagen entspricht nicht unseren Vorstellungen und ist für uns nicht akzeptabel“, heißt es auf Instagram.

Tiroler Gemüsebauern distanzieren sich
Auch der Verein „Tiroler Gemüsebauern“ distanzierte sich von dem Tiroler Landwirt. Wie der „ORF“ berichtet, habe der Verein mit dem betroffenen Bauern bereits das Gespräch gesucht, und ihm klar gemacht, dass Rassismus in ihrem Verein keinen Platz habe.
Auch aus der Politik gibt es inzwischen zahlreiche Reaktionen. Die ÖVP-Bezirksparteiobfrau Cornelia Hagele schrieb laut ORF in einer Aussendung, die Aussagen seien klar zu verurteilen und die Tiroler ÖVP distanziere sich in aller Deutlichkeit davon. Man müsse gemeinsam gegen Rassismus und Spaltung auftreten. Die öffentliche Entschuldigung des ÖVP-Mitglieds sei zwar ein Anfang, so Hagele, mache es aber nicht ungeschehen.
Auch die SPÖ äußerte sich dazu. SPÖ-Klubobfrau Elisabeth Fleischanderl postete auf Instagram: „Rassismus ist keine Meinung. Punkt. In Tirol wie in München.“ Rassismus und Menschenfeindlichkeit dürften nicht ohne Konsequenzen bleiben. Gebi Mair, Grünen-Klubobmann, forderte mehr Respekt, schließlich sei gerade die Landwirtschaft auf ausländische Mitarbeiter angewiesen. „Es sind eben nicht nur billige Arbeitskräfte, sondern es sind Menschen“, sagt Mair im ORF. Die Tiroler Neos forderten von der ÖVP nicht nur eine Distanzierung, sondern Konsequenzen für das ÖVP-Mitglied.