Der überraschende Aufstieg des Andreas Babler
Sein Weg führte ihn vom Bürgermeisteramt in Traiskirchen ins Kanzleramt. Doch im Parteiestablishment der SPÖ stets auf Distanz. Aber Babler trotzt bereits dem dritten Gegenkandidaten.

Andreas Babler schaffte es lange nicht aus der Kommunalebene heraus, bevor er sich 2023 als überraschender Dritter im Machtkampf zwischen Amtsinhaberin Pamela Rendi-Wagner und dem burgenländischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil den SPÖ-Vorsitz sichern konnte.
Eine Chronologie seines Aufstiegs und Strauchelns:
Jänner 2023: Babler, Bürgermeister in Traiskirchen, schafft bei der niederösterreichischen Landtagswahl mehr als 21.000 Vorzugsstimmen. Seine politischen Ambitionen werden von der Landes-SPÖ aber nur mit einem Platz im Bundesrat und in einer Reformkommission belohnt.
23. März 2023: Wenige Tage nach Doskozil gibt Babler seine Kandidatur für die SPÖ-Spitze im Bund bekannt. Er ist eine von 73 Personen, die sich für die auf Wunsch Doskozils eingeleitete Mitgliederbefragung um den Parteivorsitz bewerben.
11. April 2023: Nur Rendi-Wagner, Doskozil und Babler sind im Rennen um den Vorsitz übrig. Mit mehr als 2.000 hat Babler bei weitem die meisten Unterstützungserklärungen erhalten. Babler sieht sich als „der Typ, der Menschen liebt“ und versammelt Unterstützer hinter sich, darunter als „Wissenschafter und Privatperson“ einen gewissen Markus Marterbauer.
22. Mai 2023: In der Mitgliederbefragung gewinnt Doskozil mit 33,7 Prozent Stimmanteil knapp vor Babler (31,5 Prozent) und Rendi-Wagner (31,4 Prozent). Eine Stichwahl unter den Mitgliedern bekommt keinen Segen des Parteivorstands. Daher muss ein Parteitag zwischen den beiden entscheiden.
3. Juni 2023: In Linz kommt es zu jenem denkwürdigen Parteitag, bei dem aufgrund eines Auszählungsfehlers zunächst Doskozil zum Sieger erklärt wird. Wenig später ist klar, dass Stimmen vertauscht worden waren. Nicht Doskozil, sondern Babler hatte 52,7 Prozent der Stimmen auf sich versammeln können. Der Burgenländer akzeptiert seine Niederlage und erklärt das Kapitel Bundespolitik für sich als abgeschlossen.
6. Juni 2023: Die Wahl ist nach einer Nachzählung endlich bestätigt, Babler nimmt sie an.
Sommer und Herbst 2023: Trotz Skepsis der Wiener Landespartei will Babler künftig die Direktwahl des Parteivorsitzes. Er setzt auf Themen wie Erbschaftssteuer und Teuerungsstopp, geht auf Tour durch die Landesorganisationen und muss sich internen Anfeindungen und Auszügen von Länderrepräsentanten aus Bundesgremien stellen. Doskozil schießt aus dem Burgenland weiter quer. Die SPÖ ist von den letzten Umfragebestwerten (um 30 Prozent im Sommer 2022) weiterhin weit entfernt. Knapp über 25 Prozent ist das Höchste der Gefühle der Ära Babler im November 2023.
September 2023: In einem internen SPÖ-Strategiepapier taucht der nunmehrige Babler-Herausforderer Gerhard Zeiler als präsumptiver Finanzminister auf.
11. November 2023: Babler wird beim SPÖ-Parteitag in Graz mit 88,76 Prozent der Delegiertenstimmen als Vorsitzender wiedergewählt. Auch eine Organisationsreform bringt er durch, die eine verbindliche Mitgliederbefragung ermöglicht, wenn sich mehr als ein Kandidat für den Parteivorsitz findet. Nur ein großer Teil der Wiener Delegierten unterstützt die Initiative nicht.
10. Juni 2024: Bei der EU-Wahl bleibt der Babler-Effekt aus, die SPÖ verliert 0,7 Punkte auf 23,2 Prozent Stimmanteil. Bablers Kommentar: „Wir sind stabilisiert.“
Sommer 2024: Die SPÖ streitet intern über das Wahlprogramm für die Nationalratswahl. Letztlich schafft Babler ein breites Okay des Vorstands mit nur einer Gegenstimme. Enthalten ist u.a. die Forderung nach einer Kindergrundsicherung.
29. September 2024: Auch die Nationalratswahl bringt für die SPÖ eine Enttäuschung, die proklamierte Aufholjagd versandet. Mit 21,1 Prozent bleibt die SPÖ auf den Zehntelprozentanteil beim Ergebnis von 2019 und klar hinter Wahlsieger FPÖ, aber auch der ÖVP. Die SPÖ erklärt sich nach Beratungen in den Gremien zum Regieren bereit, nur Doskozil ist dagegen.
Oktober 2024: Während Babler mit anderen Parteichefs sondiert, gibt PR-Berater Rudolf Fußi seine Ambitionen auf den Parteivorsitz bekannt. Babler wird Klubchef im Nationalrat und geht als Bürgermeister von Traiskirchen.
November 2024 bis Ende Februar 2025: ÖVP, SPÖ und NEOS starten Koalitionsverhandlungen. Nach deren Platzen Anfang Jänner (die ÖVP gibt der SPÖ dafür die Schuld, es gibt Stimmen für eine Koalition ohne Babler) und den Gesprächen zwischen FPÖ und ÖVP klappt die Koalition im zweiten Anlauf. Man einigt sich beim Budget. Babler wird Vizekanzler und verantwortet Wohnbau, Medien, Kultur und Sport. AK-Ökonom Markus Marterbauer wird Finanzminister.
Jänner 2025: Rudolf Fußi gesteht ein, die rund 14.000 nötigen Unterschriften von SPÖ-Mitgliedern für die Abhaltung einer Direktwahl des Parteivorsitzes nicht erreicht zu haben und zieht seine Ambitionen zur Babler-Ablöse zurück.
3. März 2025: Die Dreierkoalition wird angelobt. ÖVP, SPÖ und NEOS zeigen sich geeint im Bekenntnis zur Budgetkonsolidierung.
September 2025: Im APA-OGM-Vertrauensindex nimmt Babler den letzten Platz unter den roten Bundespolitikern ein. Vom SPÖ-Vorstand wird er erneut als Kandidat für den Parteivorsitz nominiert.
Oktober 2025: Nach Ablauf der Vier-Wochen-Frist gibt es keine Gegenkandidaten.
November 2025: Babler nimmt sich die im Regierungsprogramm vereinbarte Reform der Medienförderung vor und macht sich damit den (Gratis-)Boulevard zum Feind.
Dezember 2025: Ablösegerüchte machen die Runde. Immer öfter ist davon die Rede, dass Vorvorgänger Christian Kern zur Ablöse Bablers in den Startlöchern scharrt. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig stellt sich hinter Babler.
Jänner 2026: Babler kündigt eine Mehrwertsteuersenkung für Grundnahrungsmittel an.
11. Februar 2026: Der von einigen Bundesländern zur Kandidatur angestachelte Kern gibt bekannt, beim Parteitag doch nicht gegen Babler antreten zu wollen. Er sieht den nötigen Konsens nicht gegeben, außerdem seien vertrauliche Gesprächsinhalte sofort an Medien geleakt worden. Babler verspricht in der Folge die Konzentration auf Inhaltliches.
7. März 2026: Am Bundesparteitag in der Wiener Messe stimmten trotz allgemeinen Appellen zur Geschlossenheit nur 81,51 Prozent der Delegierten für Babler.
Sommer 2026: Der Boulevard schießt weiter scharf gegen Babler. Doskozil sieht angesichts schlechter Umfragedaten Feuer am Dach und fordert Konsequenzen. Auch in den Bundesländern verstummen die kritischen Stimmen nicht. Der rote Bezirksvorsteher von Wien-Donaustadt, Ernst Nevrivy, hadert in einer heimlich gemachten Aufnahme damit, „dass ein Vorsitzender nicht so gescheit ist wie ich. Das ist deprimierend“. Parteigranden ergehen sich in Plädoyers, die Diskussion nicht öffentlich zu führen.
September 2026: Ein mögliches Antreten des 71-jährigen Medienmanagers und Ex-SPÖ-Pressesprechers Gerhard Zeiler macht nicht zum ersten Mal die Runde. Öffentlich wird bei einer Präsidiumsklausur die Personalfrage beiseitegeschoben. Wenig später lässt ein kurzfristig einberufenes Treffen der SPÖ-Regierungsmannschaft den Boulevard über eine unmittelbar bevorstehende Babler-Ablöse spekulieren.
25. September 2026: Es ist soweit, Zeiler gibt via „Kronen Zeitung“ seine Ambitionen auf den Parteivorsitz bekannt - um sich umgehend wieder ins Ausland zu verabschieden. Die Partei verfällt in Schockstarre, Unterstützungsbekundungen gibt es nur von einigen wenigen pensionierten Parteikadern. Babler denkt nicht an einen Rücktritt. Sein Umfeld stellt auch in Abrede, dass eine Wahl Zeilers ohne Einbindung der Basis auf einem Parteitag möglich wäre.
28. September 2026: Die Landesparteien machen Druck und wollen sich koordinieren. Vor allem Kärnten und Steiermark preschen hier vor und fordern eine Entscheidung.
29. September 2026: Bei der Premiere des Films „Der junge Kreisky“ treffen Babler und Zeiler aufeinander. Es kommt zum Handshake.
30. September 2026: Babler kommt den Ländern zuvor und lädt für Sonntag (4. Oktober) zum Treffen nach Wien. Auch Doskozil - ein Kritiker auch von Zeiler, den für „den nächsten linken Kandidaten“ hält - will kommen,