Die neuen Trends: Wenn Einkaufszentren zu Freizeitparks werden
Shopping-Center müssen mehr sein als Plätze zum Einkaufen. Beispiel King Cross in Zagreb: Innovative Gastronomie, Fitness und 20.000 Pflanzen. Bei der Spar-Tochter SES laufen Ausbauprojekte im In- und Ausland.

Die für die Shopping-Center der Spar Österreich-Gruppe zuständige SES ist im laufenden Jahr auf Erfolgskurs unterwegs. Von Jänner bis Ende August 2026 „liegen wir überall über dem Vorjahr“, sagt Christoph Andexlinger, Geschäftsführer (CEO) der Spar-Österreich-Tochter. Im Gesamtjahr 2025 erzielte die SES Spar European Shopping-Centers mit rund 1.900 Shop-Partnern einen Bruttoverkaufsumsatz von 3,61 Milliarden Euro. Das war ein Plus zum Jahr davor von 2,2 Prozent.
Das Unternehmen mit Sitz in Salzburg betreibt aktuell 32 Shopping-Standorte mit 871.000 Quadratmetern verpachtbarer Fläche. Die Entwicklerin, Errichterin und Betreiberin von Shopping-Centern ist in ihrem Segment Marktführerin in Österreich mit 18 und in Slowenien mit sechs Standorten und weiters auch in Italien, Ungarn, der Tschechischen Republik sowie in Kroatien vertreten. 2025 besuchten 116 Millionen Menschen die Standorte mit rund 1.900 Shop-Partnern.
Grund für die Steigerungen ist nicht nur die Entwicklung in den eingemieteten Shops, sondern zu einem guten Teil ein verbessertes Gesamtangebot. „Die Gastronomie hat sich immer mehr zum Treiber entwickelt“, berichtet SES-Chef Andexlinger. Für immer mehr Menschen sei das Gesamterlebnis in einem Shopping-Center wichtiger geworden als der reine Einkauf selbst. Ein Paradebeispiel ist für ihn die gerade erfolgte Neugestaltung des King-Cross-Centers in Zagreb.
„Die Leute sind gekommen, um die Baustelle anzuschauen“
King Cross war 2002 als erste Shopping-Mall in Kroatien gegründet worden. Die SES erwarb 2009 eine Beteiligung, 2018 erfolgte die Gesamtübernahme. Seit 2024 wurde das Center etappenweise neu gestaltet und modernisiert. Per Ende September ist die Umgestaltung („Refurbishment“) weitgehend abgeschlossen. Die SES hat mehr als 40 Millionen Euro investiert - auch um veränderten Kundenwünschen Rechnung zu tragen. Heute sei King Cross im Stadtteil Jankomir eine moderne Shopping- und Freizeitdestination, sagt Andexlinger. „Es ist nicht die größte, aber die modernste Shopping-Mall Kroatiens.“
Die vermietbare Gesamtfläche wurde um rund 10 Prozent auf 38.500 Quadratmeter vergrößert, vor allem durch eine deutliche Ausweitung der Gastronomie, neue Kinderspielbereiche und ein Fitnesscenter. Während der fast zwei Jahre dauernden Umbauphase blieb das Zentrum geöffnet. Dank der drei Besuchermagneten – dem Sporthändler Decathlon, Interspar und dem Möbelhaus Harvey Norman – sei der Rückgang der Kundenfrequenz mit maximal 15 Prozent geringer ausgefallen als erwartet, sagt Andexlinger. „Die Leute sind gekommen, um die Baustelle anzuschauen.“
Roboterzug liefert Sushi an den Tisch
In der Neugestaltung verfügt das vormals klassische Shopping-Center nunmehr über ein umfangreiches Gastro-Angebot („King‘s Garden“) aus sieben Anbietern, das auch von außen zugänglich ist. Hier gibt es das modernste Running-Sushi außerhalb Japans. Bestellt wird elektronisch am Tisch, dann liefert ein Roboterzug die Speisen in einer hygienischen, geschlossenen Box.
Dazu kommen eine neue Indoor-Kindererlebniswelt, Außenspielplätze, ein Fitnessstudio sowie ein zentraler Marktplatz im Innenbereich. Die Energieversorgung wurde nachhaltig auf Wärmepumpen umgestellt, 32 E-Ladepunkte machen den Standort zum größten Aufladeplatz für E-Autos in Kroatien, dazu kommen fünf Stellplätze für Carsharing. 2027 ist die Anbindung an das „Greenway“-Radwegnetz geplant, das Zagreb mit Ljubljana verbindet. 20.000 Quadratmeter Grünflächen wurden mit 10.000 mehrjährigen Stauden bepflanzt.
2027 Erweiterungen auch in Salzburg und Innsbruck
Auch an anderen Standorten investiert die SES kräftig. Im ersten Halbjahr 2027 soll bei der kroatischen Stadt Varazdin der S-Park mit 14 Shops auf dem Gelände einer alten Textilfabrik eröffnen. Im Frühling 2027 soll in Innsbruck der Sillpark fertig sein, der erste Gesundheitspark Österreichs in einer Shopping Mall. In Salzburg wächst der Europark bis Herbst 2027 um 6.000 Quadratmeter und in der Seestadt Wien-Aspern wird die erste gemanagte Einkaufsstraße Österreichs weiter ausgebaut. Bis 2028 steht auch die Modernisierung und Erweiterung der Shopping Mall Il Grifone im italienischen Bassano del Grappa auf dem Plan.
Trotz merklich gestiegener Inflation sei die Kaufkraft in Kroatien zuletzt gestiegen, sagt Gerhard Schlattl, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Zagreb. Ein guter Teil der Teuerung sei auf den Angriffskrieg auf die Ukraine zurückzuführen, sagt er. Rund 800 österreichische Unternehmen aus allen Branchen sind in Kroatien vertreten, darunter auch Namen wie Wienerberger, Strabag, Lenzing oder der Flugzeugzulieferer FACC. Betriebe aus Österreich beschäftigen 35.000 bis 40.000 Mitarbeiter in Kroatien, zu den größten Arbeitgebern zählt die Spar-Österreich-Gruppe.
Österreichische Firmen wirken an Robo-Taxis mit
Österreichische Unternehmen seien in allen Sparten der Wirtschaft aktiv, sagt Schlattl. Ein gutes Dutzend heimischer Firmen beteiligt sich auch an der Entwicklung autonom fahrender Autos. Zagreb zählt wie London zu den ersten Städten, in denen fahrerlose Taxis im Einsatz sind.
Zur Frage der Sonntagsöffnung würde sich Andexlinger „eine freie offene Diskussion“ wünschen. Bereits wiederholt hat er sich für eine geringe Anzahl geöffneter Sonntage in Österreich ausgesprochen.
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