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Bildungsdirektion Kärnten: „Das ist absolut durchschaubar, was hier passiert“

Kritik an Besetzung der Bildungsdirektion reißt nicht ab. Steirische Schulqualitätsmanagerin spricht von irritierenden Vorgängen und einer traurigen Situation für das Bildungssystem.

Birgit Schwarz war eine der Bewerberinnen
© Ballguide/Johannes Repelnig
Birgit Schwarz war eine der Bewerberinnen
Markus Sebestyen
Redakteur Bundesland Kärnten

„Ich muss es jetzt einfach einmal sagen, weil die Kolleginnen und Kollegen einfach sprachlos sind, wie das abgelaufen ist.“ Wenn die steirische Schulqualitätsmanagerin Birgit Schwarz das sagt, meint sie die Besetzung der Kärntner Bildungsdirektion. Sie war selbst Teil des Bewerbungsprozesses und hat seit Bekanntwerden der Entscheidung unzählige Nachrichten bekommen. Die Wahl ist wie berichtet auf Tanja Leitner, pädagogische Leiterin der Kärntner Volkshochschulen, gefallen. Ein Dreiervorschlag samt ihr und zwei weiteren Männern wurde von Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) nach Wien übermittelt. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) hat dann die offizielle Entscheidung getroffen.

Experteisen beiseite geschoben

Dass Schwarz es nach fast drei Jahrzehnten in allen Bereichen des heimischen Bildungssystems, als Schulinspektorin und als internationale Vertreterin des Bildungsministeriums nicht einmal in die „Endauswahl“ geschafft hat, sorgt auch über die Kärntner Grenzen hinaus für Verwunderung. „Es ist einfach traurig zu sehen, wenn so viel Expertise einfach zur Seite geschoben wird, weil die Politik von vornherein jemand anderes haben will“, sagt Schwarz, die in Techelsberg und Graz lebt. Das sei, freundlich gesagt, irritierend für all jene, die enorm viel Zeit in ihre Bewerbungen, aber auch schon in ihre beruflichen Karrieren investiert haben.

Frau gegenüber Männern bevorzugt

Sie selbst habe während ihrer Laufbahn schon einiges erlebt, die jüngste Vorgehensweise sei aber auch für Kenner des Systems auf einem neuen Level. „Es ist bedrückend für alle, denen das Bildungssystem am Herzen liegt. Die Behörde hätte sich jemanden verdient, der sich auch auskennt“, sagt Schwarz. Für sie ist auch der Ablauf „absolut durchschaubar“. Demnach habe man beim Dreiervorschlag bewusst zwei Männer und eine Frau genannt, weil gemäß Ausschreibung eine Frau gegenüber einem Mann den Vorzug erhalten muss. Etwas, das bei der Besetzung dieser Position schon einmal außer Acht gelassen wurde. „Alle, die sich auskennen, sagen, dass der Landeshauptmann entscheidet. In Kärnten kommt noch dazu, dass auch die Gewerkschaft sehr viel Macht hat“, bekommt Schwarz nicht erst seit ihrer Bewerbung immer wieder zu hören.

Volkshochschule „anderer Bereich“

Dass der Bildungsminister aufgrund ihrer Qualifikationen nicht an ihr vorbeigekommen wäre, hätte der Landeshauptmann sie vorgeschlagen, möchte Schwarz, die in ihrer Bewerbung rund 50 Zusatzqualifikationen und Ausbildungen angeführt hat, so nicht sagen. Auch nicht, dass die nunmehrige Bildungsdirektorin nicht qualifiziert sei. „Sie ist natürlich qualifiziert. Nur eben in der Erwachsenenbildung. Das ist ein ganz anderer Bereich“, sagt Schwarz.

Daniel Fellner hat auf Basis eines 94 Seiten umfassenden Gutachtens entschieden.

— Claudia Grabner, Sprecherin von Daniel Fellner

Dass Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) nicht auf Basis von Namen, sondern auf einem 94 Seiten umfassenden Gutachten entschieden habe, betont dessen Sprecherin Claudia Grabner. „In diesem Gutachten wurden die Bewerbungen in mehreren Kategorien nach verschiedensten Kompetenzen gewertet. Und auf Basis dieser Wertungen hat Daniel Fellner entschieden. Die Namen der Bewerberin und der Bewerber wurden erst hinterher offengelegt“, sagt Grabner und betont: „Weder parteipolitische noch sonstige Zuschreibungen hätte eine Rolle gespielt.“ Auch Lehrergewerschafter Stefan Sandrieser bestreitet eine Involvierung im Verfahren. „Ich war nie Teil der Entscheidung, hätte auch in keiner Form Einfluss nehmen können. Offenbar fallen den Leuten eben solche Dinge ein, wenn sie nicht zum Zug kommen.“