Ferrari in der Krise: Abschiedsgerüchte, Motorprobleme und die oberste Etage
Vor dem Großen Preis von Bahrain in Malaysia macht Ferrari einmal mehr Schlagzeilen. Der Grund dafür ist aber nicht der sportliche Erfolg – ganz im Gegenteil.
Beste Erinnerungen hat Lewis Hamilton an den letzten Besuch im malaysischen Sepang. Vor neun Jahren fuhr der Brite hinter Youngster Max Verstappen auf Platz zwei, krönte sich am Ende der Saison zum vierten Mal zum Weltmeister. Von den dominanten Tagen in Silber ist der 41-Jährige bei Ferrari derzeit weit entfernt, die Euphorie des Frühsommers ist bei der Scuderia längst verflogen. Seit dem Großen Preis von Belgien im Juli warten die Italiener auf einen Podestplatz in einem Grand Prix, zuletzt in Aserbaidschan kamen Charles Leclerc und Hamilton nicht über die Plätze vier und sechs hinaus.
Trotz eines italienischen WM-Führenden namens Kimi Antonelli ließ die gewohnt kritische Presse in der Heimat kein gutes Haar an den Leistungen der Scuderia in den vergangenen Wochen. „Ich denke, im Hinblick auf die Meisterschaft war es ein ordentliches Wochenende“, erklärte Teamchef Frédéric Vasseur nach dem Rennen in Baku, was zeigt, dass die eigenen Erwartungen schon längst nicht mehr so hoch sind wie zu Saisonbeginn. Vom Weltmeistertitel hat man sich wohl verabschiedet, 103 Punkte fehlen dem strauchelnden Hamilton mittlerweile auf die Spitze. Und auch in der Konstrukteurs-WM geht es wohl nur noch darum, Platz zwei gegen Red Bull und McLaren abzusichern. Jene zwei Rennställe, die im Gegensatz zu Ferrari in den vergangenen Wochen einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht haben.
Seit Jahresbeginn fehlen den Mannen aus Maranello einige Pferde unter der Motorhaube. Die fehlende Leistung konnte Ferrari vor allem zu Saisonbeginn noch mit einem starken Chassis ausgleichen, genau das hat sich im Hinblick auf die Konkurrenz aber verändert. Das gab auch Teamchef Vasseur in Baku zu, der verriet, dass man den Rückstand in Sachen Antriebseinheit mittlerweile „nicht mehr ausgleichen“ könne. „Aber bis zum Saisonende müssen wir mit dem überleben, was wir haben.“ Nicht die besten Vorzeichen für das Wochenende in Malaysia, wo die Wetterprognose derzeit ein chaotisches Regenrennen prophezeit.
Vasseur in der Kritik
Chaotisch könnten auch die nächsten Monate in Maranello werden. Zwar bringt Ferrari in diesem Jahr noch einige kleine Updates, der Hauptfokus richtet sich wohl schon jetzt auf das kommende Jahr, um mit dem neuen Motor endlich um Siege fahren zu können. Kein Wunder also, dass bereits die ersten Gerüchte über eine Ablöse Vasseurs als Teamchef gestreut wurden. Superstar Hamilton stellte sich vor dem Rennen in Malaysia deshalb voll und ganz hinter seinen Chef. „Ich habe ihn wissen lassen, dass ich zu 100 Prozent hinter ihm stehe, und ohne ihn wäre ich nicht hier“, erklärte der Brite. Teamkollege Leclerc ergänzte: „Wir geben alle unser Bestes, und Fred erst recht, und wir alle pushen uns im Team ans Limit, und da finde ich es etwas respektlos, diese ganzen Gerüchte zu sehen.“
Was sich also ändern muss? Laut Hamilton sind die Probleme mit der Antriebseinheit bekannt und können nicht von heute auf morgen behoben werden. Vielmehr geht es dem siebenfachen Weltmeister in seinem zweiten Jahr bei Ferrari darum, Strukturen in der Etage über Teamchef Vasseur zu ändern. „Ich werde mit den Leuten an der Spitze sprechen, um Änderungen vorzunehmen.“ Ob ihm das gelingt, wird man aber wohl erst spätestens 2027 sehen.