In dieser Kärntner Tropfsteinhöhle jagten einst die Neandertaler
Die Griffener Tropfsteinhöhle wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zufällig entdeckt, als ein Arbeiter auf der Suche nach Luftschutzräumen darauf stieß.

Es ist einem furchtbaren Ereignis der Geschichte geschuldet, dass die Griffner Tropfsteinhöhle überhaupt entdeckt wurde.
„Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges war man auf der Suche nach geeigneten Luftschutzräumen auch im Griffner Berg. Ein Arbeiter hatte damals mit dem Krampen in den Fels geschlagen, der plötzlich nachgab. So stieß man auf die Höhle“, sagt Herta Dobrounig, Obfrau des Vereins Tropfsteinhöhle Griffen, der sich für die Belange dieses einmaligen Naturdenkmals und den Schlossberg einsetzt. Was sich den Soldaten und bald danach den Erkundern der Höhle offenbarte, reicht bis in die Altsteinzeit zurück.

Das Paläolithikum gilt als der älteste und längste Abschnitt der Menschheitsgeschichte. Es begann vor etwa 2,5 Millionen Jahren und endete um 10.000 vor Christus. In der Höhle fanden Forscher schließlich nicht nur eines der ältesten Siedlungsgebiete Kärntens, sondern auch zahlreiche Hinweise auf die damalige Fauna. Steinwerkzeuge belegen die einstige Existenz steinzeitlicher Jäger, Knochen von Höhlenbär, Riesenhirsch und Wollnashorn zeugen von einer faszinierenden, längst ausgestorbenen Tierwelt.
„Unter den dem kalten Klima der Eiszeit angepassten Tieren ließ sich zum einen der Höhlenbär isolieren. Seine Knochen gelangten aber nicht, wie immer wieder angenommen wurde, als Gabelbissen der Neandertaler in die Höhle. Sie diente ihm vielmehr als Unterschlupf zur Winterruhe, während alte und geschwächte Tiere sowie Jungtiere regelmäßig verendet sind“, berichten die Archäologen Paul Gleirscher und Martina Pacher in der Publikation „Schlossberg Griffen“. Zu den Jagdtieren der Neandertaler zählten Bison, Biber und Elch, wie Schnittspuren vom Zerlegen der Tiere auf ihren Knochen belegen.
20 bis 30 Millionen Jahren
Besonders eindrucksvoll ist die Geologie der Tropfsteinhöhle, die als bunteste Schauhöhle Österreichs gilt. Der Grundstein der Höhle selbst wurde vor 20 bis 30 Millionen Jahren durch Verkarstung gelegt. Durch sickerndes Wasser entstanden nicht nur verschiedene Gesteinsformen wie die vom Boden in die Höhe wachsenden Stalagmiten und die von der Decke fallenden Stalaktiten, sondern diverse Sinterböden und Sedimentschichten, die – je nach Zusammensetzung – in den tollsten Farben erstrahlen.
Die Länge der Höhle umfasst 485 Meter. Sie ist somit deutlich kleiner als die Obirtropfsteinhöhle bei Bad Eisenkappel/Železna kapla, überzeugt jedoch durch die farbenprächtigen Tropfsteinformationen. Die Temperatur im Inneren beträgt durchschnittlich acht Grad. Und auch heute noch ist die Höhle von Leben erfüllt. „Sie dient von November bis März als Winterquartier für Fledermäuse wie die Große Hufeisennase. Jedes Jahr im Jänner wird der Bestand von Klaus Krainer von der Arge Naturschutz erhoben“, erzählt Dobrounig.
Seit 1956 ist die Höhle für Besucher geöffnet. Dieses 70-Jahr-Jubiläum ist für den Verein Anlass, am Samstag, dem 3. Oktober, einen Tag der offenen Tür zu veranstalten. „Wir bieten von 10 bis 15 Uhr stündlich eine Führung an, wobei der Eintritt für die Bevölkerung des Bezirkes Völkermarkt frei ist“, sagt Dobrounig. Mit Ende September endet offiziell der Betrieb dieses beliebten Ausflugszieles in Unterkärnten, das jährlich rund 10.000 Gäste anlockt. Führungen sind aber noch im Oktober gegen Voranmeldung unter Telefon 042 33 2029 möglich.