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Oststeirerin: „Die Mama sieht mich als ihre Mama an“

Zum europäischen Tag der pflegenden Angehörigen erzählen zwei Oststeirerinnen von den Herausforderungen, mit denen sie täglich konfrontiert sind bei der Pflege ihres Mannes bzw. ihrer Eltern.

Pflegende Angehörige stehen oft vor großen Herausforderungen (Sujetbild)
© dpa / Tom Weller
Pflegende Angehörige stehen oft vor großen Herausforderungen (Sujetbild)
Nicole Stranzl
Regionalredaktion Weiz

„Es ist eine unglaubliche psychische Belastung. Man muss rund um die Uhr aufnahmefähig und da sein“, erzählt Roswitha Schaller (Name redaktionell geändert). Seit mehreren Jahren pflegt die Oststeirerin ihre Eltern. Vor acht Jahren wurde bei ihrer 83-jährigen Mutter Demenz mit Parkinson diagnostiziert. Ihr Vater ist 89 Jahre alt, sehbehindert und braucht ebenfalls Hilfe im Alltag.

„Man muss sich aus dem alten Leben mit den Menschen verabschieden“, sagt Schaller. „Die Mama sieht mich als ihre Mama an.“ Bei einem Krankenhausaufenthalt wunderte sich ein Arzt, wie eine 80-Jährige noch eine Mutter haben kann.

Tägliche Herausforderungen

An vielen Tagen erkennt die demente Frau ihre eigene Tochter oder ihren Mann nicht. Manchmal spricht sie von ihrem Mann, mit dem sie 63 Jahre verheiratet ist, als Bub, erzählt Schaller. „Papa kann mit dem nicht umgehen.“

Der Alltag ist sehr herausfordernd. An manchen Tagen kann Schallers Mutter nicht essen. „Sie verwechselt Löffel und Gabel. Messer geben wir ihr schon lang keines mehr“, sagt Schaller, die mit ihren Eltern und ihren Kindern in einem Drei-Generationen-Haushalt lebt. Ihrer Arbeit kann die Oststeirerin zu Hause nachgehen. Es wäre unmöglich, die Eltern allein zu lassen.

Die Hauskrankenpflege unterstützt, sechsmal pro Woche besucht sie die Familie. Einmal wöchentlich kommt ein Besuchsdienst für fünf Stunden am Stück zu Schallers Mutter. „In der Zeit kann ich in Ruhe arbeiten, ohne abgelenkt zu sein.“

Ich will nicht jammern.

— Roswitha Schaller (Name redaktionell geändert), pflegt ihre Eltern

Für die Unterstützung ist sie dankbar, dennoch ist es ein Vollzeitjob. „Ich will nicht jammern“, stellt sie klar. „Man lebt damit. Man plant das Leben rund um die Eltern. Man plant nicht mehr sein eigenes Leben. Man weiß nie, was kommt. Man denkt sich, es geht nicht mehr schlimmer, aber es gibt immer eine Steigerung.“

Neben der professionellen Unterstützung helfen der pflegenden Angehörigen vor allem Gespräche mit Freundinnen und Nachbarn. „Wir greifen zusammen und helfen uns gegenseitig.“

Du kannst ihn nicht mehr allein lassen

— Helga Weiß (Name redaktionell geändert, pflegt ihren Mann

Ohne Hilfe geht es nicht, das weiß auch Helga Weiß (Name redaktionell geändert). Sie pflegt ihren 73-jährigen Mann, der mit 39 Jahren einen Herzinfarkt erlitt. Seitdem wurde er zweimal am Herzen operiert, hat zwei Schlaganfälle hinter sich. „Er braucht jeden Tag 20 Medikamente“, erzählt die Pensionistin, die Unterstützung von ihrer Tochter erhält, die ebenfalls im selben Haus lebt. Allein würde sie die Pflege nicht schaffen, so Weiß. „Du kannst ihn nicht mehr allein lassen.“

Zu seinen körperlichen Leiden kommt eine geistige Beeinträchtigung dazu. Ist er allein, bekommt er Angst. Verlässt Weiß das Haus, ruft ihr Mann sie oft mehrmals hintereinander an. „Er sagt mir sechsmal hintereinander das Gleiche, manchmal wird er aggressiv.“

Auch Weiß erhält Unterstützung, vom Pallativ- und Hospizteam. „Sie sind sehr nett und aufmunternd, sie beraten gut.“ Genau wie Schaller rät sie dazu, sich unbedingt Hilfe zu holen.

Pflegedrehscheibe Weiz

Die Beratung bei der Pflegedrehscheibe Weiz ist kostenlos und dient der Orientierung über verschiedene Hilfs- und Unterstützungsangebote.

Telefonische Auskünfte sind Mo, Mi, Do und Fr von 9-12 Uhr möglich unter 0316 877 74 83.
Für persönliche Beratungsgespräche in den Büroräumlichkeiten (Birkfelder Straße 28, 8160 Weiz) sowie kostenlose Hausbesuche wird um Terminvereinbarung gebeten.

Nähere Infos hier.

Erste Anlaufstelle dabei ist beispielsweise die Pflegedrehscheibe Weiz. Die Beratung ist kostenlos, in Weiz stehen mit Maria Auer-Sattler und Gertraud Feiertag zwei diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen beratend zur Verfügung. Sie informieren individuell über Hilfsangebote.

„Eine wichtige Säule stellt die mobile Betreuung dar“, sagt Auer-Sattler und spricht etwa von der Hauskrankenpflege, psychosozialen Diensten oder Essenszustelldiensten. Auch Tageszentren, Betreutes Wohnen oder 24-Stunden-Betreuung sind Möglichkeiten. Darüber hinaus gibt es auch finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten, etwa den Angehörigenbonus.

Frühzeitig informieren

Große Unsicherheiten treten häufig bei Fragen auf, wo welche Leistungen beantragt werden und was die Voraussetzungen dafür sind. Auch, wenn sich eine Pflege- oder Betreuungssituation ändert, sei dies oft schwierig für Betroffene und Angehörige.

Am besten ist, das direkte Gespräch zu suchen. „Wir erleben in der Beratung immer wieder, dass pflegende Angehörige Unterstützung erst dann in Anspruch nehmen, wenn die Belastung bereits sehr hoch ist. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig zu informieren“, so Auer-Sattler.