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Ana Grilc und Daniel Mešnik öffnen das Tor zur Erinnerung

Ana Grilc (27) und Daniel Mešnik (56) wollen mit einem Denk- und Mahnmal die Erinnerungsarbeit im Gailtal in eine neue Ära führen. Das Tor der Erinnerung bietet Einblicke in die Deportationen von 1942.

Ana Grilc und Daniel Mešnik beim Tor der Erinnerung, das zu einem Hof führt, von dem 1942 Menschen deportiert wurden
© Gerhard Leeb
Ana Grilc und Daniel Mešnik beim Tor der Erinnerung, das zu einem Hof führt, von dem 1942 Menschen deportiert wurden
Elke Fertschey

Nähert man sich dem großen hölzernen Tor, hört man ein lautes, forderndes Klopfen. Macht man  dann die Tür auf, ertönen Stimmen aus dem Türrahmen. Unwillkürlich hält man an und lauscht. Und erfährt so, was 1942 geschehen ist, als die Gestapo auch im Gailtal Familien aus der slowenischen Volksgruppe in der Nacht abholte, um sie in Lager zu deportieren. „Es ist nun an unserer Generation, die Erinnerung zu bewahren“, sagt die bildende Künstlerin, Autorin und Filmregisseurin Ana Grilc (27), die das interaktive Denkmal in Achomitz/Zahomec konzipiert hat. Ihre Idee wurde vom slowenischen Kulturverein SPD Zila mit Obmann Daniel Mešnik aufgegriffen und in jahrelanger Arbeit mit örtlichen Handwerkern umgesetzt. Am Sonntag wird es eingeweiht.

„Die Tür ist ein Original aus einem Haus, aus dem die Menschen vertrieben wurden“, erzählt Grilc, die auch den Film „Ko zori spomin / Wenn die Erinnerung reift“ gestaltet und dafür mit Mutter und Schwester einen Roadtrip nach Deutschland unternommen hat, um den Weg der deportierten Großeltern nachzuvollziehen. „Wir haben Interviews mit künstlerisch tätigen Nachkommen der Betroffenen gemacht, um zu erfahren, wie die dritte Generation von Widerstandskämpfern und Kämpferinnen mit der Geschichte umgeht“, schildert die im typischen slowenischen Puppentheaterspiel verwurzelte und in beiden Landessprachen schreibende Kunstakademie-Absolventin, die 2020 und 2023 für ihre Kurzgeschichten mit Literaturpreisen ausgezeichnet wurde. 

Sprach-App soll slowenischen Dialekt zugänglich machen

Dem Ziel, zum Erhalt von Sprache und Kultur der Volksgruppe beizutragen, widmet sich auch Daniel Mešnik (56), seit 2023 Obmann und seit jungen Jahren Aktivist im Verein Zila, der im Sinne des friedlichen Miteinanders Puppenspiele, Konzerte und Ausstellungen organisiert und das anspruchsvolle Interreg-Projekt „Lingua“ zur Rettung des Gailtaler Slowenischen Dialekts mit umgesetzt hat. „Dieser ist noch sehr urtümlich, fast archaisch und von allen slowenischen Dialekten in Kärnten am stärksten vom Verschwinden bedroht.“

Termin

Denkmal-Einweihung Spominsko obeležje mit Filmvorführung, 4. Oktober, 15 Uhr, Mehrzweckhaus Achomitz / Šiša Zahomc

Nach Dokumentation und Digitalisierung soll eine Sprach-App das Kulturgut zugänglich machen. „Wir haben daheim nur im Dialekt gesprochen, Deutsch habe ich bei den Nachbarn gelernt“, erzählt Mešnik, Lehrer und Schulleiter an der Volksschule St. Stefan an der Gail. Die Bewusstmachung der Kärntner Geschichte ist dem zweifachen Vater, der in seinem Wohnort Göriach mit Ehegattin Andrea lebt und dort Pfarrgemeinderat ist, ein Anliegen. „Aus Unkenntnis der Kärntner Geschichte sind viele Missverständnisse entstanden.”

„Mahnung, dass so etwas nicht mehr passieren darf“

Dem soll auch das Gedenkprojekt entgegenwirken. Das Grundstück wurde vom Sportverein SV Achomitz / ŠD Zahomec und der Gemeinde Hohenthurn zur Verfügung gestellt. „Es ist im unteren Gailtal das erste Denkmal seiner Art als Mahnung, dass so etwas nicht mehr passieren darf“, sagt Daniel Mešnik, der auch künstlerisch tätig ist und ein Faible für Antiquitäten und Fossilien hat. Historisches zu vermitteln und zugleich den Blick nach vorne zu richten, ist sein Wunsch, um eine Zukunft zu gestalten, in der immer beide Seiten mit Respekt aufeinander zugehen. Da trifft er sich mit dem Ansinnen von Ana Grilc: „Wir können alle etwas bewegen, wenn wir daran glauben und nicht aufgeben.“