Pro & Kontra: Soll Großbritannien zurück in die EU?

Andy Burnham, der neue britische Premier, liebäugelt mit einer Rückkehr seines Landes in die EU. Wäre das ein Gewinn für die Union?
Der „Brexit“ hat weder wohlhabender noch stärker gemacht. Nun erwägt der britische Premierminister Andy Burnham eine Kehrtwende. Er fordert eine Grundsatzdebatte über die künftigen Beziehungen seines Landes zur Europäischen Union und schließt dabei sogar eine mögliche Rückkehr in die EU nicht aus. Man müsse ohne Scheuklappen prüfen, wie es weitergehe, sagte Burnham am Mittwoch. Aber wäre eine Rückkehr der Briten auch gut für die EU selbst?
Pro
Wenn das Vereinigte Königreich eine Rückkehr in die EU wirklich anstrebt, dann sollten die Union und alle ihre 27 Mitgliedstaaten die Briten nicht nur wieder aufnehmen. Sie sollten die Rückkehr bejubeln und jeden Anflug von Häme und Besserwisserei unterdrücken. Der „Brexit“ hat Europa massiv geschwächt: politisch, wirtschaftlich, militärisch. Auch der Humor der Briten, ihre intellektuelle Potenz und ihr unverstellter Blick auf die Welt, wie sie nun einmal ist, fehlen schmerzlich. Darauf und auf die Vernunft der manchmal eigenwilligen Insulaner kann und darf Europa nicht verzichten. Walter Hämmerle
Der „Brexit“ hat Europa massiv geschwächt: politisch, wirtschaftlich und militärisch.
— Walter Hämmerle, Innenpolitikressort
Kontra
Eine vollständige Rückkehr der Briten in die EU wäre ein langwieriger, beschwerlicher und auch kostspieliger Prozess. Mit einem ungewissen Ausgang. Wer sagt uns, ob der nächste Premier in der Downing Street nicht die nächste Kehrtwende hinlegt? Vor allem, wenn dieser Nigel Farage heißt. Denn nach derzeitigen Umfragen würde der Brexit-Einpeitscher der nächste Premierminister des Landes werden. Wie wäre es also, wenn die Briten zumindest Teil des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) werden würden, wie etwa Norwegen und die Schweiz. Das wäre ein leichterer und erfolgversprechender Anfang.
Wer sagt uns, ob der nächste Premier in der Downing Street nicht die nächste Kehrtwende hinlegt?
— Maria Schaunitzer, Außenpolitikressort