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Warum gerade Hape Kerkeling zum AfD-Verbot spricht

Der Ernst des Entertainers: Hape Kerkeling wirbt für ein Verbotsverfahren gegen die AfD. Und findet dafür klare Worte.

Hape Kerkeling bei der mündlichen Anhörung
© IMAGO/Sascha Fromm Via Imago-images.de
Hape Kerkeling bei der mündlichen Anhörung
Cornelie Barthelme
Korrespondentin in Berlin

„Letztendlich“, sagt Hape Kerkeling – dabei ist er noch ziemlich am Anfang – „letztendlich ist doch unser Grundgesetz sehr klar.“ Der 61 Jahre alte Künstler spricht zu einem sehr ungewöhnlichen Publikum, an einem sehr ungewöhnlichen Ort und, das vor allem, in sehr ungewöhnlicher Funktion.

Im Justizausschuss des Thüringer Landtags – wo die AfD die stärkste Fraktion stellt – ist Kerkeling als Experte zu Gast bei der Anhörung zu einem möglichen Verbotsverfahren gegen die Rechtsaußen- bis Rechtsextremistenpartei, der allerersten in Deutschland. Allein unter Juristen.

„Faschismusvorwurf“ soll er doch weglassen

Und allein Kerkeling bekommt Beifall, da hat er seinen Auftaktvortrag beendet knapp nach dem Satz: „Das Versprechen unseres Staates lautet: Wir dulden keinen Faschismus in Deutschland und wir dulden auch nicht dessen Beginn.“ Den Applaus von der Besucherempore quittiert Vorsitzender Ringo Mühlmann mit der Ermahnung: „Bekundungen von der Tribüne sind nicht gestattet.“ Und bei Kerkeling, finde der Mann von der AfD, den „Faschismusvorwurf schwierig“ – „vielleicht besteht die Möglichkeit, darauf zu verzichten“.

Sie besteht nicht. Kerkeling wird das in knapp 80 Minuten ganz klarmachen. Er beginnt mit seinem Großvater, einem Kommunisten, den die Nazis ins KZ steckten, weil er am Tag, als Adolf Hitler Reichskanzler wurde, per Flugblatt zu dessen Sturz aufrief. Er berichtet von Drohungen wegen seiner Haltung, bis zum „Lynchen“. Und er fährt fort mit dem Bundesland, in dessen demokratisch gewähltem Parlament er nun Gast ist.

„Ausgerechnet Thüringen“, sagt Kerkeling. Wo schon 1930 „der erste NSDAP-Innenminister“ amtiert habe. „Lange vor 1933. Wenige Kilometer von hier liegt Buchenwald.“ Wo sein Großvater inhaftiert war. „Dieses Land Thüringen hat am eigenen Leib erfahren, wie eine Demokratie sich selbst abschafft, wenn genügend Menschen wegschauen.“

Kerkeling redet Abgeordneten ins Gewissen

Kerkeling will beides nicht ein zweites Mal zulassen. Und also redet er den Abgeordneten ins Gewissen. Den Demokraten, vorneweg den aus Angst vor einem Nein des Bundesverfassungsgerichts zaudernden von der CDU: „Keiner von uns weiß, wie das Verfahren ausgeht. Und das ist wunderbar so. Nur in einer Diktatur weiß man, wie das ausgeht.“ Jene der AfD fordert Kerkeling auf, sich „von aller Verharmlosung der NS-Diktatur zu entfernen“.

„Angst, Lügen und Hass“ seien deren „Zutaten“ gewesen – wie heute „für die Marschrichtung“ der AfD. „Wer“ aber, sagt Kerkeling, „die verbrecherische Vergangenheit verharmlost und umdichtet“, wende sich gegen die Verfassung. Und auch, wer täglich „die Meinungsfreiheit“ bedrohe und „Minderheiten“, kurz: „die pluralistische Gesellschaft“.

Das Grundgesetz aber, das sei klar, vom ersten Artikel an. Später, wie zur Bekräftigung seines „Ich möchte wirklich für diese Demokratie einstehen“, zitiert Kerkeling ihn auch. „Mein Credo“, sagt er, „ist der zärtliche Satz: Die Würde des Menschen ist unantastbar.“