Medienmarkt: Der Bulle nimmt noch einen Anlauf
Mit „Servus Radio“ steigt Red Bulls Medienhaus in den österreichweiten Radiomarkt ein. Und das in einer Phase, in der anderswo gespart, reduziert und eingestellt wird.

Es gibt derzeit nicht allzu viele Medienkonzerne, die mit großem Engagement in klassische Medien investieren. Aber es gibt sie doch. Servus Media, der Medienarm von Red Bull, will es noch einmal wissen: Gemeinsam mit Welle 1 soll noch heuer ein weiterer österreichweit empfangbarer Sender starten. „Servus Radio“ heißt das neue Projekt. Medienchef Dietmar Otti nennt es ein „klares Bekenntnis zum Medienstandort Österreich“. Und das in einer Zeit des Abbaus, der Fusionen und des Reduzierens.
Denn der Einstieg ins nationale Radio kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Red Bull seine Medienaktivitäten anderswo kräftig umbaut, Personal abbaut und Projekte genauer auf ihre Wirtschaftlichkeit prüft. Das eigenständige Buchgeschäft wird zurückgefahren, beim „Red Bulletin“ steht die bisherige Printform infrage, auch bei teuren Eigenproduktionen von ServusTV wird genauer gerechnet. Der neue Radiosender unterstreicht zudem, dass Servus Media keineswegs vorhat, so ohne Weiteres vom Felde zu ziehen.
Neue Struktur und Personalabbau
Wohin geht also die Reise? Seit rund einem Jahr läuft bei Red Bull eine Neuordnung, deren Richtung inzwischen auch von außen gut erkennbar ist. Die Medienaktivitäten wurden unter der Dachmarke „Servus Media“ gebündelt, die Führung neu aufgestellt. Mit der neuen Struktur ging auch ein Personalabbau einher. Nach Medienberichten waren von rund 600 Beschäftigten 40 bis 60 Stellen betroffen.
Die Logik hinter dem Umbau ist recht einfach: weniger Nebeneinander, stärkere Marken, mehr Digitales und ein schärferer Blick auf Kosten und Reichweite. Contentchef Matthias Brügelmann fasst das selbst mit „Stärken stärken“ zusammen. Inhaltlich setzt Servus Media verstärkt auf drei Felder: Information, Live-Sport und jene stark österreichisch geprägten Inhalte, die seit Jahren zum Kern der Marke gehören.

ServusTV bleibt dabei das sichtbarste Flaggschiff. Der Sender kam im September auf beachtliche 4,7 Prozent Marktanteil bei den über Zwölfjährigen und war damit erneut stärkster österreichischer Privatsender. Gleichzeitig wächst das digitale Angebot. Für September meldete ServusTV On 4,7 Millionen Videoabrufe und 102 Millionen gesehene Minuten.
Vor allem beim Sport wird keineswegs der Rückwärtsgang eingelegt. Die MotoGP bleibt bis 2030 exklusiv bei ServusTV, die Formel 1 ist bis 2029 abgesichert. Auch beim Fußball wird langfristig geplant: Die Rechte am DFB-Pokal wurden bis einschließlich der Saison 2029/30 verlängert. Dazu kommen die Erste Bank Open in Wien, bei denen ServusTV bis 2027 TV-Partner und Host-Broadcaster bleibt. Gleichzeitig ist klar, dass man in Wals-Siezenheim nicht mehr jeden Preis für große Rechte bezahlt. Internationale Streamingkonzerne treiben die Kosten für Sportrechte seit Jahren nach oben, große Pakete werden deshalb zunehmend gemeinsam mit anderen Sendern gestemmt.

Knapper kalkuliert wird auch bei den Eigenproduktionen. Noch besteht ein großer Teil des ServusTV-Programms aus selbst produzierten Inhalten. Mitte September wurde aber bekannt, dass mit dem Jahreswechsel nach elf Jahren die werktägige Vorabendsendung „Quizmaster“ aus dem Programm genommen wird. Vor allem bei der teuren Fiction dürfte künftig aber stärker auf Koproduktionen und Zukäufe gesetzt werden. Ein kompletter Abschied von Serien und Filmen ist das keineswegs.
Dasselbe Muster zeigt sich im Printbereich. Das Buchgeschäft wird eingestellt, beim „Red Bulletin“ soll laut „Standard“ sogar die regelmäßige Druckausgabe zur Disposition stehen. Gleichzeitig wird aber da weiter investiert, wo es die Marke trägt. Das beste Beispiel ist „Servus in Stadt & Land“. Laut Österreichischer Auflagenkontrolle für das erste Halbjahr 2026 kommt das Magazin auf eine verbreitete Auflage von 83.012 Exemplaren und bleibt damit das auflagenstärkste Kauf-Monatsmagazin Österreichs. Rund 87 Prozent der verbreiteten Auflage sind verkauft, 46.463 Exemplare gehen direkt an Abonnenten. Auch die Spezialhefte werden ausgebaut: Mit „Servus Reise“ ist heuer ein weiteres dazugekommen.

Auch eine andere öffentlichkeitswirksame „Altlast“ hat der Sender zumindest organisatorisch weitgehend hinter sich gelassen. Ferdinand Wegscheider ist seit September 2025 nicht mehr operativ an der Senderspitze. Dem Druck rund um seine Person gab man damit aber nur bedingt nach: Wegscheider blieb Berater und ist mit seinem Wochenkommentar weiterhin im Fernsehen zu sehen.
Die Zeiten, in denen Red Bull Medienprojekte auch aus Lust am Medium finanzierte, scheinen damit auch im Reich des Bullen vorbei. Heute wird härter gerechnet, gestrichen und gebündelt. Investiert wird aber dort, wo sich auch ein Geschäftsmodell abzeichnet. Aus dem bunten Medienhaus wird eine kompaktere Servus-Welt: etwas weniger Spielwiese, dafür mehr Geschäft. Aber immer noch mit Ambition.