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Wenn Kopernikus die künstliche Intelligenz schlägt

Zwischen alter Schule, Gründerzeit-Häusern und Technischer Hochschule: Wie die viel besprochene KI ganz schön in die Irre führen kann, erweist sich bei unserem Spaziergang durch die Kopernikusgasse.

Neue Technik in der Kopernikusgasse in Graz, aus der Sammlung Kubinzky
© Sammlung Kubinzky
Neue Technik in der Kopernikusgasse in Graz, aus der Sammlung Kubinzky

Geneigte Leserinnen und Leser wissen vielleicht, dass die Spaziergänge zumeist mit der Befindlichkeit von Hündchen Lilly eröffnet werden. Ob sie schnüffelt, zieht oder nur lieb schaut. Hin und wieder freilich tauchen wir auch gerne und zeitgemäß in die so genannte künstliche Intelligenz, kurz KI genannt, ein. Schließlich scheint diese ja ein neues Zeitalter zu bescheren, folgt man den Nachrichten. Also darf diesmal zum Start die KI ihr Wissen ausbreiten.

Zuerst verrät sie – ohne Wenn und Aber – unser heutiges Ziel, die Kopernikusgasse, hätte zuvor Technikerstraße geheißen. Schau dir einer an! Die Bezeichnung Technikerstraße, schrieb die KI weiter, bezog sich auf die Technische Hochschule bzw. Technische Universität Graz, deren Gebäude sich in diesem Gebiet befanden. Die Straße wurde später in Kopernikusgasse umbenannt – nach Nikolaus Kopernikus (1473–1543), dem Astronomen, der das heliozentrische Weltbild entscheidend geprägt hat, wusste die von US-Präsident Donald Trump erst kürzlich als Superintelligenz titulierte KI. Was für eine Geschichte! Sie stimmt nur nicht.

Die KI und ihre Wissenslücke rund um die Kopernikusgasse

Die Kopernikusgasse erhielt diesen Namen 1898. Mit dem Bau der heute als Neue Technik bekannten Hochschule wurde aber erst 1921 begonnen – also mehr als 20 Jahre später. Das Alte Gebäude der heutigen TU (die 1976 von der Hochschule zur Universität wurde) in der Rechbauerstraße wurde hingegen schon 1888 in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph feierlich eröffnet. Die Technikerstraße, die die KI erwähnt, gibt es freilich bis heute und verläuft beim Bau der Alten Technik von der Sparbersbachgasse zur Rechbauerstraße. Mit der Kopernikusgasse hatte und hat sie nichts zu tun.

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Die menschliche Intelligenz: Stadthistoriker Karl Kubinzky und Spaziergänger Christian Weniger mit Lilly
Die menschliche Intelligenz: Stadthistoriker Karl Kubinzky und Spaziergänger Christian Weniger mit Lilly © Klz / Stefan Pajman

Bei allen Chancen, die uns die KI eröffnet und in Zukunft eröffnen mag: Um sicher unterwegs zu sein, setzen wir auf die Verlässlichkeit unseres Stadthistorikers Karl Kubinzky, der da gleich mit einer Behauptung aufräumt: „Die Kopernikusgasse wurde 1898 nach Nikolaus Kopernikus, dessen System die Sonne zum Mittelpunkt unseres Planetensystems machte, benannt. Davor hatte diese Fläche gar keinen Namen, es gab dort nichts.“

Schwere Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg

„Die von der Schörgelgasse zur Stremayrgasse verlaufende Kopernikusgasse weist einen gründerzeitlichen Hauptteil mit architektonischer Stabilität auf, eigentlich eine typische Wohnstraße – vor allem Mietshäuser –, in der es kein Geschäft gibt“, sagt der Stadthistoriker und erinnert an schwere Bombenschäden aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs: „Diese sind aber auch hier, wie in Graz allgemein, durch Renovierung und teils umstrittene Neubauten unsichtbar geworden.“

Für den Altbestand steht das Wohnhaus auf Nummer 7, errichtet wenige Jahre nach 1900, mit einer schönen Jugendstilfassade, das auch ehemals Eingang in den Graz-Band des renommierten Kunstführers „Dehio“ fand. „Und das Rundbogenportal ziert ein Frauenkopf. Endlich ein Frauenkopf statt der Kobolde und Fratzen an anderen Fassaden aus diesen Jahrzehnten“, schwärmt Kubinzky. Wer erhobenen Blickes durchspaziert, kann sich in der Kopernikusgasse an einigen hübschen Fassaden, teils gut renoviert, erfreuen. Dominiert wird diese Gasse jedoch von zwei Monumentalbauten: „Das ist die einstige Volksschule Krones und das schon erwähnte Gebäude der Neuen Technik, das ab 1921 im neoklassizistischen Stil errichtet wurde, als die Alte Technik in der Rechbauerstraße zu eng für die gestiegene Anzahl Studierender nach dem Ersten Weltkrieg geworden war“, wirft der Stadthistoriker ein. 1928 zogen die Fakultät für Maschinenbau und ein Institut für Elektrotechnik in den neuen Bau ein.

In jüngerer Zeit wurde alter Baubestand zu Gunsten von größeren Neubauten abgerissen, da half auch kein Protest der Anrainer.

— Karl Kubinzky, Stadthistoriker

Bereits 1909 war einige Schritte weiter Richtung Münzgrabenstraße das stolze Gebäude der Mädchen-Volksschule entstanden. Die Krones-Volksschule, heute zweisprachig mit Deutsch und Englisch geführt, feierte im Frühjahr 2026 ihr 250-Jahr-Jubiläum. Sie wurde 1776, zwei Jahre nach der Schulreform durch Maria Theresia, Herrscherin der habsburgischen Länder, gegründet und gehört damit zu den ältesten Schulen des Landes. In ihrer langen Geschichte war diese Schule an verschiedenen Standorten untergebracht. 1909 zog man in das neu errichtete Gebäude in der Kronesgasse/Kopernikusgasse ein. Im Zuge des Neubaues erhielt die Schule auch den Namen von Franz Krones, einem renommierten Historiker, der an der Universität in Graz lehrte und 1902 verstarb. Das erhaben wirkende Gebäude diente bis 2005 schulischen Zwecken, 2007 übernahm es die Technische Universität. Eine Gasse, wie viele andere im Wandel der Zeit: „In jüngerer Zeit wurde alter Baubestand zu Gunsten von größeren Neubauten abgerissen, da half auch kein Protest der Anrainer“, seufzt der Stadthistoriker.

Derweilen wieselt die Lilly aufgeregt hin und her. „Sie schnuppert“, merkt Kubinzky lächelnd an. Ja, die Lilly, die folgt auch keiner KI, sondern ihre Umtriebe sind bekanntlich von Leckerlis bestimmt. Wie immer.

Das Buch zur Serie

Christian Wenigers historische Erkundungstouren mit Lillys Vorgängerin Paula sind in zwei Büchern erschienen. Zuletzt: „Neue Grazer Spaziergänge mit Paula“, Kleine Zeitung Edition, 160 Seiten, 18,90 Euro. Auf shop.kleinezeitung.at und im Buchhandel.