Warum zwei Steirer „blaumachen“ und dabei eine Jeans kreieren
Eine Hose mit Vision: Der gebürtige St. Margarethener Michael Hofer-Lenz schneidert eine österreichische Jeans, die im Grazer Modegeschäft von Stefan Kalch verkauft werden soll.
Sie beide lieben Mode, legen Wert auf klassisches Handwerk und haben sich gefunden. Wie? „So, wie man sich als Unternehmer im Jahr 2026 findet: Über Instagram“, erzählen Michael Hofer-Lenz und Stefan Kalch lachend. Ersterer ist Herrenkleidermacher, der Zweitgenannte betreibt in Graz „Sunsetstar“, einen Store für hochqualitative Herren- und Unisex-Mode. Nun starten die beiden eine Kooperation.
Hofer-Lenz, der in St. Margarethen an der Raab aufgewachsen ist, war Schüler der Modeschule Graz, wo er heute im Fachbereich Bekleidungstechnik unterrichtet. Der 31-Jährige studierte unter anderem Szenografie (Kostüm- und Bühnengestaltung) und absolvierte eine Lehre zum Herrenkleidermacher. Warum nicht Damenmode? „Ich wollte immer für mich selbst nähen können.“
Heute entwirft und schneidert der Kreative für sein Label (MKHL - seine Initialen, wobei das „K“ für Karl steht) in seinem Atelier in Urscha, von wo aus er den Blick über Gleisdorf schweifen lassen kann. Besonders hat es ihm das Kleidungsstück Jeans angetan: „Der Herausforderung wegen. Da steckt nämlich viel mehr dahinter, als man meint.“
Von Nähten und Fading
Und hier schließt sich der Kreis zu Stefan Kalch. Dass Jeans nicht gleich Jeans sind, lernt man bei diesem Unternehmer sofort. In seinem Laden „Sunsetstar“ in Graz gibt es Mode für Damen und Herren, die Wert auf Qualität und das gewisse Extra legen.
Was für viele Details am Rande sind, ist für seine Kundschaft das Highlight: Eine ganz bestimmte Naht, eine besondere Färbung oder ein gutes „Fading“ – die Jeans verkörpert hier die Subkultur Punk-Rock, für die das Geschäft vor allem in früheren Jahren ein Ankerpunkt war. Unter Fading versteht man das allmähliche Verblassen der Farbe durch Tragen und Waschen, wodurch individuelle helle Stellen und Muster entstehen.
„Eine Jeans ändert sich mit dem Tragen und wächst mit dem Kunden mit. So wird aus jedem Stück ein Einzelstück“, weiß der 45-Jährige. Er bezieht Mode in Kleinstserien etwa aus Japan und den USA, verkauft wird neben dem Geschäft in Graz online in die ganze Welt. „Das haptische Einkaufserlebnis wird aber wieder wichtiger“, hat er in den letzten Jahren beobachtet.
Viel Österreich in einer Hose
Durch die Zusammenarbeit mit Hofer-Lenz wird die Jeans nun zu einem lokalen Produkt: „Wir beziehen den Stoff von einer kleinen Manufaktur in Italien. Dieser wird dann im Burgenland von Joseph Koó gefärbt“, verrät der Modeschöpfer. Und zwar nach alter Tradition mit natürlichem Indigo. Hofer-Lenz verarbeitet den Stoff letztendlich in seinem Atelier in Urscha zu einer österreichischen Jeans.
„Wir haben jeden Schritt bewusst gesetzt, um ein hochwertiges, lokales Produkt zu erschaffen“, resümiert Kalch. Die Jeans - ebenso wie ein weißes Langarm-Shirt aus leichter, öko-zertifizierter Baumwolle, sollen sie ab Beginn 2027 als Maßkonfektion in seinem Geschäft geben.
Was bedeutet das? Hofer-Lenz: „Es gibt einen Standardschnitt, der an den jeweiligen Kunden angepasst wird. So wird wirklich jedes Stück ein Unikat.“ Der Shop in Graz hat Mittwoch bis Freitag von 11 bis 19 Uhr und am Samstag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.