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„Einfach tun! Was soll schon sein?“

Christina Frewein ist 28, Tischlermeisterin und hat einen sieben Jahre stillgelegten Familienbetrieb in Söding wieder eröffnet. Heute sind ihre Auftragsbücher voll. Ein Gespräch über Mut, Vorurteile und die Frage, warum sie keine Angst davor hat, von KI ersetzt zu werden.

© Klz / Nadja Fuchs
Christina Frewein ist Tischlermeisterin. Ein Gespräch über Handwerk und Zuversicht im Arbeitsleben.
Barbara Haas
Leitende Redakteurin Frauen & Familie, Podcast-Host von fair&female

Aufregung kennt Christina Frewein nicht. Sie ist bodenständig, zielstrebig und als Tischlermeisterin in der Weststeiermark in Söding-St. Johann höchst erfolgreich. Doch da ist etwas, das die 28-Jährige ausstrahlt, das besondere Erwähnung verdient. Sie ist unerschrocken, zuversichtlich und lebt nach dem Leitsatz: „Was soll schon passieren?“ Genau dieser Geradlinigkeit hat sie wohl auch zu verdanken, dass sie vor etwas mehr als einem Jahr beschloss, die vor sieben Jahren stillgelegte Tischlerei ihres Vaters kurzerhand als Ein-Frau-Unternehmen wieder zu eröffnen. „Ich habe mir gedacht: Warum probiere ich es nicht einfach? Ich habe nichts zu verlieren.“, sagt die Frau mit dem weichen weststeirischen Dialekt. Beim „Female Wirtschaftstalk“ der Kleinen Zeitung erzählt Frewein, was sie antreibt, mit welchen Vorurteilen sie als Frau trotzdem noch zu kämpfen hat, aber warum sie extrem überzeugt ist, dass die künstliche Intelligenz ihrem Beruf nicht so schnell das Wasser abgraben kann.

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Frewein zu Besuch beim „Female Wirtschaftstalk“ der Kleinen Zeitung.

Sie haben einen Familienbetrieb wiedereröffnet, der sieben Jahre lang stillgestanden ist. Warum?

Ich war in meinem alten Job einfach nicht mehr zufrieden und habe meinen Eltern relativ spontan gesagt: Ich möchte mich selbstständig machen. Die Gebäude und Maschinen waren da, deshalb war der Einstieg natürlich leichter. Ich habe mir gedacht: Warum probiere ich es nicht einfach? Ich habe nichts zu verlieren.

Das klingt nach erstaunlich wenig Angst vor dem Scheitern.

Was soll passieren? Im schlimmsten Fall sperre ich wieder zu. Natürlich waren Investitionen notwendig, aber alles in einem überschaubaren Rahmen. Dieses Risiko bin ich gern eingegangen.

Inzwischen sind Ihre Auftragsbücher voll. Und Sie haben bereits einen Lehrling.

Ja, seit drei Wochen sind wir ein Team. Mir war wichtig, dass es ein Lehrmädchen ist. Lustigerweise habe ich ursprünglich gesagt, dass ich gar keine Lehrlinge nehme. Sie hat mich wegen eines Praktikums angerufen und sich dort so gut angestellt, dass ich meine Meinung geändert habe.

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Selbstbewusst und zielstrebig. Die Weststeirerin Christina Frewein im „Female Wirtschaftstalk“ der Kleinen Zeitung.

Wie reagieren Kunden darauf, wenn statt eines Tischlers eine junge Frau vor ihnen steht?

Es gibt leider nach wie vor Vorurteile. Eine Kundin hat einmal zu mir gesagt: „Ich hab gedacht, da kommen die jungen Herren.“ Andere fragen, ob das nicht ein Mann erledigen kann. Oder sie glauben, ich stehe nur auf dem Papier in der Firma und in der Werkstatt machen die Männer die Arbeit.

Ärgert Sie das?

Eigentlich nicht. Ich stehe darüber. Ich sage dann einfach: „Nein, das mache ich.“ Spätestens bei der Montage sehen sie, dass ich tatsächlich alles selbst mache. Ich glaube, mit den Taten überzeugt man die Leute am besten. Danach haben sie dieses Vorurteil meistens nicht mehr.

Maßgefertigte Möbel gelten als Luxus. Wer sind Ihre Kunden?

Vor allem Privatpersonen, die Wert auf Handwerk legen. Das hat gar nicht unbedingt mit dem Alter zu tun. Meine jüngsten Kunden waren 23 und haben einen Esstisch bestellt. Es geht ihnen darum, etwas Wertiges zu haben, das lange hält – und nicht nach dem zweiten Umzug nicht mehr zusammengebaut werden kann.

Was kann so ein maßgefertigtes Möbel kosten?

Bei einem Bett kann die günstigste Variante, wenn etwa keine weite Anfahrt nötig ist, bei 400 bis 500 Euro brutto beginnen. Nach oben gibt es sehr viel Spielraum. Mit besonderen Materialien und aufwendiger Verarbeitung kann ein Bett auch 20.000 oder 25.000 Euro kosten.

25.000 Euro für ein Bett?

Ja. Zum Beispiel mit einer Rückwand aus echtem Kuhfell. Das wird abgesteppt, und weil die Haut nicht beliebig groß ist, ist die Verarbeitung entsprechend aufwendig.

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Frewein mit Sandra Freidl (re.) und Barbara Haas (Kleine Zeitung).
© Klz / Nadja Fuchs
Viele interessierte Nachfragen beim Talk (hier Barbara Muhr).

Ihr Meisterstück war ebenfalls nicht ganz gewöhnlich.

Ich bin seit 20 Jahren leidenschaftliche Musikerin und spiele beim Musikverein. Deshalb habe ich ein Multifunktions-Musikmöbel gebaut: Platz für Plattenspieler und Schallplatten, LED-Beleuchtung – und eine versteckte Likör- und Schnapsbar.

Sie sagen ziemlich selbstbewusst, dass KI Ihren Beruf nicht ersetzen wird. Warum sind Sie so sicher?

Ich habe letztens ein Video gesehen, in dem ein Roboter eine Säge in der Hand hatte und es nicht einmal geschafft hat, das Holz durchzusägen. Aber ernsthaft: Wie soll eine KI ein Möbelstück ins Obergeschoss schleppen oder individuell in einer Werkstatt anfertigen?

Aber KI wird auch im Handwerk eine Rolle spielen.

Natürlich. Maschinen können mit KI ausgestattet werden, Abläufe können automatisiert werden. Wenn ein Bett immer bestimmte Bohrungen braucht, kann das eine Erleichterung sein. Aber den Menschen kann man dabei nicht komplett wegdenken. Davon bin ich überzeugt.

Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Wenn man in den Wald geht, sieht man einen Baum stehen – und genau daraus kann später ein fertiges Möbel werden. Wenn ich überlege, wie viele Arbeitsschritte dazwischenliegen, ist das unglaublich. Ich habe ein Stück Natur in den Händen, trage es durch meine Werkstatt und am Ende steht es beim Kunden.

© Klz / Nadja Fuchs
Initiatorin des Talks und Geschäftsführerin der Kleinen Zeitung, Xenia Daum, eröffnete die Runde.