Babler gegen Zeiler: Showdown in der SPÖ am Sonntag
Die Spitzen der SPÖ treffen sich am Wochenende, um das weitere Vorgehen im Duell zwischen Andreas Babler und Gerhard Zeiler zu besprechen. Doch die Gesamtlage ist verzwickt.

Die Länder wollen, dass was geschieht. Schließlich ist völlig offen, wie es nach der Bereitschaft von Gerhard Zeiler, den Vorsitz in der SPÖ zu übernehmen, in der Partei nun weitergeht. Nachdem Kärntens Landeschef und Landeshauptmann Daniel Fellner vorgeprescht war und sich auch der Steirer Max Lercher dafür ausgesprochen hatte, setzte am Mittwoch Parteichef und Vizekanzler Andreas Babler ein Treffen der roten Spitzenfunktionäre für kommenden Sonntag, 16 Uhr, in Wien an.
Erst sollten nur die roten Landesparteichefs teilnehmen, dann wurde der Kreis nach und nach erweitert. Schließlich stand fest, dass auch ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian, Frauenvorsitzende Eva Maria Holzleitner und Staatssekretärin Michaela Schmidt teilnehmen werden. So gesehen wäre eigentlich alles angerichtet für eine Richtungsentscheidung der Partei zwischen dem amtierenden Parteichef und dessen Herausforderer. Auch die Auslegung der Statuten für die Wahl eines Vorsitzenden wird Thema sein. Doch ob es auch so kommt, wird sich erst in den kommenden Tagen und vielleicht sogar erst beim Treffen am Sonntag selbst herausstellen.
Wiens Bürgermeister kann sich keinen Krieg mit den „Bableristas“ leisten
Stand derzeit ist völlig offen, wie die Würfel in der SPÖ fallen werden. Dabei sind sich die meisten hinter vorgehaltener Hand einig, dass Babler nicht Spitzenkandidat bei der kommenden Nationalratswahl sein soll; doch bei der Frage, wer ihm nachfolgen soll und wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, ist es mit dem Konsens auch schon wieder vorbei. Das hat mit den unterschiedlichen Interessenlagen und Blickwinkeln der unterschiedlichen Gruppierungen zu tun. Den Babler-kritischen Kärntnern zum Beispiel brennt die Zeit unter den Nägeln. Sie müssen bereits am 28. Februar Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen schlagen. Da stehen zwar lokale Themen und Personen im Mittelpunkt, doch eine fortgesetzte Hängepartie in der Führungsfrage der Partei gilt nur als weitere Hypothek.
Viel, wenn nicht alles, wird davon abhängen, auf welche Seite sich die mächtige Wiener SPÖ und die roten Gewerkschafter schlagen werden. Sowohl Bürgermeister Michael Ludwig als auch ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian stehen vor einer heiklen Gratwanderung. Die meisten überzeugten „Bableristas“ finden sich in der Bundeshauptstadt; ihnen verdankt Ludwig sein gutes Wahlergebnis aus 2025, als die Wiener SPÖ auf fast 40 Prozent kam und die KPÖ klein gehalten wurde. Diesen engagierten linken Flügel wird die SPÖ auch künftig dringend brauchen. Ludwig fällt also für die Rolle des „Königsmörders“ in der SPÖ aus, weil ihn das in seiner eigenen Landespartei unter Druck setzen würde.
Gewerkschafter müssen selbst schauen, wo sie bleiben
Anders, aber ähnlich kompliziert, ist die Lage für ÖGB-Chef Katzian. Zeilers inhaltliche Ansagen haben, um es vorsichtig auszudrücken, unter roten Gewerkschaftern keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Mit Forderungen nach einem schlankeren, effizienteren Staat, mehr Unterstützung für die Wirtschaft und einer Pensionsreform ist hier kein Blumentopf zu gewinnen. Vor allem aber neigt sich die Geschichte von SPÖ und Gewerkschaft als siamesische Zwillinge langsam einem Ende zu: Angesichts des Niedergangs der Partei muss die Arbeitnehmervertretung selbst schauen, dass sie im Kampf der Interessen nicht auch untergeht. So gesehen könnten die roten Gewerkschafter vorerst lieber mit Babler weitermachen wollen, als mit Zeiler auf ein – aus eigener Sicht – falsches Pferd zu setzen.
Fellner hofft auf Sensation
Der Initiator für die Sitzung am Sonntag, Kärntens Landeshauptmann Fellner, legt sich die Latte jedenfalls hoch. Er selbst fahre „völlig ergebnisoffen" nach Wien und hofft, dass sich die SPÖ-Landesorganisationen am Ende „geschlossen als Team" verhalten. „Ob Zeiler oder Babler ist für mich ein nachgeordnetes Ziel. Das Ziel wäre zuallererst, dass wir mit einer Stimme sprechen. Wenn das herauskommt, wäre ich glücklich", sagte er auf APA-Anfrage. Das wäre, angesichts der jahrelangen Verwerfungen in der Partei, geradezu eine Sensation. Am Ende sollte man jedoch trotzdem nicht ausschließen, dass alles auch ganz anders kommen kann. Zum Beispiel mit einem dritten Kandidaten, und sei es auch nur für die Rolle als Spitzenkandidat bei der nächsten Nationalratswahl. Die muss spätestens im Herbst 2029 über die Bühne gehen. Womöglich aber auch schon früher.
