Steirerkraft investiert 30 Millionen, Industrie in Wollsdorf wächst weiter
In den ehemaligen Hallen der „Frisch Saftig Steirisch Gmbh“ in St. Ruprecht an der Raab werden jetzt Kürbiskerne und Käferbohnen abgepackt. Steirerkraft investiert 30 Millionen Euro in ein neues Produktions- und Logistikwerk.
Im Industriegebiet von Wollsdorf in St. Ruprecht an der Raab stehen sich zwei Großunternehmen nun direkt gegenüber: Siemens Energy und Steirerkraft. Während sich der Energietechnologie-Konzern erst frisch angesiedelt hatte, besteht Steirerkraft bereits seit 30 Jahren am besagten Standort.
Das Jubiläum wird am Freitag gefeiert. Da wird auch ein Einblick in das Expansionsprojekt gewährt: 30 Millionen Euro investiert die Alwera-Gruppe in ein neues Produktions- und Logistikwerk auf dem zugekauften und angrenzenden Areal. Die bisher steiermarkweit verteilten Bereiche werden hier zusammengeführt sowie Produktion und Auslieferung gebündelt.
Dadurch werden Transportwege verkürzt und es gibt mehr Platz. Künftig werden in den ehemaligen Hallen der „Frisch Saftig Steirisch Gmbh“ etwa Kürbiskerne und Käferbohnen abgepackt, die von mehr als 1000 landwirtschaftlichen Betrieben angeliefert werden. Beschäftigt sind in Wollsdorf derzeit 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Über die Expansion
Die Abfüllung wurde aus dem bisherigen Standort in Dietmannsdorf auf das zugekaufte Nachbarareal übersiedelt. Zugleich werden auf dem zugekauften Areal bisher externe Lager zusammengeführt.
In der 4000 Quadratmeter großen Logistikzone können bis zu zehn Lkws parallel abgefertigt werden. Dazu kommen 4000 Palettenplätze für Verpackungsmaterialien wie Folien, Kartons, Flaschen und Dosen.
Das bestehende, sogenannte „Werk 1“ konzentriert sich künftig auf den Rohstoff Kürbiskern. Dort werden Kürbiskerne angenommen, aufbereitet, gelagert und direkt an Industriekunden ausgeliefert. Im „Werk 2“ erfolgt die Kernölproduktion, im neuen „Werk 3“ die Abfüllung und zentrale Auslieferung.
Durch die neue Anordnung von Warenannahme und Lager halbieren sich die dafür notwendigen Staplerwege. „Wir bewegen dieselbe Warenmenge mit deutlich weniger Zeit- und Energieaufwand“, erklärt Martina Hubmann, Geschäftsführerin der Alwera-Tochter Estyria.
„Mit dieser Investition optimieren wir die gesamte innerbetriebliche Logistik. Das steigert die Produktivität und ist ein entscheidender Faktor für unsere Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Andreas Cretnik, Alwera-Vorstandsmitglied. Der steirische Standort konnte so abgesichert und die Wertschöpfung in der Region behalten werden.
Andere Optik
Neu anlässlich des Jubiläums: Etikett und Schrift der dunklen Kernölflasche. Trotz der optischen Änderung versichert Marketingleiterin Elisabeth Mittelbach-Krenn: „Die Qualität bleibt natürlich.“ Aufmerksamkeit auf den neuen Auftritt möchte man mit einer österreichweiten Kampagne sowie mithilfe des sogenannten „Rorschachtests“ lenken.
Bilder mit Tintenklecksbildern, besser gesagt Kernölflecken, werden verbreitet. Die Idee dahinter: Der Begutachter sieht den Fleck und kann selbst interpretieren, was er darin sieht. „Allein, dass man sich damit dem Kernölfleck beschäftigt, zeigt die Wirkung“, erklärt Mittelbach-Krenn die Idee.
Wollsdorfer Industriegebiet wächst
Die Expansion freut Agralandesrätin Simone Schmiedtbauer, die nach Wollsdorf gekommen ist, und St. Ruprechts Bürgermeister Franz Nöhrer. Steirerkraft ist nicht der einzige Betrieb, der seinen Standort in der oststeirischen Gemeinde ausbaut.
Seit Monaten gibt es eine Großbaustelle am Areal der Firma Wollsdorf Leder Schmidt – gleich gegenüber von Steirerkraft. Ob sich Siemens Energy in die ehemaligen Hallen des insolventen Lederherstellers einmieten und somit den erst neu errichteten Standort weiter ausbauen wird, ist nicht offiziell bestätigt.
Außerdem verlegt Spengler und Dachdecker Michael Derler seine „MD-Dach GmbH“ von Weiz nach Wollsdorf. Der neue Baukomplex wird auf dem Gelände neben dem Softwareentwickler „evon“ errichtet. Baustart ist 2027. Auch die Firma „SPIE DÜRR Austria GmbH“ übersiedelte erst kürzlich von Albersdorf nach Wollsdorf.
Das Industriegebiet wächst und wächst: „Kommunalsteuer ist wichtig, damit wir als Gemeinde Spielraum haben. Wir sind da aber abhängig von der wirtschafltichen Lage der Betriebe. Wir wussten, dass Siemens kommt, nicht aber das sich der Rest so schnell entwickelt“, sagt Bürgermeister Nöhrer.