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Nach 19 Jahren: Wolfsberger „Kulturkostladen“ schließt

Inhaber Josef Tatschl verabschiedet sich mit Ende Februar in den Ruhestand. Ein Nachfolger wird gesucht. Eine Übernahme wäre ab sofort möglich.

Ein älterer Mann steht hinter einer Theke
© Gerfried Ambrosch
Josef Tatschl steht voraussichtlich noch bis Ende Februar in seinem Geschäft – außer es findet sich vorher schon ein Nachfolger
MA Gerfried Ambrosch
Redakteur Regionalredaktion Lavanttal & Völkermarkt

An diesem späten Frühherbstvormittag ist einiges los im Demeter-Kulturkostladen St. Markus. Inhaber Josef Tatschl, Jahrgang 1958, kassiert ab. Viele der Wartenden sind Stammkunden, die er mit Namen kennt. Ein grauhaariger, sportlich gekleideter Herr holt sich einen weiteren Treuepunkt auf seine fast volle Stempelkarte. Bis zu dreimal am Tag kaufe er dort ein, sagt er.

Wie seine Kunden kennt Tatschl auch seine weitgehend regionalen Produkte. Bei ihm findet man vieles, was im Supermarkt nicht angeboten wird – bis hin zu Rohmilch und einem speziellen Kaffee, der auch im inkludierten Gastrobereich mit 30 Plätzen angeboten wird. Dieser ist allerdings eher spärlich frequentiert.

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Auch Frischware gibt es
Auch Frischware gibt es © Gerfried Ambrosch

In der Corona-Pandemie sei das besser gewesen: „Das war eine gute Zeit – viele Leute haben Essen abgeholt“, erinnert sich Tatschl. Danach sei die Nachfrage „abgeflacht“ und 2023 mit der sprunghaften Teuerung des Heizöls und dem damit verbundenen „Energieschock“ eingebrochen. „Die Menschen sind von außen verunsichert worden und zum Sparen übergegangen“, meint Tatschl.

© Gerfried Ambrosch

Das Wolfsberger Geschäft eröffnete vor 19 Jahren am Hohen Platz, übersiedelte später in die Wiener Straße und schließlich 2021 in die Hermann-Fischer-Straße 1. Mit Ende Februar 2027 geht Tatschl in Ruhestand. Ein Nachfolger beziehungsweise Nachmieter für das Objekt mit 150 Quadratmetern Verkaufsfläche (laut Anzeige erweiterbar auf 280 Quadratmeter) und komplett eingerichteter Küche, zu mieten für 1500 Euro je nach Quadratmeterbedarf, sei noch keiner auf den Plan getreten. Eine Übernahme inklusive des Bio-Sortiments könne aber sofort erfolgen (Kontakt: 0453 37188 oder info@kulturkost-stmarkus.at). „Die Prozesse ließen sich durch Digitalisierung rationalisieren“, fügt Tatschl hinzu.

© Gerfried Ambrosch

Wie er dem Ruhestand entgegenblickt? „Eher traurig, weil es nicht gelungen ist, genügend Bewusstsein zu schaffen und die Leute für die biologisch-dynamische Idee zu begeistern“ – also die Wirtschaftsweise hinter der Marke Demeter. Auf die Frage, ob er dieser Aufgabe nicht auch im Ruhestand nachkommen wird, sagt er nur: „Ich bin nicht bemüht, zu geben, was niemand fordert.“

Was ist biologisch-dynamische Landwirtschaft?

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft geht auf Rudolf Steiner, den Begründer der Anthroposophie, einer spirituellen und esoterischen Weltanschauung, zurück. Anthroposophische Landwirte gründeten 1927 in Deutschland die Verwertungsgesellschaft Demeter, heute ein Anbauverband. „Erkenntnis und Einsicht in die Lebenszusammenhänge zwischen Mensch, Erde und Kosmos“ seien die Grundlage der Demeter-Kulturbewegung.

Während des Nationalsozialismus stieß die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise aufgrund der esoterischen Interessen von NS-Führern wie Rudolf Heß und Heinrich Himmler sowie ihrer Nähe zur NS-Autarkiepolitik auf hohe Akzeptanz. In den vergangenen Jahren hat sich Demeter ausdrücklich von der damaligen Kollaboration, dem Ausschluss jüdischer Mitglieder und der Verstrickung in SS-Betriebe in Konzentrationslagern distanziert.

Quellen: Demeter, Wikipedia