Osttiroler schrieb Oktoberfest-Hit - und hat ihn eigentlich satt
Mit 19 schrieb Josef Pedarnig einen Lied-Text auf einen Zettel. Nun ist der Literat im 90. Lebensjahr und staunt darüber, dass sein Marschlied ein Wiesn-Hit wurde.

Der Marsch „Dem Land Tirol die Treue“ wird seit Jahren vor tausenden und zehntausenden feiernden Menschen auf dem Oktoberfest in München gespielt. Was die wenigsten wissen: Den Text dazu schrieb der pensionierte Tierarzt und Literat Josef Pedarnig aus Osttirol.
Er ist mittlerweile im 90. Lebensjahr und wenn er zu dem Lied befragt wird, sagt er erfrischend ehrlich: „Eigentlich habe ich es satt, dass ich immer nur auf dieses Marschlied angesprochen werde. Ich habe schon zehn Bücher geschrieben. Erzählungen, Prosa, Gedichte und Theaterstücke. Ich würde mir wünschen, dass auch meine Bücher beachtet werden.“
Pedarnigs Herz schlägt für Literatur, aber seine bekanntesten Texte sind wohl die beiden Liedstrophen von „Dem Land Tirol die Treue“. Darüber muss er dann auch selbst schmunzeln: „Es freut mich natürlich innerlich, zu sehen, mit welcher Begeisterung die Menschen auf Volksfesten dieses Lied singen.“
Eigentlich habe ich es satt, dass ich immer nur auf dieses Marschlied angesprochen werde. Ich habe schon zehn Bücher geschrieben und würde mir wünschen, dass das auch beachtet wird.
— Josef Pedarnig, Literat und Autor des Liedes „Dem Land Tirol die Treue“
Sein Marsch wurde ein sogenannter Wiesn-Hit. Die Süddeutsche Zeitung schrieb: „Ein Klassiker auf der Wiesn ist seit Jahren der schnelle Marsch ‚Dem Land Tirol die Treue‘. Stets taucht das Tirol-Lied in den Listen der zehn meistgespielten Wiesn-Songs auf. Ein politisch nicht unumstrittener Text über die Trennung von Nord- und Südtirol, aber im Zelt singt ohnehin kaum jemand mit, dafür wird umso intensiver geschunkelt.“ Das deutsche Onlineportal t-online.de verkündete zum Oktoberfest-Auftakt, dass Pedarnigs Marsch unter den Top 6 der am häufigsten gespielten Wiesn-Lieder ist. Im Jahr 2022 schaffte der Song sogar den zweiten Platz der meistgespielten Stücke.
„Das hätte ich mir damals nie gedacht“, sagt Pedarnig. Er ist im kleinen Dorf Schlaiten in Osttirol als eines von 15 Kindern einer Bauernfamilie aufgewachsen. Im Sommer war er mit seinen Brüdern immer auf der Alm. Alle waren bei der Blasmusik und irgendwann im Jahr 1956 hatten sie die Idee, einen eigenen Marsch zu kreieren. „Eines Tages bin ich von der Alm heruntergegangen, habe mich in die Stube gesetzt und die zwei Strophen auf einen Zettel geschrieben.“ Das sei ganz schnell gegangen. „Den Zettel habe ich daheim liegen gelassen.“ Sein Bruder Florian habe den Text gesehen und einen Marsch dazu komponiert.

Als der mittlerweile verstorbene Florian Pedarnig eine Tanzmusikgruppe in Innsbruck gegründet hat, wurde das Lied bekannt. Fast zu bekannt. „Beim Wunschkonzert in Radio Tirol wurde das Lied so oft gespielt, dass es den Verantwortlichen schon derart auf die Nerven gegangen ist, dass sie das Lied im Radio quasi verboten haben“, erinnert sich Pedarnig. Dann war jahrzehntelang Sendepause. Bis der Marsch in den 1980er und 1990er wieder von Musikern aufgegriffen wurde. Der Rest ist Geschichte - oder besser gesagt eine Erfolgsgeschichte. In Tirol gilt der Marsch mittlerweile als die heimliche Landeshymne: Er wird von den jungen Zillertalern und Marc Pircher gespielt und fehlt auf keinem Zeltfest. „Ich weiß eigentlich gar nicht, wie das alles gegangen ist“, blickt Pedarnig erstaunt zurück.
„Eines Tages bin ich von der Alm heruntergegangen, habe mich in die Stube gesetzt und die zwei Strophen auf einen Zettel geschrieben.“
— Josef Pedarnig
In seiner Heimat kennt man ihn nicht nur durch das Lied, sondern auch von diversen Lesungen. Über Aufmerksamkeit für seine Bücher freut sich der fast 90-Jährige immer: „Vielleicht interessiert sich jemand für Literatur, ein Germanist oder so, der ist herzlich willkommen bei mir in Lienz.“