Bereits jede fünfte Gemeinde ohne Lebensmittel-Nahversorger
Über 420.000 Menschen leben in Gemeinden ohne Lebensmittelgeschäft. Hybride Standorte mit bedienten und unbedienten Zeiten als Zukunftsmodell für kleine Gemeinden.
In Österreichs Städten steigt die bereits hohe Supermarkt-Dichte weiter an. In kleinen Gemeinden fehlt aber oftmals ein Lebensmittel-Nahversorger. Im Jahr 2024 verfügten 401 von 2114 Gemeinden (inklusive Wiener Gemeindebezirke) über kein eigenes Lebensmittelgeschäft, geht aus einer Studie der KMU Forschung Austria hervor. In dicht besiedelten Gebieten habe die Zahl der Standorte zwischen 2021 und 2024 um rund 14 Prozent zugenommen, in dünn besiedelten Gebieten sei sie um rund 3 Prozent gesunken.
Insgesamt ist die Zahl der Standorte im Lebensmitteleinzelhandel im untersuchten Zeitraum österreichweit um knapp 4 Prozent auf über 9.100 gestiegen. Die Nahversorgerstudie der KMU Forschung Austria wurde im Auftrag des WKÖ-Bundesgremiums Lebensmittelhandel erstellt.
Über 420.000 Menschen leben in Gemeinden ohne Lebensmittelgeschäft
Fünf Prozent der Bevölkerung in Österreich lebt in einer Gemeinde ohne eigenes Lebensmittelgeschäft. In Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnerinnen und Einwohner hatten 72 Prozent keinen eigenen LEH-Nahversorger, über 5000 Einwohner gibt es keine Gemeinde ohne Lebensmittelgeschäft.
Der Anteil der Gemeinden ohne Nahversorger unterscheidet sich nach Bundesländern deutlich, von 10 Prozent in Salzburg und 11 Prozent in Kärnten bis 24 Prozent in Oberösterreich und 28 Prozent im Burgenland. „Österreich verfügt weiterhin über ein sehr dichtes Nahversorgungsnetz“, so der Obmann des WKÖ-Bundesgremiums Lebensmittelhandel, Christian Prauchner, in einer Aussendung. Man müsse „aber Anstrengungen dort verstärken, wo Standorte in kleinen und peripheren Gemeinden unter Druck geraten“.
Hybride Standorte mit bedienten und unbedienten Zeiten
WKÖ-Vertreter Prauchner verwies auf „flexiblere und wirtschaftlich tragfähige Modelle“ für die Lebensmittel-Nahversorgung, unter anderem hybride Standorte mit bedienten und unbedienten Zeiten, Postpartnerschaften und zusätzliche Ertragsmöglichkeiten. „Auch ein erleichterter Zugang zu Tabakverkauf sowie Lotto und Toto und Ausnahmeregelungen bei den Öffnungszeiten für Gemeinden ohne weiteren Nahversorger sollten diskutiert werden“, so Prauchner.