Grazer Justizanstalten federführend gegen Spice-Schmuggel
Synthetische Drogen gelangen über Briefe und Zeichnungen in heimische Gefängnisse. In Graz wurde ein Gerät zur Substanzerkennung getestet und kommt bundesweit.
Vor zwei Jahren starben zwei Männer in der Justizanstalt Graz-Jakomini. Bei einem der beiden wurde der Tod durch eine Überdosis gerichtsmedizinisch bestätigt, beim zweiten Fall deutete laut Staatsanwaltschaft alles darauf hin. Im selben Jahr starb ein 25-jähriger Inhaftierter in Graz-Karlau, Ende 2025 ein ebenso 25-jähriger Häftling in Graz-Jakomini. Verdacht: Überdosis. Es sind keine Einzelfälle.
Aus einer parlamentarischen Anfrage vom Februar an die Justizministerin Anna Sporrer geht hervor, dass es 2023 zwei, 2024 neun und 2025 fünf suchtmittelbedingte Todesfälle in österreichischen Gefängnissen gegeben hat. Laut Drogenbericht 2025 liegen zwar keine aktuellen Studien zu Drogenkonsum in Haft vor, aber die Todesfälle deuten auf ein Problem hin: Drogen finden ihren Weg hinter Gefängnismauern – und das auf ausgefuchste Art und Weise.
Drogenschmuggel über Zeichnungen und Briefe
So auch die Droge „Spice“, die als „Knastpapier“ bekannt ist. Die Substanz wird auf Briefe, Zeichnungen oder Kleidungsstücke geträufelt und findet so unbemerkt ihren Weg ins Gefängnis. Die Droge wird von Inhaftierten geraucht, gegessen oder geschnupft. Von ihr geht eine große Gefahr aus. Denn es handelt sich dabei um synthetische Cannabinoide, die um ein Vielfaches stärker als THC, schwer dosierbar und deshalb unberechenbar sind. Bereits im Jahr 2024 wurde vor Spice-Schmuggel in heimischen Gefängnissen gewarnt.
Die Justiz startete deshalb vor rund zwei Jahren ein Pilotprojekt, in dem Graz federführend ist. Denn die Justizanstalten Graz-Jakomini und Graz-Karlau starteten mit der Testphase eines Geräts zur Substanzerkennung. Ein sogenanntes „Ionen-Mobilitäts-Spektrometer“ erkennt mithilfe von Wischtests, ob und welche Substanzen sich auf einer Oberfläche befinden. Dazu werden Gegenstände mit einem speziellen Probenträger abgestrichen, im Spektrometer analysiert und mit hinterlegten Substanzmustern abgeglichen. Das Gerät wird bereits bei Sicherheitskontrollen an Flughäfen eingesetzt und soll nun für den Straf- und Maßnahmenvollzug adjustiert werden.
Gerät erkennt bereits winzige Substanzmengen
„Dafür wurde eine eigene Datenbank erstellt und programmiert“, heißt es auf Anfrage der Kleinen Zeitung vonseiten des Justizministeriums. Diese Datenbank umfasst eine Bandbreite neuer Substanzen, vor allem synthetische Cannabinoide. Bereits kleinste Mengen bestimmter Suchtmittel können binnen kurzer Zeit erkannt werden. Damit sollen Verdachtslagen schneller aufgeklärt und der Spice-Schmuggel in Justizanstalten unterbunden werden. Präventiv werden zudem bei Verdachtsfällen Briefe ausschließlich als Kopien an die Inhaftierten weitergegeben und Kleidungsstücke, die in die Justizanstalt gebracht werden, vorab gewaschen.
Weitere Geräte sollen demnächst in den Justizanstalten Wien-Josefstadt, Stein und Innsbruck angeschafft werden. Zukünftig strebt man einen bundesweiten Einsatz im Straf- und Maßnahmenvollzug an. Das Projekt wird von der Uni Graz wissenschaftlich begleitet.