Überall KI-Plakate: „Nehmen Vereinen und Firmen die Individualität“
Social Media ist der Job von Andrea Dettenweitz. Die Turnauerin erklärt, was hinter viralen Videos steckt und warum der Einheitsbrei an KI-Plakaten nicht funktioniert.

Feuerwehrkameraden aus Fohnsdorf lassen sich mit Gülle bespritzen, um ihr „Jubiläumsfestl“ anzukündigen. Die Kicker aus Pernegg oder Langenwang lassen Frauen über „Dreier“ sprechen, um ihr nächstes Heimspiel zu bewerben, bei dem sie gerne voll anschreiben würden. Und der Chef vom Riegler in Bruck „bettelt“ vor seinem eigenen Restaurant.
Lokale Vereine und Firmen scheinen mit solchen Videos den Algorithmus diverser Social-Media-Plattformen durchgespielt zu haben. Nicht umsonst werden ihre viral gegangenen Ankündigungen und Werbungen hunderttausende Male angeschaut. „Irgendwer hat damit mal begonnen, man kann gar nicht sagen wer. Dann verbreitet es sich, Leute machen es nach und wollen sich mit immer kurioseren Videos toppen. Die Logik dahinter sind komplett unerwartete Wendungen“, berichtet Andrea Dettenweitz.
Die Turnauerin hat „Journalismus und PR“ an der Fachhochschule Joanneum in Graz studiert und arbeitet als Social-Media-Content-Managerin und Digital-Content-Creatorin bei der Agentur „ECHTNAH“ in Graz. Was sie dort als solche tut? „Eigentlich Menschen und das, was sie machen, bestmöglich in die Szene setzen“, fasst sie zusammen. Das, was in den fertigen Kurzvideos auf Instagram und Co. landet, ist dabei aber bloß die Spitze des Eisbergs.
Viele Schnitte bis zum fertigen Video
„Es beginnt mit dem Scouten der Dreh-Location, geht über Skripten bis hin zum Schnitt, der Nachbearbeitung und Analyse, wie das Video gelaufen ist“, so Dettenweitz. Natürlich kann das ein oder andere Video auch einmal ohne diese Schritte funktionieren, aber auf der Dauer setzt sich auch im Internet die Qualität durch. „Das spüren wir deutlich bei unseren Kunden“, sagt die Turnauerin.. Zu diesen zählen unter anderem die Steiermärkische Sparkasse oder die Vorarlberger Landesversicherung.

Stichwort Beobachtung. Diese darf natürlich auch in der Social-Media-Welt, in der „jeden Tag ein neuer Trend passiert und der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind“, nicht fehlen. „Alles, was lustig ist und keine rechtlichen Grenzen überschreitet, ist sehenswert“, sagt die Expertin und bringt als konträres Beispiel dazu die Vielzahl der KI-Plakate ins Treffen, die derzeit herumgeistern.
„Die nehmen Vereinen und Firmen die Individualität und damit gerade im ländlichen Bereich das Besondere. Ich weiß, dass nicht alle die Ressourcen haben, ein eigenes Plakat zu erstellen, aber man kann dann einfach nicht unterscheiden, ob die Feuerwehr, der Bäcker oder die Gemeinde zu etwas einlädt.“ Ob sie dahingehend auch ihre Familie beim Unternehmen Heldeco berät? „Hin und wieder gibt es schon Hilfe oder einen Tipp von mir“, lacht sie.
