Elke Winkens über Kindesmissbrauch: „Bin manchmal immer noch Opfer“
Elke Winkens sprach öffentlich über ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt – und erklärte gegenüber der Kronen Zeitung, warum die jüngsten Missbrauchsfälle alte Wunden wieder aufreißen. Betroffenen will sie dennoch Mut machen.
Der Missbrauchsskandal rund um den Kabarettisten Günther Paal („Gunkl“) hat in Österreich eine Welle des Entsetzens ausgelöst. In diesem Kontext sprach nun die Schauspielerin Elke Winkens („Kommissar Rex“, „How to be normal“) in einem Interview mit der Kronen Zeitung über ihre persönlichen Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch. Ebendiese würden die heute 56-Jährige angesichts der jüngsten Enthüllungen ebenso traurig wie betroffen und wütend machen.
Zeitweise habe sie sogar Probleme, ihre alltäglichen Wege zu bestreiten, da sie in Gedanken an die Missbrauchsopfer versunken sei: „Dahinter stehen Kinderschicksale und schreckliche Taten, die man ihnen angetan hat.“ Aufgrund ihrer traumatischen Erlebnisse sei die Identifikation besonders groß, so Winkens weiter: „Ich wollte nicht in der Opferrolle verharren, heute würde ich mich als Betroffene bezeichnen. Aber wenn neue Fälle, wie jetzt bei ‚Gunkl‘, auftauchen, dann merke ich, dass ich manchmal immer noch Opfer bin. Weil ich so mitleide.“
Erstmals mit sieben Jahren missbraucht
Sexuelle Gewalt erlebte die Deutsche nicht erst an einem Filmset, wie sie gegenüber der Krone ausführt, sondern schon im Alter von sieben Jahren, als sie in einem unbeobachteten Moment im Imbiss ihrer Eltern von einem fremden Mann im Intimbereich berührt wurde. Worauf ihre Mutter den Täter sofort aus dem Lokal „rausgeprügelt“ habe. So war Winkens schon bewusst, dass sich der Mann ihr gegenüber falsch verhalten und Konsequenzen zu spüren bekommen hatte. Dennoch wurde der Vorfall innerhalb der Familie nicht mehr thematisiert und erst am Sterbebett der Mutter wieder angesprochen.
Zudem erzählte die Schauspielerin im Zeitungsinterview, wie sie als 16-Jährige von einem Bekannten ihrer Eltern in dessen Auto vergewaltigt wurde, sich danach aber nicht traute, sich jemandem anzuvertrauen: „Meine Eltern waren am Ende. Wir hatten finanzielle Schwierigkeiten. Er war ein mächtiger Mann in ihrem Umfeld.“
In Folge dessen verließ Winkens auch wegen ihres gewalttätigen Vaters ihr Zuhause und kam bei Freunden ihrer Eltern unter, die sie schließlich adoptierten: „Darüber habe ich nie gesprochen. Aber da habe ich die Macht über mein Leben wiederbekommen. Heute entscheide ich, wie mein Leben ist. Nicht die Täter, sondern ich ganz alleine.“
Betroffenen Mut machen: „Sie können mich jederzeit kontaktieren“
Allerdings sei es ein langer Weg dorthin gewesen. Erst Mitte 30 habe sie sich selbst verziehen und eingesehen, dass sie keine Schuld an dem Geschehen trägt. „Die Sexualität war kaputt für lange Zeit, aber das war mir egal“, so Winkens. „Das fehlende Vertrauen in Beziehungen war das viel größere Problem.“
Dass Opfern sexueller Gewalt oftmals nicht geglaubt wird, wenn diese erst Jahre oder Jahrzehnte nach der Tat ihre Stimme erheben, ist für die 57-Jährige unerträglich: „Wenn ihr nicht die Frauen seid, denen so etwas passiert ist, wenn ihr keine Angst habt, alleine im Nachtbus mit betrunkenen Männern zu sitzen, nie Gewalt erlebt habt, dann seid einfach nur dankbar. Und richtet nicht uns aus, wie wir mit all dem umgehen müssen.“
Stattdessen sieht sie Männer in der Pflicht, bei respektlosem Verhalten Frauen gegenüber einzuschreiten und sich schützend vor diese zu stellen, bevor noch sie zu Opfern werden. Betroffenen sexueller Gewalt rät Winkens nicht nur, zur Polizei zu gehen, sondern sichert ihnen ihre Solidarität zu: „Ich möchte allen Frauen, die sich nicht trauen, an die Öffentlichkeit zu gehen, dazu einladen, mich als ihr Schutzschild zu nehmen. Sie können mich jederzeit kontaktieren.“
Hilfe für Frauen
In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, Hilfe und Informationen bei der Frauen-Helpline unter 0800-222-555, beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) 0800-222 555, Gewaltschutzzentrum Wien und beim 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien 01-71719 sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722 und den Österreichischen Gewaltschutzzentren 0800/700-217, Polizei-Notruf 133